Lighting Design Week

Das jüngstes Objekt von ingrau, die Betonpendelleuchte inLight, erzielt bei minimaler Materialstärke maximale Wirkung auf den Raum.

Die Betonpendelleuchte inLight von ingrau ist echte Handarbeit: Jede Leuchte wird als Unikat einzeln gegossen, bearbeitet und mit dem Leuchtkörper verbunden

Hart, aber zart: Ingrau | Aktuelles

Die Betonpendelleuchte inLight von ingrau ist echte Handarbeit: Jede Leuchte wird als Unikat einzeln gegossen, bearbeitet und mit dem Leuchtkörper verbunden

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Beton spielt eine tragende Rolle in der Menschheitsgeschichte – ob als Mörtelmasse in der Antike oder als der Baustofffavorit während der industriellen Revolution, als Schmuckstück im Aussenbereich der Architektur Ende des 19. Jahrhunderts oder im Innenbereich in den 1950er Jahren durch Le Corbusiers Einführung des Sichtbetons. Doch das wahre Potential des Materials blieb trotzdem fast 10.000 Jahre verborgen.

Als der Beton-Designer Jens Maaßen Ende der 1980er Jahre geboren wurde, war der Hype um das graue, kühle Material noch nicht abzusehen. Vielleicht ist es nur ein Zufall, dass Maaßens Biografie eng mit dem Beton-Siegeszug verwoben ist. Vielleicht aber auch nicht: Mit dreizehn Jahren begann er, in einem Betrieb zu jobben und sich beruflich mit Beton auseinanderzusetzen. Nach einer Maurerlehre kehrte er dorthin zurück und stieg zum Produktionsleiter auf.

Durch die Dimmfunktion der inLight von ingrau ist die Betonpendelleuchte vielseitig einsetzbar: etwa über dem Esstisch, als Schreibtischlampe oder Küchenleuchte

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Durch die Dimmfunktion der inLight von ingrau ist die Betonpendelleuchte vielseitig einsetzbar: etwa über dem Esstisch, als Schreibtischlampe oder Küchenleuchte

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Beton faszinierte Jens Maaßen so sehr, dass er sich schließlich zum Betonstein- und Terrazzoherstellermeister und Betonindustriemeister weiterbildete. Parallel dazu entwickelte sich der Baustoff zum Trendprodukt: als Wohnaccessoire, als Möbel, sogar als Küchenfront und Kettenanhänger. Doch – sozusagen von Natur aus – betonte das Material in jeder Form weiterhin vor allem Stärke und Monumentalität. Seine Qualität ist die Derbheit.


Von Natur aus betonte das Material in jeder Form vor allem Stärke und Monumentalität – seine Qualität ist die Derbheit


Mit der eigenen Manufaktur in|grau, die er 2018 gründete, tritt Jens Maaßen jetzt an, dass Beton-Image weicher zu machen: Sein jüngstes Design-Objekt, die Betonpendelleuchte inLight, zeigt, wie filigran Beton aussehen kann. Die Wände der Leuchte sind extrem dünn – weniger als 5 mm – und die Masse sind für das Material überraschend grazil: dennoch verliert der Beton nichts an seiner eindrucksvollen Wirkung im Raum.

Die Idee zu dem Entwurf kam Maaßen, als eine befreundete Designerin meinte, seine Arbeiten erscheinen immer sehr maskulin. Das war keine Kritik, eher eine Feststellung, und doch ließ Maaßen der Gedanke nicht mehr los. Als grösstmöglicher Kontrast zwischen Material und Objekt entwickelte er das klare Design der fast schwebende Leuchte, die in ihrer schlanken Dimension einzigartig ist.

