Das Projekt "Inspiration of Kyoto" zelebriert 13 japanische Ateliers und Werkstätten, die jahrhundertealte japanische Handwerks- und Fertigungstechniken am Leben erhalten und gleichzeitig eine neue, internationale Generation von Designern inspirieren.

Als einziger traditioneller Schirmhersteller (Wagasa) in Kyoto hat Hiyoshiya zusammen mit dem Designer Florent Linker von Wagasa inspirierte Leuchten für den modernen Markt entworfen

Jenseits der Tradition: Inspiration of Kyoto | Aktuelles

Als einziger traditioneller Schirmhersteller (Wagasa) in Kyoto hat Hiyoshiya zusammen mit dem Designer Florent Linker von Wagasa inspirierte Leuchten für den modernen Markt entworfen

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Traditionell. Authentisch. Zeitlos.

Die menschliche Fantasie wurde schon seit jeher von der Schönheit und Einzigartigkeit von Traditionen, sowie von den Geschichten hinter bestimmten Objekten und Artefakten angeregt. Kreative Branchen wie das Möbeldesign und die Modewelt werden fortlaufend von traditionellen Produkten inspiriert und mit innovativen Ideen und Technologien kombiniert, um den Bedürfnissen zeitgenössischer Märkte gerecht zu werden. Moderne Produkte entstehen oftmals aus der Verbindung traditioneller Handwerkskunst mit originellen, neuen Ideen.

Miki Bamboos Kyo-meichiku-Bambus gilt in Kyoto als anerkanntes traditionelles Kunsthandwerk und wird hier für einen modernen Tisch verwendet. Die kräftige Tischstütze ähnelt einem Taimatsu, eine traditionelle japanische Fackel aus gebundenem Holz

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Miki Bamboos Kyo-meichiku-Bambus gilt in Kyoto als anerkanntes traditionelles Kunsthandwerk und wird hier für einen modernen Tisch verwendet. Die kräftige Tischstütze ähnelt einem Taimatsu, eine traditionelle japanische Fackel aus gebundenem Holz

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Das Projekt “The Inspiration of Kyoto” hat 13 traditionelle Hersteller aus Japans Hauptstadt des Handwerks ausgewählt. In Zusammenarbeit mit zwei Pariser Designstudios – Studio Garnier & Linker und Studio Kaeran – hat sich das Projekt für talentierte Handwerker und ihre volkstümlichen Techniken eingesetzt und eine Sammlung innovativer Produkte hervorgebracht. “Ich glaube, dass das Teilen, die Zusammenarbeit, sowie das Vermischen von Kulturen und Ideen immer eine großartige Inspirationsquelle für wunderschöne Projekte darstellt. Und genau das ist es, worum es bei ‘The Inspiration of Kyoto’ geht”, sagt das Studio Kaeran. Hier teilen wir die Geschichte hinter einigen dieser Produkte.


In Zusammenarbeit mit zwei Pariser Designstudios, dem Studio Garnier & Linker und dem Studio Kaeran, setzt sich das Projekt "The Inspiration of Kyoto" für die talentierten Handwerker und die überlieferten Techniken von 13 traditionellen Herstellern aus der Hauptstadt des japanischen Handwerks ein.


Ursprünglich war das japanische Unternehmen Hiyoshiya ein Hersteller traditioneller japanischer Sonnenschirme, genannt “Wagasa”. Im Laufe der Zeit führte ein Marktrückgang dazu, dass das Unternehmen begann, ums Überleben kämpfen zu müssen. Gott sei Dank sind Innovation und Inspiration oftmals gar nicht so weit weg, wie es den Anschein haben mag. Hiyoshiya erkannte den Wert der traditionellen Handwerkskunst der “Wagasa” – und drehte seine Sonnenschirme einfach um, um sich dadurch plötzlich im Lampenschirmgeschäft wiederzufinden.

In Morisans Werkstatt (Mitte) tauschen sie die üblichen Puppenkleider und mit Damenstoff gefütterten Accessoires gegen größere Haushaltswaren aus, die Mitsuwas Palette an auffälligen Fäden (unten) und Webtechniken zur Schau stellen

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In Morisans Werkstatt (Mitte) tauschen sie die üblichen Puppenkleider und mit Damenstoff gefütterten Accessoires gegen größere Haushaltswaren aus, die Mitsuwas Palette an auffälligen Fäden (unten) und Webtechniken zur Schau stellen

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Nakagen und Miki Bamboo pflanzen Zedernholz bzw. Kyo-meichiku-Bambus an und versorgen Kitayama damit – beides Materialien, die in der traditionellen japanischen Architektur verwendet werden. Mithilfe des örtlichen Tischlers Chushin Kougei hergestellt, spiegelt der Kitayama-Schrank von Nakagen den schützenden Baumstamm wider und offenbart nur die wertvollsten Artikel seines Besitzers. Während der Tisch von Miki Bamboo wiederum nur ein einziges Standbein aufweist, welches an die Architektur von japanischen Tempelgärten erinnert. Inzwischen als Team agierend, das Equipment für buddhistische Altare herstellt und restauriert, ist es nicht weiter verwunderlich, dass der hölzerne Schrank von Iwata Houraiya ein machtvolles und stabiles Fundament für kontemplative Ausstattungen repräsentiert. Alle drei Stücke feiern die für ihre Herstellung verwendeten Materialien und Handwerkskunst auf eine visuell bezaubernde Art und Weise.


