Die einzigartigen Möbeldesigns des legendären austroamerikanischen Architekten Richard Neutra, einem der wichtigsten Vertreter der klassischen Moderne, sind dank des renommierten europäischen Möbelherstellers VS zurück. Die perfekte Verbindung von amerikanischem Design und deutscher Ingenieurskunst.

Richard Neutras zum Kultobjekt avancierter „Boomerang Chair“ aus den frühen 1940er Jahren, der ursprünglich für das Wohnungsbauprojekt „Channel Heights“ entworfen wurde

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Richard Neutras zum Kultobjekt avancierter „Boomerang Chair“ aus den frühen 1940er Jahren, der ursprünglich für das Wohnungsbauprojekt „Channel Heights“ entworfen wurde

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Wäre er als Aufdruck für ein T-Shirt gedacht, könnte der Spruch etwa lauten: „Architekten tun es für sich selbst“.

Durch alle Epochen hindurch haben Architekten von Rang immer wieder die Grenzen zwischen den Disziplinen überschritten, um ihr Denken und ihre ästhetische Vision auf das inspirierendste und fundamentalste aller Designobjekte zu richten: den Stuhl. Wenn man seine Gestaltungsideen ausprobieren möchte, jedoch nicht über die Zeit und die Ressourcen für ein ganzes Gebäude verfügt, warum nicht erst einmal ein Testlauf en miniature in Form eines Stuhls! Und andersherum: Wenn man sich danach sehnt, ein Exemplar brillanter Architektur zu besitzen, für das der Geldbeutel leider nicht ausreicht, warum dann nicht mit etwas Kleinerem beginnen und ein Möbelstück erwerben, das ganz den architektonischen Prinzipien verpflichtet ist?

Der durch seine eigenwillige Form bestechende „Boomerang Chair“. In Details wurde er von Richard Neutras Sohn Dion Neutra, ebenfalls Architekt, überarbeitet

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Der durch seine eigenwillige Form bestechende „Boomerang Chair“. In Details wurde er von Richard Neutras Sohn Dion Neutra, ebenfalls Architekt, überarbeitet

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Neutras eleganter schlanker „Tremaine Side Chair“ mit Beinen aus Stahlrohrwinkeln

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Neutras eleganter schlanker „Tremaine Side Chair“ mit Beinen aus Stahlrohrwinkeln

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Zu diesen kreativen „Wanderern zwischen den Disziplinen“ gehört zweifelsohne auch der gefeierte Austro-Amerikaner Richard Neutra. Stilistisch der klassischen Moderne zuzurechnen, hat er hauptsächlich für seine zahlreichen in Südkalifornien entstandenen Wohnbauprojekte im Internationalen Stil Bekanntheit erlang, insbesondere für das 1929 gebaute Lovell Health House. Seine Möbelentwürfe hingegen waren immer an spezifische Architekturprojekte gebunden und wurden deshalb nicht, wie bei vielen seiner Kollegen, in industriellen Serien aufgelegt. Deshalb blieben diese Designschätze einer breiten Öffentlichkeit bisher vorenthalten. Im Geiste eines Gesamtkunstwerks sollten sie in einen Dialog mit den Villen und anderen Gebäuden treten, für die sie speziell entworfen worden waren, wie zum Beispiel der durch seine eigenwillige Form bestechende „Boomerang Chair“ für das Wohnbauprojekt „Channel Heights“ aus dem Jahre 1942.

Der rechte Winkel dominiert in den Neutra-Entwürfen „Alpha Seating“ (oben) und seinem „Lovell Easy Chair + Ottoman“ (unten). Letzteren entwarf er im Jahre 1929 für das zukunftsweisende „Lovell Health House“

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Der rechte Winkel dominiert in den Neutra-Entwürfen „Alpha Seating“ (oben) und seinem „Lovell Easy Chair + Ottoman“ (unten). Letzteren entwarf er im Jahre 1929 für das zukunftsweisende „Lovell Health House“

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Natürlich war und ist Neutra nicht der einzige Architekt, dessen Werk ein holistischer Ansatz zugrunde liegt, der das Mobiliar als integralen Bestandteil des spezifischen innenarchitektonischen Entwurfs deutet. Man denke beispielsweise an Mies van der Rohes „Barcelona Chair“ für den deutschen Barcelona-Pavillon oder Alvar Aaltos „Paimio Chair“ für das Paimio-Sanatorium, aber auch an zeitgenössische Grössen wie Frank Gehry und Zaha Hadid. Doch eine Reihe von Gründen führte dazu, dass Richard Neutras Renommee als Möbeldesigner in der Geschichte des Designs dauerhaft hinter seinem architektonischen Werk zurücktrat. Das rührt daher, dass viele seiner Entwürfe nicht über das Zeichenbrett hinaus reiften und falls seine Stühle, Sessel, Ess- und Sofatische doch realisiert wurden, letztlich nur als Unikate oder höchstens in kleinen, äusserst limitierten Auflagen produziert wurden.