Die Empfangstheke im INDIGO-Hotel in Berlin ist ein imposanter Blickfang. Das außergewöhnliche ingrau-Design der Auftragsarbeit passt perfekt in den modernen Stil der Lobby

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Die Empfangstheke im INDIGO-Hotel in Berlin ist ein imposanter Blickfang. Das außergewöhnliche ingrau-Design der Auftragsarbeit passt perfekt in den modernen Stil der Lobby

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Für die Herstellung hat der Beton-Designer intensiv mit den Mischverhältnissen des Betons experimentiert. Wichtig ist, dass der selbstverdichtende Beton extrem glatt, dünnwandig stabil und selbst entlüftend ist. Die perfekte Rezeptur zu entwickeln, war aber nicht die einzige Herausforderung, die viel Lehrzeit kostete. Auch in der nun serienmässigen Produktion bedarf es zahlreicher Kniffe und Handarbeit.

Kombiniert hat der Designer das aussergewöhnliche Leuchtenmodell, das in Längen zwischen 1 m und 1,75 m erhältlich ist, mit moderner LED-Technik, die im Betonkörper versteckt liegt. So ist es möglich, die inLight kontaktlos ein- und wieder auszuschalten und zu dimmen. Die Verbindung aus moderner Technik und coolem Design brachte der inLight eine Nominierung für den German Design Award und eine Auszeichnung beim Iconic Awards 2020 in der Rubrik Innovative Interior Design.

Als Feuertisch zeigt sich das Material Beton allen Konkurrenten überlegen: Es bleibt kühl und klar im Design, egal wie hoch die Flammen lodern

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Als Feuertisch zeigt sich das Material Beton allen Konkurrenten überlegen: Es bleibt kühl und klar im Design, egal wie hoch die Flammen lodern

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Insgesamt anderthalb Jahre hat es gedauert, bis die Leuchte Maaßens eigenen hohen Ansprüchen gerecht wurde. Aufgeben war keine Option. Nicht weil der Designer verbissen ehrgeizig ist, nein, weil ihm nichts aus Beton unmöglich erscheint. Von der ersten Küchenarbeitsplatte, die er noch vor seiner Selbständigkeit für eine Bekannte entwarf, bis zu den Möbeln, die er jüngst für das INDIGO-Hotel in Berlin ausgearbeitet hat, haben alle seine handgefertigten Unikate einen ungewöhnlichen Ansatz.


So setzt Jens Maaßen bald wieder neue Massstäbe, denn für ihn ist die Geschichte des vielseitigen Betons noch lange nicht auserzählt


Ein Blickfangtresen wie aus Stein geschlagen, ein Beistelltisch, der einen Holzkollegen stützt, coole Feuertische, Waschbecken, Fensterbänke, Vasen, Kerzenhalter, Namensschilder uvm.: Maaßen beherrscht den Beton und bringt ihn in jede erdenkliche Form, selbst komplizierte Kundenwünsche von Architekten und Planern erfüllt er – in allen Bereichen: Indoor oder Outdoor, von kleinteilig bis kolossal. Einfach ist das selten, aber jede Mühe wert.

Derzeit entwickelt Jens Maaßen in seiner Vredener Werkstatt zusätzliche Farboptionen für die inLight, die er bisher in betongrau und anthrazit anbietet. Bald erstrahlt das Design also in weiteren Graunuancen. Damit nimmt das Thema Leuchten bei in|grau aber erst seinen Anfang. Der Beton-Designer konzipiert gerade eine neue Lampenfamilie: mit Wandleuchten.

Die Auftragsarbeit “Gears Table” zeigt deutlich, wie gut sich Beton mit anderen Materialien wie Metall, Glas oder Holz kombinieren lässt und wie stilvoll Jens Maassen selbst ungewöhnliche Wünsche umsetzt

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Die Auftragsarbeit “Gears Table” zeigt deutlich, wie gut sich Beton mit anderen Materialien wie Metall, Glas oder Holz kombinieren lässt und wie stilvoll Jens Maassen selbst ungewöhnliche Wünsche umsetzt

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Die Modelle verstehen sich nicht als Fortsetzung des inLight-Designs. Die zwei bis drei Varianten werden für noch mehr Vielfalt im in|grau-Sortiment sorgen und auf ihre Weise erneut die Möglichkeiten von Beton ausloten. So setzt Jens Maaßen bald wieder neue Massstäbe, denn für ihn ist die Geschichte des vielseitigen Betons noch lange nicht auserzählt.

© Architonic

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