Während der Einzelhandel über stagnierende Besucherzahlen klagt und die grossen Shopping-Malls im Konkurrenzkampf um die Kundschaft stehen, verzeichnen Geschäfte an Knotenpunkten wie Flughäfen und grossen Bahnhöfen Rekordumsätze.

Während der Einzelhandel über stagnierende Besucherzahlen klagt und die grossen Shopping-Malls im Konkurrenzkampf um die Kundschaft stehen, verzeichnen Geschäfte an Knotenpunkten wie Flughäfen und grossen Bahnhöfen Rekordumsätze. Die vorgestellten Projekte zeigen den Wandel dieser Verkehrs-Bauten in 'Airport-Cities' und 'Railcities'.

Flughafen Zürich. Architektur: Nicholas Grimshaw. Foto: Burri AG

Transit Shopping | Aktuelles

Flughafen Zürich. Architektur: Nicholas Grimshaw. Foto: Burri AG

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Für die Integration eines Shopping-Centers am Standort Flughafen spricht viel: ein hohes Kundenvolumen und die Kenntnis demographischer Daten der Besucher, sowie die hohe Kauflust, da oft restliche Zeit und Fremdwährung zur Verfügung stehen. Stetig zunehmender Flugverkehr und höhere Passagierzahlen versprechen weiteres Wachstum. Die Globalisierung des Geschmacks, von Statussymbolen und Marken macht es zudem einfacher, einer internationalen Kundengruppe zu entsprechen. Gleichzeitig gibt es auch einen Markt für Läden mit lokalem Sortiment, in denen der Frequent Traveller, etwas Besonderes sucht und sich der globalen Gleichheitsfalle entziehen kann.

Für den Transit-Shopper ist der Flughafen als Einkaufsmöglichkeit attraktiv, da er die Wartezeit nutzen kann. Zum Zeitvertreib werden Luxuskäufe getätigt oder in letzter Minute Geschenke gekauft. Dienstleistungen an Flughäfen sind eine florierendes Geschäft: Sie passen sich dem 24-Stunden-Rhythmus des Reisenden an. Die daraus resultierenden flexiblen Öffnungszeiten und das Serviceangebot machen den Flughafen auch für Anwohner und externe Besucher attraktiv, was enormen Einfluss auf die umliegenden städtischen und ökonomischen Strukturen hat, es entstehen urbane Satelliten, die teils als Konkurrenz zu den Städten antreten.

Flughafen Zürich. Architektur: Nicholas Grimshaw. Foto: Burri AG

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Die wachsende Bedeutung des Non-Travel-Sektors verändert massgeblich die bisherige Typologie des Flughafens. Früher als rein infrastrukturelles Gebäude geplant und gebaut, sollte der Weg vom Check-in zum Gate möglichst kurz sein. Der moderne Flughafen jedoch führt nicht nur den Fluggast auf dem Weg zum Gate an möglichst vielen Läden vorbei. Die dynamische Architektur der grossen, lichtdurchfluteten Hallen von Flughafenbauten harmonieren perfekt mit der Idee der Shopping Mall: Eine überdachte Einkaufsstadt, luftig und hell.
Konsequenterweise weiten die Flughäfen neben dem Luftverkehrsgeschäft ihre Angebote nicht nur in den Segmenten Einzelhandel und Gastronomie aus, sondern investieren auch in Freizeit und Erlebnis sowie Immobilienentwicklung und wandeln sich zunehmend zu Flughäfen mit stadtähnlichen Strukturen, den so genannten Airport-Cities. Architektonisch bedeutet dies ein Umdenken: Durchgangsräume müssen zu attraktiven Orten für Konsum, Kommunikation und Freizeit werden. Eine oft nicht gelöste Anfroderung muss aber bleiben, dass der gestresste Business-Traveller schnell und ohne Umwege zu seinem Ziel kommen sollte.

