Panton Special 09.2008

Liebe Leserinnen und Leser,

Mit seinen visionären und bahnbrechenden Arbeiten gilt Verner Panton sicher als einer der prägendsten Designer des 20. Jahrhunderts. Umso mehr ist es für Architonic eine Ehre nach zwei intensiven Jahren der Konzeption und Umsetzung, in enger Kooperation mit der hinterbliebenen Familie des dänischen Designers, das offizielle Verner Panton Referenz Portal www.verner-panton.com erstellt zu haben. Seit dem 5. September 2008, Verner Pantons zehnjährigem Todestag, ist es der Öffentlichkeit zugänglich.

Ausserdem trafen wir Marianne Panton und Rina Troxler, Verner Pantons langjährige Mitarbeiterin, in Basel für ein einmaliges und informatives Interview.

Lassen Sie sich inspirieren!

Ihr Achitonic Team

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"Man sitzt bequemer auf einer Farbe, die man mag"
Das offizielle Verner Panton Referenzportal www.verner-panton.com geht am 5.9.2008 online
 
Mit seinen visionären Entwürfen schrieb er Designgeschichte. Verner Panton revolutionierte das Designverständnis der 60er Jahre mit seinen farbintensiven und expressiven Möbeln, vor allem aber mit der Idee der Wohnlandschaft. Seine bescheidene und passionierte Art stand völlig im Gegensatz zum Bild des Enfant Terrible, das die internationale Szene gerne in ihm sah. Heute - fünfzig Jahre später - gehören seine Entwürfe zu den populärsten Ikonen des 20. Jahrhunderts. Vor allem aber ist bemerkenswert, dass seine konzeptionellen und formalen Impulse erst jetzt in der Architektur- und Designentwicklung umfassend aufgegriffen und weitergedacht werden - ermöglicht durch computergestützte Design- und Produktionsprozesse. Verner Panton war seiner Zeit voraus.

   
Verner Panton mit einer seiner Spiegelskulpturen, 1965

Am 5. September 2008 jährt sich der Todestag des dänischen Designers, der einen Grossteil seines Lebens in der Schweiz verbrachte, zum zehnten Mal. An diesem Datum wird das offizielle Referenzportal Verner Panton www.verner-panton.com lanciert. Im Auftrag und in enger Zusammenarbeit mit seiner hinterbliebenen Familie und dem Zürcher Grafiker Robert Lzicar (STVG) konzipierte, gestaltete und realisierte Architonic das umfangreiche und in dieser Art einmalige Referenzportal während zwei Jahren. Insbesondere die Weitsicht und Entschiedenheit der Familie Panton, den kostbaren Nachlass Verner Pantons zu digitalisieren und über das Referenzportal der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, dürfte im Umfeld der grossen Designer des 20. Jahrhunderts in dieser Art einmalig sein.
Für Architonic war dieses Projekt eine besondere Ehre. Bei der vertrauensvollen und komplexen Aufgabe konnte Architonic in idealer Weise auf das konzeptionelle, technische und marktorientierte Know-how aus dem Aufbau des eigenen Portales zurückgreifen.

   
Verner Panton Referenzportal: www.verner-panton.com

Die klar strukturierte Navigation bietet eine detaillierte und benutzerfreundliche Übersicht über das Gesamtwerk Verner Pantons. Eine besondere Innovation im Webdesign ist, dass die Navigations-History nicht nur wie üblich über den Back-Button funktioniert sondern auch vertikal durch einfaches Scrollen nach unten. Neben Verweisen auf die noch heute erhältlichen Produkte sowie Beispielen von Auktionsergebnissen hält das Portal viele nie veröffentlichte Bilder und Texte für die designbegeisterten Besucher bereit.
 
 
"Alles andere als nostalgisch"
Ein Interview mit Marianne Panton und Rina Troxler, Verner Pantons langjähriger Mitarbeiterin. Von Nora Schmidt und Christina Barthelmie
 
Sie haben jahrelang an seiner Seite gearbeitet: Marianne Panton war nicht nur Verner Pantons Frau, sie war über den Grossteil seiner Schaffensphase auch seine Managerin und Vetraute. Rina Troxler ist mittlerweile seit über 30 Jahren bei Familie Panton beschäftigt. Sie war seit 1978 Verner Pantons Mitarbeiterin und baute nach seinem Tod gemeinsam mit Marianne Panton systematisch ein umfangreiches Archiv auf. Wir trafen die beiden Wegbegleiterinnen von Verner Panton in Basel für dieses spannende und aufschlussreiche Interview.

  "Alles andere als nostalgisch"  
Marianne Panton

Wider Erwarten sind Sie farblich relativ dezent eingerichtet, auch wenn sie viele Panton-Möbel haben.
Marianne Panton: Nach Verners Tod, hatte ich sehr schnell das Bedürfnis, unsere alte gemeinsame Wohnung zu verlassen. Sie war viel zu groß für mich. In dieser neuen Wohnung musste ich mich erstmal auf mich und meine Zukunft ohne Verner einstellen. Ich wusste ja gar nicht wie es weitergehen sollte. Malerarbeiten standen da sicher nicht an. Na ja, und jetzt lebe ich hier seit fast zehn Jahren zwischen weißen Wänden, aber umgeben von Panton Möbeln und Objekten.
Rina Troxler: Wenn Verner hier reinkommen würde, würde er die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und schreien: "Frau Troxler, bringen Sie mir rote Farbe!"

