Newsletter 08.2010

Liebe Leserinnen und Leser,

Lange waren die formlosen und dunklen Betonkolosse die unvermeidlichen Schandflecke vieler Innenstädte. Wir möchten Ihnen eine Reihe vorbildlicher Projekte vorstellen, die das Parkhaus von seinem leidigen Image befreien.

Los Angeles war, besonders ab den 1930er Jahren, eine der bedeutendsten Wirkungsstätten internationaler Architekten und Designer. Wir führen Sie durch eine kleine Zeitreise von den modernistischen Anfängen bis zu den zeitgenössischen Vertretern des Kalifornischen Designs.

Der Messeherbst steht vor der Tür. Finden Sie in diesem Newsletter die wichtigsten Möbel- und Materialmessen des restlichen Jahres 2010.

Lassen Sie sich inspirieren!

Ihr Architonic Team

Zürich | Mailand | Berlin | Barcelona | Kopenhagen | London | Miami
 
 
Moderne Parkhaus Architektur
Architonic lädt sie auf einen Ausflug zu den neuesten Parkhaus-Projekten, die mit den alten Vorurteilen aufräumen...
    Moderne Parkhaus Architektur  
Das Michigan Theater in Detroit aus dem Jahre 1929 dient nun als Parkgarage, Foto von Sean Hemmerle

Schlechte Nachrichten für eine Reihe eingeschworener Architektur-Fans: Nach einem langen Kampf um die Denkmalwürdigkeit des Gateshead's Trinity Square Parkhaus konnte es nun doch nicht vor dem Abriss gerettet werden.
Das brutalistische Garagen-Hochhaus, das im Jahr 1967 Owen Luder Partnership erbaut wurde, erlangte 1971 als Drehort des Films "Get Carter" Kultstatus:
Trinity Tower bekam genau in dem symbolträchtigen Moment einen festen Platz im kollektiven Volksgedächtnis, in dem Jack Carter den Bauunternehmer Cliff Brumby von einem der Treppentürme in den Tod stösst.

   
Herzog & de Meuron's Parkgarage 1111 Lincoln Road in Miami Beach; Foto Christian Richters

Abgesehen von der düsteren Unterwelt britischer Gangster und einiger Architektur-Esoteriker gibt es recht wenige Menschen, die Parkhäuser unter die Top Ten ihrer Lieblingsgebäude wählen würden, und noch weniger Leute, die demselben Gebäudetyp huldigen, wenn er überdimensional, monolithisch und in Sichtbeton ausgeführt ist.
Die Gründe für die oft negativen Assoziationen mit dem Begriff Parkhaus könnten seine schnöde, einseitige Funktion sein oder sein nutzungsbedingtes negatives Image als Herberge eines nicht gerade umweltfreundlichen Verkehrsmittels.
Im Allgemeinen stellt man sein Auto in einem Parkhaus ab, weil man es dort abstellen muss - nicht weil es schön ist, in ein Parkhaus zu fahren. Oder etwa, weil man Parkhäuser als eine ästhetisch bereichernde Infrastruktur betrachten würde. Auf einem bekannten Architekturblog kommentierte ein Blogger alias James die Studie Herzog de Meurons für einen neuen Wohnblock in Beirut, dass dieser wie ein "mehrgeschossiges Parkhaus mit wenigen Fenstern" aussehe. Wir alle wissen, dass dieser Vergleich kein Kompliment ist.

   
Innenansicht der 1111 Lincoln Road Parkgarage von Herzog & de Meuron; Foto Christian Richters
 
 
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California Calls You!
Kalifornisches Design
    California Calls You!  
Kings Road Sling Chair, Design: Rudolph Schindler, 1942, Reedition von Marmol Radziner Furniture

Kalifornien und insbesondere Los Angeles war seit den 30-er Jahren Heimat vieler Hollywood Stars und anderer schillernder Figuren des aufkeimenden Jet Sets. Die Stadt der Engel war für viele Architekten ein ideales Pflaster, um ihre Ideen zu verwirklichen. Die spektakuläre Landschaft, die mondäne Bauherrschaft, das Klima, der Reichtum der Filmbranche und vor allem der Freigeist jenseits aller Konventionen bot den Architekten damals wie heute die Möglichkeit, visionäre Projekte umzusetzen.