Da die Flughafen-Anwohner oder Tagesausflügler meist den PKW bevorzugen, lockt der Zürcher Flughafen Kunden mit der Rückerstattung der Parkgebühren in seine Shopping Mall. Einkaufen mit Sight-Seeing inklusive: Aviatik-Fans werden Zuschauerterrassen, Ausstellungen, Flughafen-Rundfahrten und die Organisation von Kindergeburtstagen angeboten.
Dank des neu erbauten Radisson Hotel, das eine direkte Anbindung ans Terminal hat, stehen jetzt auch 23 Tagungsräume und eine Konferenzetage zur Verfügung.

Nach dem Schengen-Abkommen sind Duty-Free-Einkäufe nur noch in der Schweiz und in Norwegen möglich, für alle anderen Flughäfen Europas nur noch bei einer Destination ausserhalb der EU.
Nach norwegischem Vorbild wird die Schweiz in Kürze 'duty-free on arrival' einführen, um von diesem Wettbewerbsvorteil noch mehr profitieren zu können:
Der Reisende kann auch nach der Ankunft noch duty-free einkaufen.

Für die Passagiere konnte die Betreibergesellschaft Unique das Volumen des Flughafens Zürich kontinuierlich Ausbauen - trotz grossem Gegendruck von der fluglärmgeplagten Bevölkerung.
Denn die Erweiterung ist lukrativ: Wurden im Jahr 2002 noch 237'525 Franken Umsatz im Nichtflugbereich umgesetzt, waren es 2008 schon 329'414 Franken.

Für den hochmodernen Erweiterungsbau der per Skytrain zum Terminal E führt und auch alle weiteren Ausbauetappen anbinden wird, wurden die modernsten und edelsten Materialien verwendet: Terrazzoboden, Holzfurniere und aufwendige Konstruktionsdetails tragen die architektonische Handschrift des Büros Nicholas Grimshaw. So wird dem anspruchsvollen Mietermix der Rahmen einer einheitlichen Corporate Architecture gegeben.

Der Flughafen als Destination, dieses Potenzial erkannte auch die Flughafenbetreibergesellschaft BAA deren Name im Englischen gern als 'build another arcade' (Bau eine neue Einkaufszeile) übersetzt wird. Die BAA gilt als führend im Non-Travel-Bereich: Der Flughafen Heathrow bestritt bereits vor dem Neubau des Terminal Five 50% seiner Einnahmen aus dem non-aeronautical Sektor.

Heathrow

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Richard Rogers schuf in Heathrow mit dem Neubau des Terminal 5 in Heathrow ein Hybrid aus Shopping-Center und Flughafen: Der Passagier betritt das vierstöckige Hauptgebäude in der obersten Ebene, deren Gesamtfläche mehr als 55.000 Quadratmeter misst. Diese Fläche wird von einem einzigen geschwungenen Dach überspannt, das von baumartigen Stützen getragen wird. Nach dem Check-in eröffnet sich eine Einkaufswelt, die keine Wünsche offen lässt. Global brands meet local brands. Allerdings ist in Heathrow das Einkaufen denen vorbehalten, die im Besitz eines Tickets sind, doch das genügt: Allein im Juli 2009 flogen 2,4 Millionen Reisende von T5 ab.

Heathrow

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Verkehrszahlen Flughafen München

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Bereits vor 10 Jahren eröffnete das Munich Airport Center des Chicagoer Stararchitekten Helmut Jahn. Es verbindet das Terminal 1 mit dem Terminal 2 und besitzt somit eine zentrale Position.
Die beiden L-förmigen Gebäude des MAC umschliessen das 10.000 Quadratmeter grosse MAC-Forum, die grösste überdachte Freifläche Europas. Die spektakuläre Dachfläche aus lichtdurchlässigen, teflonbeschichteten Glasfasermembranen und Verbundssicherheitsglas ist an 14 Pylonen aufgehängt. Während das Forum für Events verschiedenster Art wie Christkindlmarkt, Beachvolleyturniere etc. genutzt wird, befinden sich im MAC Komplex Shoppingcenter, Dienstleistungen sowie ein Ärzte- und ein Kongresszentrum.