Sie haben einen Grossteil Ihres Lebens mit Verner Panton hier in Basel gelebt. Warum ist Verner Panton nicht in Dänemark geblieben? Schließlich war Skandinavisches Design ja besonders in dieser Zeit eine feste Größe?
MP: Das ist ganz einfach. In Dänemark haben wir damals keine Produzenten gefunden. Kaum jemand wollte die zu dieser Zeit viel zu eigenwilligen und visionären Entwürfe von Verner herstellen. Auch wenn es aus heutiger Sicht merkwürdig klingen mag, aber am Anfang war es ein ewiger Kampf.

Verner Panton arbeitete nach seiner Ausbildung im Studio von Arne Jacobsen. Wie reagierten die alt eingesessenen Designer des dänischen Modernismus auf Verner Pantons Extravaganz?
MP: Natürlich waren die Leute gespaltener Meinung. Arne Jacobsen jedoch war begeistert. Er kam sogar extra nach Köln, um die Visiona 2 Ausstellung zu sehen.
Hans J. Wegner war bis zu Verners Tod ein enger Freund von ihm.

   
Visiona 2, 1970

Frau Panton, Sie waren nicht nur Verner Pantons Frau und engste Vertraute, sondern gewissermaßen auch seine Managerin.
MP: Ich habe vor allem zu Beginn die ganze Korrespondenz gemacht. Ich war auch immer mit Verner unterwegs, bei Verhandlungen, usw. Aus seiner kreativen Arbeit habe ich mich allerdings rausgehalten. Natürlich konnte ich auch meine Meinung sagen, aber er hat nur ein paar wenige Male auf mich gehört.
RT: Aber das war ja mit allen Menschen so. Er hat zwar immer gefragt, was man von seinen Entwürfen hielt, aber genau genommen wollte er gar keine Einwände hören. Man hat dann immer andere Möglichkeiten gesucht, ihm etwas auszureden, wovon man glaubte, dass es jetzt wirklich zu weit ging.
MP: Ich kann mich sehr gut erinnern, als wir Visiona 0 und 2 machten. Als ich seine Entwürfe und Modelle gesehen habe, diese Teppichmuster an den Wänden und auf dem Boden. Ich dachte nur: Um Himmels Willen, das wird ein Skandal. Damals waren schließlich beige und senfgelb die allgegenwärtigen Farben. Gott sei Dank haben meine dezenten Einwände nicht gefruchtet, denn als ich die fertige Ausstellung dann gesehen habe, war ich total begeistert.

Es hört sich ein bisschen so an, als wären Sie beide der geerdete Part bei dem ganzen Unternehmen gewesen.
RT: Verner konnte sehr ungeduldig und forsch werden. Dann war es meine vordringlichste Aufgabe, zu beschwichtigen.
MP: Ja, er konnte wirklich undiplomatisch sein. Manchmal sagte er dann: "Ich kann nicht mit Menschen zusammenarbeiten, die ich nicht mag." Ich musste ihn dann häufig dazu motivieren. Das konnte auch anstrengend sein. Natürlich stießen seine Entwürfe immer auf Widerstand. Verner konnte es nicht ausstehen, wenn ihm Leute immer sagten, dass seine Entwürfe nicht umzusetzen seien ohne dass sie ihm eine alternative Lösung anboten.
RT: Nachdem er für den Panton Chair jahrelang nach einem Produzenten gesucht hat und er 1967 dann endlich in Produktion ging, hat Verner den Satz "Das ist unmöglich" nicht mehr akzeptiert.

Offensichtlich hat er den Nerv der Leute getroffen. Wusste Verner Panton, dass die Zeit reif war, für einen stilistischen Wechsel?
MP: Es waren ja wenige Jahre nach dem Schock des Zweiten Weltkriegs. Ich glaube, die Menschen sehnten sich nach brillanten Farben. Aber vor allem war es Verners persönliches Verlangen.

   
Entwicklungsarbeit am Panton-Stuhl bei Vitra, ca. 1966, Manfred Diebold (Leiter Entwicklung), Rolf Fehlbaum und Verner Panton

War es dann schließlich die Zusammenarbeit mit Vitra, die Sie beide nach Basel führte?
MP: Nun, man muss zunächst noch erwähnen, dass wir selbst für den Panton Chair jahrelang mit Licht und Lupe nach einem Hersteller suchten. Dank der Familie Fehlbaum und Vitra konnten wir dieses Experiment schließlich erfolgreich durchführen.
Außerdem hatten wir für andere Projekte noch weitere Kontakte nach Frankreich und Deutschland. Es war also geografisch sehr günstig für uns, hier zu leben.
RT: In Deutschland gab es damals eine große Risikobereitschaft, was Design anging. Man steckte viel Energie und Geld in fortschrittliche Entwicklungen. Viel mehr als das in Skandinavien der Fall war.