   
Boomerang Chair, Design: Richard Neutra, 1942, Reedition von House Industries

Einige der grossen kreativen Köpfe, die den modernen kalifornischen Stil prägten, kamen bezeichnenderweise von weit her: Richard Neutra und Rudolph Schindler kannten sich bereits aus Wien, wo sie unter Otto Wagner und Adolf Loos studierten. Beide hielten sich bei Frank Lloyd Wright in Taliesin auf, wenn auch nicht gleichzeitig, und trafen sich 1925 in Los Angeles zufällig wieder.
Neutra war einem Werbeplakat mit dem Schriftzug California Calls You! gefolgt und Schindler hatte bereits ein eigenes Büro in Los Angeles, in dem Neutra kurzzeitig mitarbeitete.
Sowohl Neutra als auch Schindler betrachteten das Haus ganz nach ihrem Lehrer Adolf Loos als Raumplan, oder wie es Schindler formulierte: "The furniture, which is stationary, becomes part of its weave until it's impossible to say where the house ends and the furniture begins. The few places (sic) which are necessarily movable (chairs etc.) become so in an accentuated degree."
Die Gestaltung des Interieurs betrachteten sowohl Neutra als auch Schindler als integrierte räumliche Umgebung.
Richard Neutras Marx Lamp und sein Boomerang Chair werden heute noch produziert, seine Entwürfe spiegelten die Tendenzen des Bauhauses stärker wider als Schindlers Möbel, die eine handwerklicheren Charakter besassen.

   
Turner Residence von John Lautner, 1982, Aspen, Colorado, Foto: Judith Lautner

Während die berühmten Case Study Houses von Eames, Neutra, Saarinen, Schindler und vielen anderen Architekten, die zu Ikonen der kalifornischen Moderne wurden, dem Plan entsprangen, durch kostengünstigen Wohnraum die Wohnungsnot zu verringern, entstanden ihre anderen Villen eher für eine exklusive Klientel, so wie auch jene von John Lautner.
Lautners Bauten waren visionär und ebenso seine Raumgestaltung und die eigens für die Bauten entworfenen Möbel.
Ursprünglich stammte Lautner aus Michigan. Er war einer der ersten jungen Architekten, die Frank Lloyd Wrights "Stipendium" erhielten, ihm also Anfang der 30er Jahre nach Taliesin folgte, um dort die Campus - Gebäude zu errichten. Im Jahr 1939 machte Lautner sich in Los Angeles selbständig, erregte mit dem Bau seines eigenen Hauses Aufmerksamkeit und erhielt schon bald eigene Aufträge.
 
 
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Messeherbst 2010
Die wichtigsten Ausstellungen des restlichen Jahres
 
Ab in die zweite Runde! Nach einem ereignisreichen Frühjahr stehen die herbstlichen Möbel- und Materialmessen bevor. Einige kleinere, aber teilweise sehr spezialisierte Veranstaltungen locken mit vielversprechenden Ausstellern. Architonic wird bei den folgenden Events mit einem Stand vor Ort sein und sich natürlich über einen Besuch von Ihnen freuen:

Habitat Valencia 28. Septmeber bis 2. Oktober, Halle 6, Stand J170
Design Biennale INTERIEUR 2010 Kortrijk, Belgium, 15. bis 24. Oktober
Orgatec in Köln, 26. bis 30. Oktober, Halle 9, Stand A70-B71
Designers' Saturday Langenthal, 6. und 7. November

Die weiteren Messen, u.a einige sehr spannende Materialausstellungen, sind ebenfalls einen Besuch wert. Auch hier werden wir für Sie wie immer Ausschau nach den besten Produkten und Herstellern halten.

CODE Copenhagen Kopenhagen, 1. bis 4. September
Maison & Objet Paris, 3. bis 7. September
Abitare il Tempo Verona, 16. bis 20. September
Design Days Lausanne, 16. bis 19. September
100% Design London, London Design Festival , 23. bis 26. September
Cersaie Internationale Ausstellung für Badkeramik und -möbel, Bologna, 28. September bis 2. Oktober
Glasstec Leitmesse der weltweiten Glasbranche, Düsseldorf, 28. September bis 1.Oktober
Marmomacc Internationale Ausstellung für Steingestaltung und - technologie, Verona, 29. September bis 2. Oktober
ISH Dubai Ausstelleung für Küche und Bad
SUN Internationale Messe für Outdoor Produkte, Rimini, 14.bis 16. Oktober
INDEX Dubai Interior Design Show, 8. bis 11. November
Art Basel Miami Beach, Design Miami 1. bis 5. Dezember

Wir hoffen, Ihnen auf der ein oder anderen Ausstellung über den Weg zu laufen und wünschen Ihnen einen inspirierenden Herbst!
 
 
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