Schwimmen unter freiem Himmel ist derzeit wieder stark im Kommen. Das belegen einige beachtenswerte Projekte, die es Badegästen ermöglichen, dies selbst in den urbansten Umgebungen in natürlichen Gewässern zu tun. Sind Sie bereit für eine Abkühlung?

Das Projekt von Basalt Architects in Hofsós, Island verdeutlicht den derzeitigen Trend von Outdoor Pools, die mit ihrer natürlichen Umgebung verschmelzen – in diesem Fall mit dem Atlantik und der nahen Insel Drangey; Foto: Gudmundur Benediktssone

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Das Projekt von Basalt Architects in Hofsós, Island verdeutlicht den derzeitigen Trend von Outdoor Pools, die mit ihrer natürlichen Umgebung verschmelzen – in diesem Fall mit dem Atlantik und der nahen Insel Drangey; Foto: Gudmundur Benediktssone

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David Hockneys bekanntes Bild „A Bigger Splash“ von 1967 markierte mit seinem türkisen Schwimmbecken einst den Höhepunkt kalifornischen Glamours und ist bis heute eine Ikone der Hochmoderne. Neben dem Pool befindet sich ein klarliniger Bungalow, während die durch zwei Palmen symbolisierte Natur in den Hintergrund rückt. Das heutige Äquivalent mögen etwa die spiegelglatten Infinity Pools mit ihren scheinbar im Nichts endenden Reflexionsbecken sein, die vor allem in Luxushotels zu finden sind.

Das von Alfonso Reina gestaltete Sportzentrum mit Outdoor Pool auf Mallorca nimmt durch seine Architektur Bezug auf seine natürliche Umgebung und umliegende Landschaft

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Das von Alfonso Reina gestaltete Sportzentrum mit Outdoor Pool auf Mallorca nimmt durch seine Architektur Bezug auf seine natürliche Umgebung und umliegende Landschaft

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Der graue, metallene Phyllitschiefer, der kubische Baukörper und die den Pool umgebenden Bodenplatten nehmen die Formen und Farben der nahegelegenen Berge auf

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Der graue, metallene Phyllitschiefer, der kubische Baukörper und die den Pool umgebenden Bodenplatten nehmen die Formen und Farben der nahegelegenen Berge auf

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Aber der Trend wendet sich weg von künstlich anmutenden Wasserlandschaften mit keimfreiem und synthetischem Wasser hin zu natürlichen Pools und Becken. Eine Bewegung, die in den 1980er Jahren von progressiv denkenden und umweltfreundlichen Designer initiiert wurde. „Ohne chemische Zusätze und mechanische Steuerung, ungeschliffen“ – das sind die Schlagwörter, die Architekten aktuell auf den Lippen liegen. Als Beispiele für diesen Trend werden immer wieder australische „Ocean Pools“, abgeschlossene Bereiche in Felsen, die ganz natürlich mit Meerwasser aufgefüllt werden, und Zero-Entry-Pools, die Stränden nachempfunden sind, genannt.

Ein bahnbrechender natürlicher Pool ist im Hafen von Kopenhagen zu finden, ein öffentliches Schwimmbad, das 2003 vom Architekturbüro JDS entworfen wurde. Hier kam ein weiterer Aspekt zum Tragen, nämlich der Wunsch Schwimmbäder für die Allgemeinheit zu kreieren, die an die Strandbäder vergangener Zeiten erinnern. Alfonso Reina knüpft hier mit seinem Pool in Esporles auf Mallorca an und führt die Tradition fort, denn das Bad ist Teil eines städtischen Sportzentrums mit Kindertagesstätte und einem Café. Auch wenn es nicht unmittelbar in den Trend natürlicher Schwimmbecken passt, harmoniert es dennoch mit der Natur. Die grob strukturierte, mit dem Schieferstein Phyllit verkleidete Fassade erinnert an Berge und wird an ihren Öffnungen von reflektierenden Lichtstrahlen vom Pool durchdrungen.

Oben und unten: Das Sportzentrum mit integrierter Kindertagesstätte wurde von der Gemeinde Esporles in Auftrag gegeben. Neben drei Multifunktionsräumen und einem Cafe, gibt es Umkleide- und Waschräume

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Oben und unten: Das Sportzentrum mit integrierter Kindertagesstätte wurde von der Gemeinde Esporles in Auftrag gegeben. Neben drei Multifunktionsräumen und einem Cafe, gibt es Umkleide- und Waschräume

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Der Pool von Basalt Architekten aus dem Jahre 2010 im Fischerdorf Hofsos auf Island ist in einem noch stärkeren Mass mit seiner natürlichen Umgebung verbunden. Die Schwimmenden sind lediglich durch eine schmale Wand vom Ozean getrennt und haben den Eindruck sie schwämmen im Meer selbst.

