Seit 1996 arbeitet das britische Designerduo Edward Barber & Jay Osgerby disziplinübergreifenden, unter anderem im Industriedesign, in der Innenarchitektur und Architektur.

Edward Barber und Jay Osgerby - Foto © Architonic

Material Tendencies: Edward Barber & Jay Osgerby | Aktuelles

Edward Barber und Jay Osgerby - Foto © Architonic

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Architonic traf die beiden Designer Edward Barber und Jay Osgerby auf der Stockholm Furniture & Light Messe. Als diesjährige „Guest of Honour“ der Messe zeigten sie aktuelle Arbeiten, welche im Zusammenhang ihrer winterlich gestalteten Installation präsentiert wurden.

Jay Osgerby: Die Lounge projiziert unsere Interpretation der Winterzeit in Stockholm. Für uns war es wichtig, dass es sich recht hell und angenehm ruhig anfühlt, wenn man bedenkt, dass es hier im Winter kaum Tageslicht gibt.

Triptych Installation auf der Stockholm Furniture & Light Messe 2016 - Foto © Gustav Karlsson Frost

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Triptych Installation auf der Stockholm Furniture & Light Messe 2016 - Foto © Gustav Karlsson Frost

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Edward Barber: Zusammen mit der schwedischen Firma Nordifa, haben wir diese enormen weißen Behänge aus Filz angefertigt, welche zur akustischen als auch teils visuellen Abschirmung dienen. Das formgepresste Polyester-Filz vereint das natürliche Erscheinungsbild der Wollfasern komprimiert mit dem PET-Rezyklat, welches wiederum für Stabilität sorgt und dem ganzen eine Struktur gibt. Die Filzvorhänge unterteilen die Fläche in drei Bereiche – Relaxen, Treffen und Arbeiten. Die japanischen Laternen, die wir erst kürzlich mit der Firma Ozeki mit Basis in Gifu entwickelt haben, verknüpfen hingegen die drei Bereiche. Die Laternen sind aus sehr leichtem Papier hergestellt und scheinen, aus einer gewissen Entfernung betrachtet, zu schweben.

Hotaru Laternen - Foto © Mark Whitfield and Twentytwentyone

Material Tendencies: Edward Barber & Jay Osgerby | Aktuelles

Hotaru Laternen - Foto © Mark Whitfield and Twentytwentyone

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Video © Architonic

Wenn ihr die nächsten drei Jahre nur mit einem Material arbeiten könntet, welches wäre es?

Edward: Ich denke, für mich würde dann Massivholz in Frage kommen. Es fühlt sich am besten an, hat eine schöne Oberfläche, es strahlt Wärme aus und es hat eine Seele. Und man kann so viele Dinge damit machen, je nach Holzart und dessen Dichte. Als ich ein Kind war habe ich schon immer etwas aus Holz gebaut, das war am einfachsten. Man konnte einen Nagel ins Holz schlagen, eine Schraube eindrehen, man konnte es leimen usw. Es gab viele Möglichkeiten, wohingegen Metalle und Steine schwieriger zu handhaben waren.

Jay: Schwierig! Da gibt es Unzählige zur Auswahl. Das Wort Holz ist nur eine geringfügige Beschreibung für eine grosse Gattung von Materialien. Auf der einen Seite gibt es superhartes Holz, welches eher mit Metall oder Stein vergleichbar ist, und dann gibt es Holz das so weich ist, dass man es mit seinen bloßen Händen bearbeiten könnte. Ich finde auch dass Aluminium ein grossartiges Material ist, da es nicht abbaut und man es wieder und wieder verwenden kann. Ok, man muss es erstmal erwärmen, aber sobald es hergestellt ist, kann man es unendlich verwenden. Also entweder Holz oder Aluminium.