Munich Airport Center (MAC)

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Im Terminal 2 befindet sich neben Luxusmarken und Edelgastronomie eine Miniatur von Herzog & de Meurons Allianz Arena mit dem Konzept »News to Go«: Der Business-Reisende erfährt an interaktiv bedienbaren Touchscreen-Monitoren alle wichtigen News aus Wirtschaft, Politik, Finanzen und Sport.

Munich Airport Center (MAC)

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Shopville Zürich

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Auch wenn das Flugzeug als wichtigstes Transportmittel der globalisierten Welt gewertet wird, und die Passagierzahlen stetig zu wachsen scheinen – strenge Kontrollen und damit verbundene Wartezeiten, sowie der Bau von Schnellzugstrecken machen die Bahn konkurrenzfähig. Und auch der Bahnhof ist nicht nur mehr Schalterhalle wie früher:
Sonderregelungen für den Verkauf an Sonn- und Feiertagen, sowie die längeren Öffnungszeiten machen den Bahnhof attraktiv für diejenigen, die gerne stadtnah einkaufen.
Das Shopville im Zürcher Hauptbahnhof war als Fussgänger und Ladenpassage geplant, faktisch ist es mit der Eröffnung der S-Bahn 1990 ein Teil von Railcity geworden, dem unterirdischen Einkaufszentrum, das direkt am Hauptverkehrsknotenpunkt der Schweiz liegt. Die unterirdischen Passagen sind die kürzeste Verbindung zur Innenstadt, man durchquert Railcity von S-Bahn zu Fernbahn und von Landesmuseum zur Haupteinkaufsstrasse und den Strassenbahn-Haltestellen.
Der Hauptbahnhof wird vielfältig genutzt wie z.B. für kulturelle Veranstaltungen wie Kinos und Konzerte. Neben dem breiten Angebot an Delikatessen findet am Bahnhof wöchentlich ein Spezialitätenmarkt statt. Das Ärzteteam der Permanence versorgt mit Fachärzten Notfallpatienten rund um die Uhr, das Dental Center behandelt Pendler auch in den frühen Morgen- und späteren Abendstunden an 365 Tagen im Jahr.

Shopville Zürich

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Im August 2008 eröffnete das Einkaufszentrum Forum 1 in Salzburg von kofler architects. Das Forum 1 befindet sich direkt neben dem Salzburger Hauptbahnhof, der an Spitzentagen von bis zu 57.000 Menschen frequentiert wird. Der Salzburger Bahnhof stellt den grössten Knotenpunkt öffentlichen Verkehrs in Westösterreich dar - dadurch ist das Shopping Center optimal an das öffentliche Verkehrsnetz von ÖBB Zügen bis zum Stadtbus angeschlossen.
Für PKWs wurde eine 24 h -Tiefgarage mit 330 Parkplätzen erstellt, die über ein modernes Parkleitsystem verfügt. Strategisch günstig ist das Forum 1 eine attraktive Verbindung zwischen Bahnhofsvorplatz und Cineplexx-Kino und dockt direkt an das ebenfalls neu errichtete Ramada Viersternhotel an.

Heathrow

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Um den Kreis wortwörtlich zu schliessen, kehren wir zu nach Zürich zurück: Dort hat der Architekten-Wettbewerb für 'The Circle at Zürich Airport' begonnen.
Das rund eine Milliarde Franken schwere Projekt soll ein grosses Dienstleistungszentrum mit Funktionen wie Wellness, Gesundheit, Fortbildungen und Veranstaltungen unter einem Dach vereinigen und zwei Hotels beherbergen, Baubeginn ist für 2012 geplant.
Fünf nationale und internationale Büros wurden bereits vorselektiert- darunter Zaha Hadid Architects und Asymptote Architects. Das Ergebnis des Gigantenrennens 2010 wird einen weiteren grossen Schritt darstellen im Wandel eines Flughafens vom Verkehrsbau zu einer Airport-City.