NENI am Naschmarkt

Austria

Aus dem Bauch eines Schiffsrumpfs auf das Naschmarkttreiben zu blicken und selbst Teil davon zu sein, ist ein spezielles Vergnügen. NENI, das Nachfolgelokal des einstigen "Wickerl am Naschmarkt" erstreckt sich als erster Betrieb auf der pulsierende Gastro-Zeile über zwei Stockwerke, nutzt also auch den Dachboden des ehemaligen Marktstands als Gastraum. Die Ähnlichkeit des Dachstuhls mit der Konstruktion eines Bootes hat die mit dem Ausbau beauftragte Künstlerin Eva Berensin genutzt, um ein urban-mediterranes Ambiente zu schaffen, das auf den inspirierten wie eklektischen Speiseplan des Neni abgestimmt ist.

Haya Molcho, die das Lokal gemeinsam mit Sabu Topallar vom "Nautilus" betreibt, bietet orientalisch-levantinische Küche, im Holzofen im Erdgeschoss wird israelisches Fladenbrot gebacken, im Hof steht ein imposanter Olivenbaum und beschirmt die geräumige Terrasse zwischen dem Hauptpavillon und dem gegenüberliegenden Zweitstand mit Extrazimmer und WC-Box. Diese Box ist eine Besonderheit, sie wurde aus Luccon (Lichtbeton / mit Glasfasern durchsetzter Beton) gefertigt, "was – zusammen mit den Schiebetüren aus Eichenholz – den Spagat zwischen massiv wirkendem Aufbau und Lichtdurchlässigigkeit schafft."

"Die Gäste sollten das Gefühl haben, dass das Lokal schon immer dagewesen sein könnte, und dass es dementsprechend kaum vom Standort wegzudenken ist", beschreibt Eva Beresin ihren Gestaltungsansatz.

Die Outdoor-Möbel sind zum Teil generische französische Bistromöbel (Fermob Bistro Original 1889), die Bestuhlung im Extrazimmer stammt aus Frankreich der 1930er-Jahre. Die hohe Schule der Einfachheit ist auch in den Gasträumen Programm: Robuste Tische und Sitzbänke aus gebürsteter Eiche werden mit weißlackierten Thonet-Stühlen von Hermann Czech kombiniert, blanke Stahlblechpaneele, die den Dachraum auf sympathisch imperfekte Weise veredeln, setzen zur gereinigten Holzkonstruktion des Dachstuhls einen ungekünstelten Kontrast. Die Klimaanlage im Obergeschoss war gewiss eine lohnende Investition, doch sorgen auch die Kippflügelfenster entlang der Trauflinie nicht nur für interessanten Ausblick, sondern auch für die nötige Frischluft. Die 9 Portaits, fest verbunden im Extrazimmer entstanden im Rahmen eine Serie Obverse ( Eva Beresin 2007). Auch das flexible Shopsystem des NENI (fünf rollbare Kästen aus Eichenholz und Metallnetz, die variable Arrangements ermöglichen) bezeugt den verfeinerten Pragmatismus, der dem Lokal seinen besonderen Charme verleiht.

Umgelegt auf das Lokal wurde auch ein Fassadenkonzept entwickelt, bei dem das Parapet auf genaue Tischhöhe gesetzt wurde, mit riesigen um die eigene Achse drehenden Klappfenstern. So entsteht eine überdachte Terrasse vor dem Lokal, die den Innenraum optisch erweitert. Der Außenraum ist vom Innenraum nicht mehr zu trennen, sondern verbunden, verwischt quasi mit diesen Bauteilen die Grenzen: es entsteht eine Transparenz in der man nicht genau weiß, ob man sich noch im Restaurant oder schon auf der Terrasse befindet.


Über den Standort :
Im Zuge der Neugestaltung des Wientales durch Otto Wagner um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde der Verlauf der Wien reguliert, der Fluss weitgehend überbaut und die gewonnene Fläche als Marktgelände ausgewiesen. 1905 wurde der Kärntnertormarkt auch offiziell in Naschmarkt umbenannt. Er erstreckte sich damals von der heutigen Operngasse bis zum neu überdachten Wienflussgelände, schloss also Teile des Karlsplatzes mit ein. Im Zuge der umfangreichen städtebaulichen Maßnahmen jener Zeit (vgl. Wiener Ringstraße, Gründerzeit) war geplant den Markt abzusiedeln um Raum für einen Prachtboulevard von der Innenstadt bis zum Schloss Schönbrunn zu schaffen.

Project partners:

Fa. Luccon Lichtbeton (www.luccon.com)
Tischlerei und Zimmerei
Fa. Lüftenegger
Herr Weichselbaumer / 5580 Tamsweg
Ing. Peter Scheiber
Eva Beresin-NENI am Naschmarkt
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Eva Beresin-NENI am Naschmarkt
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