Fotograf: Ariel Huber

Max Kämpf-Platz von Gaetano Castiello | Parks ×

Fotograf: Ariel Huber

Max Kämpf-Platz von Gaetano Castiello | Parks ×

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Max Kämpf-Platz von Gaetano Castiello | Parks ×

Unter freiem Himmel und umgeben von unzähligen Bäumen tummeln sich fröhliche Kinder in sanft gewölbten Hügellandschaften „en miniature“ mit Bergseen, plätschernden Fontänen und Wasserläufen in Talsohlen. Das Wasserbecken erinnert an Felsformationen und breite Canyons wie sie der Künstler Max Kämpf im Reservat der Navajo-Indianer erlebt und gemalt hat. Der neue Stadtplatz ist einladend und vielfältig nutzbar. In den warmen Farbtönen der verwendeten Materialien spielt Kalkstein den Grundakkord und erzeugt eine harmonische, stimmige Atmosphäre. Der Platz erzählt mit feinfühligen Anspielungen Geschichten zu seinem Namensgeber, zu Reisen in südliche Länder und zur Baukultur der Stadt Basel.

Die sanft geschwungene Promenade lädt zu gemütlichen Spaziergängen entlang von Duft- und Klangwelten ein. Um das Wasserbecken herum ist es frühmorgens noch ruhig und idyllisch. Das Rascheln der Blätter im Wind mischt sich mit den Geräuschen des Quartiers, das langsam erwacht. Die Fontänen beginnen den Bergsee „en miniature“ zu füllen. Im sanft gewölbten, frisch gemähten Rasen glänzen noch die Tauwasserperlen. In der Wiese vis-à-vis duftet es nach Prärie mit Wildblumen und Gräsern. Der helle Terrazzoboden der „Esplanade“ blendet ganz leicht im Gegenlicht der aufgehenden Morgensonne. Es ist schön, am Max Kämpf-Platz Runden zu drehen. Stufen, Stühle und Bänke bieten Gelegenheiten, um sich zu entspannen und sich mit anderen Menschen auszutauschen. Jeder Spaziergang am Max Kämpf-Platz ist anders und zugleich vertraut – ein in vier Schlaufen verwobener unendlicher Parcours, um sich ganz gut in der Kunst des Spazierens zu üben.

Die Figur des Wegebands erinnert an ein Kleeblatt, zwei verschränkte Achterbahnen oder auch an Grundriss-zeichnungen von Zentralbauten wie Kirchen und Villen der Renaissance. «Villa» kann im italienischen Sprachgebrauch sowohl den klassischen Typus eines idyllischen Landhauses wie auch eine Ortschaft, eine öffentliche Gartenanlage oder einen städtischen Park bezeichnen. Ort, Architektur, Natur und Landschaft verschmelzen im Wort «Villa» zu einer mehrdeutigen Sache, die eher ein Lebensgefühl oder eine Atmosphäre beschreibt und verführerisch unscharf bleibt. Müsste man den Platz nicht besser „Villa Max Kämpf“ nennen? Es wäre ein subtil ausgewählter Name, denn in der ambivalenten Gestaltung erscheinen sowohl ein Gemeinschafts-garten wie auch eine „bewohnbare“ Grundrissfigur mit vier grossen Räumen, die unterschiedlich genutzt und gestaltet werden können.

Die Zahl vier ist nicht zufällig gewählt. Max Kämpf hat einen bedeutenden Abschnitt seines Lebens bei den Navajo-Indianern in den Vereinigten Staaten von Amerika verbracht. Die Indianer haben sein Wesen und sein künstlerisches Werk stark geprägt. Ihre archaischen Rituale widerspiegeln die Harmonie zwischen Mensch und Natur. Die Navajo-Indianer stellen den Kosmos als Kreis dar und unterteilen ihn in vier Welten. Um Menschen zu heilen, durchleben die Medizinmänner eines Stammes im Trancezustand ein langes Ritual bis tief in die Nacht hinein. Dabei zeichnen sie einen Kreis mit zwei sich schneidenden Achsen im Sand und beginnen, die vier Welten im Sandbild weiterzumalen. Der Heil suchende Mensch setzt sich danach in das Sandbild und verharrt darin, um die heilende Energie aufzunehmen. Die Zahl vier ist für die Navajo-Indianer besonders wichtig, voller positiver Magie, Symbolik und Heiligkeit.

Sie glauben an vier aufeinanderfolgende Welten. Vier sind auch ihre (und unsere) Haupthimmelsrichtungen Ost, West, Nord und Süd sowie ihre vier heiligen Kulturpflanzen Mais, Bohnen, Kürbis, Tabak. Für unsere Mitteleuropäisch geprägte Kultur ist die Zahl vier ebenfalls von elementarer Bedeutung: Begriffe wie «Quartier» und «Stadtviertel» gehen zurück auf die antiken Römer, die ihre Städte durch das Anlegen zweier Hauptstrassen definierten, die sich im Zentrum der Stadt kreuzten und vier Stadtviertel bildeten. Der Max Kämpf-Platz ist in Analogie zu diesem archaischen Gründungsakt und zu den vier Himmelsrichtungen durch zwei Hauptachsen in vier Räume unterteilt. Die Räume haben aber keine Wände, sondern unzählige Bäume unter freiem Himmel: Steineichen, Hopfenbuchen, Tupelobäume, Kolchische Ahorne, Feldahorne und Bergkirschen.