Der Pool von Basalt Architects auf Island wird von einer hohen Mauer vor dem starken Nordwind geschützt. Das angrenzende einstöckige Gebäude harmoniert von der Grösse her mit traditionellen Häusern der Umgebung; Foto: Rafn Sigurbjornsson

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Der Pool von Basalt Architects auf Island wird von einer hohen Mauer vor dem starken Nordwind geschützt. Das angrenzende einstöckige Gebäude harmoniert von der Grösse her mit traditionellen Häusern der Umgebung; Foto: Rafn Sigurbjornsson

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Mittels der Glassfassade des Gebäudes neben dem Pool wird die schroffe Umgebung in Hofsós' in den Innenbereich visuell integriert, Foto: Gudmundur Benediktsson

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Mittels der Glassfassade des Gebäudes neben dem Pool wird die schroffe Umgebung in Hofsós' in den Innenbereich visuell integriert, Foto: Gudmundur Benediktsson

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Diese Verbindung wird zudem durch die Verwendung von lokalen Steinen für die Böden des Gebäudes unterstrichen; Foto: Gudmundur Benediktsson

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Diese Verbindung wird zudem durch die Verwendung von lokalen Steinen für die Böden des Gebäudes unterstrichen; Foto: Gudmundur Benediktsson

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Das Naturbad Riehen von Herzog & De Meuron am Ufer der Wiese wurde für die Schweizer Gemeinde Riehen entworfen und den traditionellen Basler Freibädern, den „Badis“ entlang des Rheins, nachempfunden. Tatsächlich ist die Gestaltung von der seit den 1980er Jahren wachsenden Ablehnung von konventionellen Schwimmbädern und ihrer chemischen Wasseraufbereitung beeinflusst. Hier wurde vielmehr eine biologische Filtermethode gewählt: Das Wasser wird auf organische Art und Weise durch Wasserpflanzen und Schichten aus Kies und Erde gereinigt.

Seit 1979 hat Herzog & de Meuron verschiedene Entwürfe für Schwimmbäder in Riehen erarbeitet

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Seit 1979 hat Herzog & de Meuron verschiedene Entwürfe für Schwimmbäder in Riehen erarbeitet

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Die Anwohner hatten sich, so die Architekte, lange nach einem Schwimmbad gesehnt, so dass sie schliesslich einen Badesee entworfen haben, dessen natürliche Gestaltung die derzeitige Popularität von natürlichen Pools widerspiegelt

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Die Anwohner hatten sich, so die Architekte, lange nach einem Schwimmbad gesehnt, so dass sie schliesslich einen Badesee entworfen haben, dessen natürliche Gestaltung die derzeitige Popularität von natürlichen Pools widerspiegelt

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Bis zu 2000 Besucher fasst das Bad täglich. Es reinigt sich natürlich durch Wasserpflanzen und Kies und wird von einem mit Lärchenholz verkleideten Gebäude begrenzt, in dem sich Umkleiden und ein Cafe befinden; Foto: Christoph Junck

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Bis zu 2000 Besucher fasst das Bad täglich. Es reinigt sich natürlich durch Wasserpflanzen und Kies und wird von einem mit Lärchenholz verkleideten Gebäude begrenzt, in dem sich Umkleiden und ein Cafe befinden; Foto: Christoph Junck

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Eine ähnliche ökologische Haltung ist dem King’s Cross Pond Club eigen, einer öffentlichen Badeanstalt, die Teil der 27 ha grossen Neugestaltung bei King’s Cross in London und momentan in aller Munde ist. Die Architekten von Ooze und die Künstlerin Marjetica Potrc nehmen für sich in Anspruch, das „erste öffentliche, sich natürlich reinigende Schwimmbecken des Vereinigten Königreichs“ entworfen zu haben. Dieses reinigt sich mithilfe von Unterwasserpflanzen und ist deshalb frei von jeglicher chemischer Substanz. Da es chlorfrei ist, sind die Besucherzahlen eingeschränkt – wahrscheinlich ein gerne in Kauf genommener Preis, tränen die Augen der Schwimmer nun nicht mehr aufgrund chemischer Zusätze.

King’s Cross Pond Club ist eine Kunstinstallation mit dem Titel Of Soil and Water, die in den nächsten zwei Jahren im Lewis Cubitt Park im Londoner Stadtteil King’s Cross zu finden ist

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King’s Cross Pond Club ist eine Kunstinstallation mit dem Titel Of Soil and Water, die in den nächsten zwei Jahren im Lewis Cubitt Park im Londoner Stadtteil King’s Cross zu finden ist

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Der Kings’s Cross Pond Club wurde, so die Architekten, „ als natürliches Gegengewicht zur urbanen Umgebung“ entworfen. Er sieht bewusst ungeschliffen aus und verändert sich im Laufe der Jahreszeiten

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Der Kings’s Cross Pond Club wurde, so die Architekten, „ als natürliches Gegengewicht zur urbanen Umgebung“ entworfen. Er sieht bewusst ungeschliffen aus und verändert sich im Laufe der Jahreszeiten

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Falls eine Kickstarter-Kampagne genügend Gelder zusammenträgt, wird dem Bad am King’s Cross ein weiteres folgen. Es handelt sich um eine Idee vom Studio Octopi für ein unter freiem Himmel auf der Themse treibendes Schwimmbecken. Der Mitbegründer des Projekts Chris Romer-Lee, der von Schwimmern im Zürichsee inspiriert wurde, ist der Überzeugung, „dass die Tage der Hallenbäder gezählt sind. Es gibt definitiv eine Nachfrage nach Freibäder, die das Gefühl vom Schwimmen in offenen Gewässern simulieren.“

Es kann also festgehalten werden, dass Architekten vollständig in den Trend natürlicher Pools eingetaucht sind.