VS-Geschäftsführer Thomas Müller (links) zusammen mit Richard Neutras Sohn und Architektenkollegen Dion Neutra in Kalifornien

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VS-Geschäftsführer Thomas Müller (links) zusammen mit Richard Neutras Sohn und Architektenkollegen Dion Neutra in Kalifornien

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Den „unentdeckten Möbeldesigner“ nennt ihn die renommierte, als Familienunternehmen geführte deutsche Firma „Vereinigte Spezialmöbelfabriken“ (VS), die Richard Neutras Werk erstmals in Form einer exklusiven Designkollektion herausbringt. „Dass wir diese Entwürfe auf den Markt bringen dürfen, betrachten wir als die aussergewöhnliche Gelegenheit, sie endlich einem Publikum von Architektur- und Designliebhabern vorstellen zu können“, so Firmenchef Thomas Müller, VS-Eigentümer in dritter Generation. „Es gibt einen internationalen Markt für derartige Qualität, ein Wissen um die Bedeutung der echten Designklassiker.“

Der Erwerb sämtlicher Lizenzen für Neutras Möbelentwürfe im Jahre 2012 war „zum Teil ein Glücksfall“, gibt Haberer zu. Allerdings ist es das Verdienste von VS, den Designtrend „kalifornischer Modernismus“, den Neutras Designs repräsentieren, erkannt zu haben. „Es handelt sich hierbei um Stücke aus der Designsgeschichte, die auch heute noch durch und durch modern sind, und damit passen sie hervorragend in unser Unternehmenskonzept. Uns liegt sehr viel daran, Produkte auf den Markt zu bringen, die sich durch Zeitlosigkeit auszeichnen.“ So klingt langfristige Planung bei einem bereits seit drei Jahrhunderten aktiven Unternehmen. Gegründet wurden die Vereinigten Spezialfabriken im Jahr 1898 und ihre Sporen haben sie sich seitdem zweifellos verdient.

Im Verlauf der Wiederauflage von Richard Neutras klassischen Designobjekten waren umfangreiche Recherchen in den gesammelten Zeichnungen und anderen Arbeitsmaterialien des Architekten erforderlich, die sich im Neutra-Archiv der UCLA befinden

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Im Verlauf der Wiederauflage von Richard Neutras klassischen Designobjekten waren umfangreiche Recherchen in den gesammelten Zeichnungen und anderen Arbeitsmaterialien des Architekten erforderlich, die sich im Neutra-Archiv der UCLA befinden

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Das Unternehmen ist sich der besonderen Verantwortung, die das Vermächtnis eines Architekten vom Format Richard Neutras mit sich bringt, bewusst und legt bei der Umsetzung seiner Entwürfe dieselbe akribische Liebe zum Detail an den Tag wie bei allen anderen VS-Produkten. Man entschied sich dafür, Dion Neutra, den Sohn (und früheren kreativen Partner) des Architekten, ins Boot zu holen. Mit seiner Hilfe gelang es, die Zeichnungen und Fotografien aus dem Neutra-Archiv der Universität von Kalifornien ( UCLA) originalgetreu wieder auferstehen zu lassen. So erlebten faszinierend schöne Stücke wie der Polstersessel „Lovell Easy Chair + Ottoman“ (ursprünglich entworfen für das zukunftsweisende Lovell Health House aus dem Jahr 1929), der Ess- und Beistelltisch „Camel Table“ sowie der „Tremaine Side Chair“ ihre Renaissance.

In der Werkstatt garantieren handwerklichen Traditionen verpflichtete Fachleute für höchste Qualität (VS-Fabrikgelände)

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In der Werkstatt garantieren handwerklichen Traditionen verpflichtete Fachleute für höchste Qualität (VS-Fabrikgelände)

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Der mit Preisen ausgezeichnete, deutsche Produktdesigner Nicolai Fuhrmann steuerte bei der neuen Kollektion sein immenses Fachwissen und seine Erfahrung in der Verarbeitung von Stahlrohren und Holz bei. Im Ergebnis gelang so die Verschmelzung amerikanischen Designs aus der Mitte des 20. Jahrhunderts mit dem Besten, was deutsche Handwerkskunst heute zu bieten hat. Eine durchaus natürliche Synthese, wie Haberer erklärt. „Architekten in den USA mögen uns. Unsere Möbel werden häufiger für den Objektbereich angefordert als die unserer europäischen Mitbewerber. Es gibt eine hohe Wertschätzung für die Tatsache, dass in Deutschland besonders hohe Qualitätsansprüche an Produktionsprozesse gestellt werden.“ Diese anspruchsvollen Standards zeigen sich auch bei einem Gang durch die atelierähnliche, gänzlich dem Handwerk verpflichtete Werkstatt auf dem Gelände der weitläufigen Produktionsstätte des Unternehmens. Von hervorragend ausgebildeten Fachleuten wird hier jedes Neutra-Exemplar von Hand und unter Verwendung ausschliesslich hochwertiger Materialien einschliesslich Auflagennummer und Zertifikat auf Bestellung gefertigt. In dieser auf den einzelnen Kunden abgestimmten Fabrikationsart schwingt der Geist von Richard Neutras architektonischen Projekten mit, bei denen die Bedürfnisse des Individuums im Fokus standen.