Städtebauliche Einbindung
Der Max Kämpf-Platz ist einer der beiden städtischen Plätze im neu entstandenen Quartier Erlenmatt im Norden der Stadt. Auf der Erlenmatt entsteht seit 2007 ein neues Stadtquartier, das nach den Prinzipien einer nachhaltigen Quartierentwicklung konzipiert wurde. Wohnungen für verschiedene Anspruchsgruppen, grosszügige und attraktive Frei- und Grünräume, Büro- und Gewerbeflächen, ein Primarschulhaus und ein Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten und gastronomische Angebote machen die Erlenmatt zu einem lebenswerten Stück Basel.

Mit der Reorganisation der betrieblichen Abläufe der Deutschen Bahn AG wurde ab 1998 das Areal des DB-Güterbahnhofs zwischen Nordtangente, Schwarzwaldallee, Erlenstrasse und Riehenring frei für neue vielfältige Nutzungen. Mit der Öffnung des Areals konnten die angrenzenden Kleinbasler Quartiere direkter an das Naherholungsgebiet Landschaftspark Wiese angebunden und ein neues Stadtquartier entwickelt werden. Bereits 1996 führte der Kanton Basel-Stadt gemeinsam mit der Vivico Real Estate GmbH (seit 2007: CA Immo Deutschland GmbH) einen offenen internationalen städtebaulichen Wettbewerb durch. Im Rahmen eines intensiven Mitwirkungsprozesses wurden die Bevölkerung und das Gewerbe direkt am Planungsprozess beteiligt. Das erarbeitete Positionspapier bildete eine wesentliche Grundlage für den zweiten städtebaulichen Wettbewerb im Jahr 1998.

Im Jahre 2002 wurde auf der Basis des Siegerprojektes von Ernst Niklaus Fausch Architekten mit Raymond Vogel Landschaften und den Verkehrsplanern stadtraumverkehr, Birchler+Wicki der Bebauungsplan erarbeitet. Der Grosse Rat verabschiedete am 2. Juni 2004 den Bebauungsplan. Hiergegen wurde das Referendum ergriffen. Die Basler Stimmbevölkerung hat sich im Februar 2005 mit einer klaren Mehrheit für die Entwicklung des Erlenmattareals entschieden. Seit 2007 werden auf den privaten Baufeldern auf der Grundlage von architektonischen Studienaufträgen bzw. Wettbewerben Hochbauten erstellt, wobei die Bautätigkeit ab 2013 markant zugenommen hat. Der westliche Teil des Erlenmatt-Areals wird ab 2016 mit über 700 Wohnungen fertiggestellt sein. Im Anschluss daran wurden die beiden grossen öffentlichen Plätze, das Stadtterminal und der Max Kämpf-Platz, durch den Kanton Basel-Stadt realisiert.

Materialisierung
Laufener Kalkstein wird in der Region Basel schon seit unzähligen Generationen als Baumaterial verwendet. In den Jugendstilhäusern des angrenzenden Matthäusquartiers sind Vorgartenmauern, Gebäudesockel und Eingangstreppen ein wesentliches Merkmal der Architektur und des Strassenraums. Kalkstein ist am Max Kämpf-Platz das prägendste Material: Die Gartenmauern und die Rinnenabdeckungen aus Kalkstein umfassen den Platz, der gestockte Kalksteinbeton der Promenade und der Terrazzobelag mit Kalksplitt und eingestreuten Steinen «Rosso Verona» ergeben eine harmonische Einheit. Das Ensemble wird vom Baumdach und von der Kiesebene gerahmt. Durch die grosszügige und leicht geneigte Kiesebene aus Vogesen-Porphyr und Jura-Kalk versickert das Regenwasser. Von dieser offenen Oberfläche profitieren gewöhnliche und seltene Pflanzenarten, welche sich dort ansiedeln. Die Biodiversität und die Nachhaltigkeit im Quartier werden dadurch gesteigert. Veränderlich dicht wird das spontane Grün aufgrund der lokal unterschiedlichen Nutzung durch die Menschen, welche mit Bewegung, Durchgang und Rückzug Spuren in die grosse sandige Kräuterlandschaft zeichnen.

Der Künstler Max Kämpf
Max Kämpf wurde am 15. Mai 1912 in Basel geboren. 1927 begann er eine Lehre als Flachmaler. Schon in dieser Zeit malte er Stillleben, Landschaften und kopierte berühmte Maler. Kämpfs ungewöhnliche Begabung wurde 1933 in den Werken «Strassenarbeiter» und 1934 in «Die Emigranten» ersichtlich. Durch diese Bilder wurde er in der Basler Kunstszene berühmt. 1937–1938 besuchte er die Basler Kunstgewerbeschule. Erste Ausstellungen folgten und Kämpf beteiligte sich an verschiedenen Wettbewerben, unter anderem für ein Wandbild an der Fassade des Waisenhauses. Der staatliche Kunstkredit kaufte das Werk mit dem Titel «Traumflug». Seine Themen waren sozialkritisch, Erinnerungen seiner ärmlichen Jugend. Kämpf war auch für die Fasnacht kreativ. In den 60er-Jahren schuf er Laternen, Larven und Kostüme für die «Kuttlebutzer» und setzte so neue Akzente. Im Frühsommer 1979 erfuhr er von seiner Krebserkrankung. 1982 malte er seine letzten Werke. Max Kämpf starb am 26. September 1982 in Basel. Mehr Information über den Menschen und Künstler Max Kämpf:

Design Team:

Gaetano Castiello

Client and Project Management: Building and Transport Department of the Canton of Basel-Stadt City Nursery
Civil Engineering Office: Basel-Stadt
Mobility: Basel-City
Industrial Works: Basel IWB
Master Builder: Albin Borer AG
Shotcrete: Eberle Landschaftsbau und Geotechnik AG together with the artists Clemens Hunger and Bert Jan Douma
Terrazzo: Walo Bertschinger AG

Fotograf: Ariel Huber

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Fotograf: ®Gaetano Castiello

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