Hiyoshiya erkannte den Wert der traditionellen Handwerkskunst der Wagasa und drehte ihre Sonnenschirme einfach um – und fand sich dadurch auf einmal im Lampenschirmgeschäft wieder


Kitai hat seinen Sitz in Nishijin, dem Epizentrum der Textilindustrie von Kyoto, und verwendet anspruchsvolle Seiden, um auf Details fokussierten Blumenhaarschmuck von Hand zu kreieren. Von diesen kunstvollen Kreationen inspiriert, haben die Designer mit Kitai zusammengearbeitet und Wandkunstwerke für die Innenausstattung kreiert. Die so entstandenen Paneele erinnern an vertikale Blumengärten, die in den Bann ziehende Muster mit komplizierten Details beinhalten. Währenddessen kreiert Morisan kunstvoll gewebte und eigenständig gestaltete Kleidung für Hina- und May-Festivalpuppen von höchster Qualität. Durch die Zusammenarbeit mit ihrem Nishijin-Nachbarn Mitsuwa, ein Hersteller von Metallgarn, kreieren die beiden eine noch umfassendere, fantasievollere und anspruchsvollere Kollektion an Haushaltswaren, die die Stoffqualität besonders zum Ausdruck bringen.

Mit Kunden wie Luxushotels, Restaurants und Residenzen stellte Kyoraku Kougei im Januar 2020 eine Auswahl seiner lackierten Waren auf der Maison et Objet aus und handelt inzwischen mit internationalen Käufern

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Mit Kunden wie Luxushotels, Restaurants und Residenzen stellte Kyoraku Kougei im Januar 2020 eine Auswahl seiner lackierten Waren auf der Maison et Objet aus und handelt inzwischen mit internationalen Käufern

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Raku stellt ein fast 500 Jahre altes Handwerk dar, das historisch mit Kyoto verbunden ist. Der unvorhersehbare Brennvorgang, der traditionell für Keramik für Teezeremonien verwendet wird, feiert die Unvollkommenheit und schafft atemberaubend ausdrucksvolle und individuelle Ergebnisse. Raku-Meister Yoshimura Rakunyu hat sich die alte Handwerkskunst zunutze gemacht, um Uchû (Raum) zu kreieren – eine Sammlung einzigartiger Vasen. Den traditionellen Prozess mit zeitgenössischem Design komplettierend, präsentiert Rakunyu seine schwimmende Ware in einem Goldsockel – eine passende Metapher für das Projekt “The Inspiration of Kyoto” selbst.

Die Urushi-Lackiertechnik datiert bis ins Jahr 7.000 vor Christus zurück. Und steht so sehr für Japan, dass europäische Handwerker sie bei ihrem Versuch, den Prozess nachzuahmen, “Japanning” nannten. Der traditionelle Lackierer Makino beschichtet das Innere von architektonischen Produkten mit üppigen Mustern, die nach dem Trocknen extrem langlebig und strapazierfähig werden. Kyoraku Kougei bevorzugt hingegen eine UV-Beschichtungstechnik, die für ein ebenfalls langlebiges, aber auch hitzeresistentes Ergebnis mit detaillierter Farbgebung sorgt. Vor ihrer Beteiligung am Projekt haben die zwei Unternehmen an einem breiten Spektrum an einmaligen Projekten gearbeitet. Nun haben sie allerdings jeweils exklusive Kollektionen an Haushaltswaren und Möbeln kreiert.

Makinos Urushi-Lackiertechnik verwendet Urushiol (oben). Das Öl chinesischer Lackbäume ermöglicht eine extrem haltbare Hochglanzoberfläche. Ein einziges Stück kann Wochen, gar Monate des (Wieder)Auftragens benötigen, um fertig zu werden

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Makinos Urushi-Lackiertechnik verwendet Urushiol (oben). Das Öl chinesischer Lackbäume ermöglicht eine extrem haltbare Hochglanzoberfläche. Ein einziges Stück kann Wochen, gar Monate des (Wieder)Auftragens benötigen, um fertig zu werden

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Die zwei finalen Projektmarken sind Keikoroll, die traditionelle lithographische Yuzen-Farbdrucktechniken für Theaterkostüme verwendet, und Erimo, ein 130 Jahre bestehendes Tapetenherstellungsunternehmen, das feine Fäden und handgemachtes Washi-Papier verwendet, um Wandverkleidungen mit originellen Texturen zu erschaffen. Beide Unternehmen haben ihre jeweiligen Handwerkskünste auf neue Bereiche ausgeweitet: originelle Haushaltswaren und Kunstdrucke sowie eine neue Linie an strukturiertem Papier, welches Holzmaserungen, Metalle und Naturleder präzise widerspiegelt.

Die Designerin Keiko Yamamoto und der Yūzen-Stofffärbeexperte Yamamoto Senkojo haben sich zusammengetan, um farbenfrohe Textilien mit kühnen, zufällig angeordneten, aber einnehmenden Mustern zu entwerfen

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Die Designerin Keiko Yamamoto und der Yūzen-Stofffärbeexperte Yamamoto Senkojo haben sich zusammengetan, um farbenfrohe Textilien mit kühnen, zufällig angeordneten, aber einnehmenden Mustern zu entwerfen

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“Die Beziehungen, die wir mit den Handwerkern aufbauen, denen wir begegnen, bleiben auch noch lange nach Projektende bestehen”, sagt das Studio Garnier & Linker. Mit dem Projekt “The Inspiration of Kyoto”, das von der Kyoto Chuo Shinkin Bank gesponsert wird, werden diese Handwerkstechniken internationale Designer und Hersteller erneut inspirieren und ermutigen.

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