Kurven und Kragstühle: Der „Dining Armchair“ (oben) und der „Cantilever Steel Chair“ (unten)

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Kurven und Kragstühle: Der „Dining Armchair“ (oben) und der „Cantilever Steel Chair“ (unten)

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Natürlich ändern sich die Zeiten. Der technische Fortschritt ist unaufhaltsam und der Markt entwickelt neue Trends und Vorlieben. Wer folglich Design wieder auflegen möchte, das vor mehr als einem halben Jahrhundert auf dem Zeichenbrett entstand, steht unweigerlich vor der einen oder anderen Schwierigkeit. Welche Änderungen müssen durchgeführt werden, um mittlerweile nicht mehr wegzudenkende Anforderungen wie Nachhaltigkeit und Sicherheitsauflagen zu erfüllen, und wie tief greifend dürfen sie sein, ohne die klare Handschrift des Erfinders zu trüben? Axel Haberer: „Für uns und Dion Neutra war es extrem wichtig, dem ursprünglichen Design so treu wie möglich zu bleiben. Auch bei der Auswahl von Textilien, Leder und weiteren Materialien waren die gestalterischen Leitideen der Mitte des 20. Jahrhunderts für uns wegweisend. Natürlich haben wir bei einigen Details auf unser heutiges Wissen zur Stahlherstellung zurückgegriffen. Die Verwendung von modernen Hightech-Materialien lehnen wir hingegen ab.“

Höhen und Tiefen: Der ungemein bequeme „Slipper Chair“ (oben) und der „Camel Table“ (unten), der in zwei unterschiedlichen Höhen fixiert werden kann, wodurch er mal als Sofatisch, mal als Esstisch einsetzbar ist

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Höhen und Tiefen: Der ungemein bequeme „Slipper Chair“ (oben) und der „Camel Table“ (unten), der in zwei unterschiedlichen Höhen fixiert werden kann, wodurch er mal als Sofatisch, mal als Esstisch einsetzbar ist

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Der neu aufgelegte „Camel Table“, der sowohl in der Höhe eines Sofatisches als auch in der eines Esstisches fixiert werden kann, musste eine Reihe von Sicherheitsprüfungen bestehen, die es zu Zeiten seiner Entstehung noch nicht gab. VS sorgte durch einige wenige Anpassungen dafür, dass das aktualisierte Endprodukt dem Original aufs Haar gleicht. „Gerade für Firmen, die ihre Produkte im Objektbereich verkaufen wollen, ist es wichtig, dass Normen und Vorschriften eingehalten werden“, erklärt Haberer. Ein Produkt, dass in Serie bestellt wird, muss ein sicheres Produkt sein.“

Wer also bestellt die klassischen Möbelstücke von Richard Neutra? Wen spricht seine einzigartige Formensprache an? In erster Linie natürlich Liebhaber von handgefertigtem, hochwertigem Design. „Es gibt eine Nachfrage nach Objekten, die Exklusivität ausstrahlen und eine besondere Geschichte haben – keine massenproduzierten Möbel also, sondern sorgfältig von Hand zusammengefügte. Privatpersonen machen einen Teil unserer Kunden aus. Doch wir produzieren auch für den Objektbereich.“ Zahlreiche Hotellobbys, Banken und Konferenzräume wurden in jüngster Vergangenheit einer „Neutra-Behandlung“ unterzogen, was laut Haberer Zeugnis für eine zunehmende Kultur der Lässigkeit in der Arbeits- und Geschäftswelt ist. „Bei vielen grossen Unternehmen und Organisationen hat sich eine Entwicklung vollzogen: Büroräume erhalten mehr und mehr den Charakter von Wohn- und Lebensräumen. Zonen wie Aufenthaltsräume profitieren von Mobiliar, das sich vom Einheitsbrei abhebt, − Richard Neutras „Boomerang Chair“ ist dafür ein gutes Beispiel.“

Die Geschichte wiederholt sich und dieses Mal hat sie vor zu bleiben. Warum also nicht Platz nehmen?

„Dass wir diese Entwürfe auf den Markt bringen können, betrachten wir als eine aussergewöhnliche Gelegenheit, sie einem Publikum von Architektur- und Designliebhabern vorstellen zu können“, so Firmenchef Thomas Müller

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„Dass wir diese Entwürfe auf den Markt bringen können, betrachten wir als eine aussergewöhnliche Gelegenheit, sie einem Publikum von Architektur- und Designliebhabern vorstellen zu können“, so Firmenchef Thomas Müller

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