Bodleian Bibliotheksstuhl für Isokon Plus, 2015 - Foto © Barber & Osgerby

Material Tendencies: Edward Barber & Jay Osgerby | Aktuelles

Bodleian Bibliotheksstuhl für Isokon Plus, 2015 - Foto © Barber & Osgerby

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Wenn ihr bei einem Projekt die freie Wahl habt, zu welchem Zeitpunkt im Designprozess kommt die Entscheidung für das verwendete Material?

Jay: Das ist der erste Gedanke. Normalerweise denkt man nicht erst an ein Projekt und wählt dann entsprechend das Material. Beide Aspekte sind untrennbar miteinander verbunden, es sei denn es handelt sich um Kunststoff oder ein Formmaterial.

Edward: Aber nicht immer. Ich glaube eigentlich, dass es nur ein Material gibt, das dem Projekt am besten entspricht. Das Projekt findet sein eigenes Material. Wenn ich mir unsere Designprojekte hier anschaue - man konnte nicht wirklich ein anderes Material für sie verwenden. Also erscheint die Materialwahl am Ende recht logisch. Ich glaube es gibt nur wenige Objekte für die man ein anderes Material einsetzen könnte.

CollectorVitrinen für Glas Italia, 2015 - Foto © Barber & Osgerby

Material Tendencies: Edward Barber & Jay Osgerby | Aktuelles

CollectorVitrinen für Glas Italia, 2015 - Foto © Barber & Osgerby

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Jay: Normalerweise möchten wir die wahren Eigenschaften eines Materials zeigen. Viele Materialien können bestrichen und so behandelt werden, dass deren Wesentlichkeit versteckt wird, wie beispielsweise beim Button Hocker für B&B Italia. Die Basis des Hockers könnte aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt sein, denn schlussendlich ist es lackiert. Aber das ist eine Ausnahme was unsere Arbeiten anbelangt. Meist kann man das Material fühlen oder anfassen und man weiß sofort was es ist.

Button Tische für B&B Italia, 2014 - Foto © Barber & Osgerby

Material Tendencies: Edward Barber & Jay Osgerby | Aktuelles

Button Tische für B&B Italia, 2014 - Foto © Barber & Osgerby

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Edward: Es kommt auch auf die Art der Produktion an. Wenn du ein Produkt für den täglichen Gebrauch hast, dann ist es ziemlich klar welches Material es sein könnte. Der Tobi-Ishi Tisch für B&B Italia zum Beispiel besteht aus Holz, aber er hätte genauso gut aus Stein hergestellt werden können und würde großartig aussehen. Allerdings würde er dann weniger praktisch und viel teurer sein. Wir wollen wirklich versuchen Objekte in großer Anzahl zu produzieren. Es ist eine ziemliche Herausforderung etwas zu entwerfen, dass sich gut für Massenproduktion eignet. Da sind viele verschiedene Prozesse involviert. Wenn du es schaffst ein Produkt zu erstellen, welches einfach zu produzieren ist und sich sehr gut verkauft, weil es funktional ist und richtig angewandt wird - das ist lohnenswert.

Tobi Ishi Tisch für B&B Italia, 2014 - Photo © Barber & Osgerby

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Tobi Ishi Tisch für B&B Italia, 2014 - Photo © Barber & Osgerby

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Jay: Wir diskutieren unsere Entwürfe eng zusammen mit den Herstellern und besuchen den Ursprungsort von Materialien oder die Fabriken in denen produziert wird. Das ist eine ständige Weiterbildung und gehört zu unserem Beruf. Erst wenn du den Entstehungsprozess tatsächlich verstehst, bist du viel mehr in der Lage etwas ordentliches zu gestalten. Erfreulicherweise haben wir Zugang zu solch Herstellungsprozessen, was mittlerweile selten geworden ist. Heutzutage ist unsere Gesellschaft leider weit davon entfernt.

Olio Geschirr für Royal Doulton, 2015 - Foto © Barber & Osgerby

Material Tendencies: Edward Barber & Jay Osgerby | Aktuelles

Olio Geschirr für Royal Doulton, 2015 - Foto © Barber & Osgerby

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Wird sich die Materialnutzung in Zukunft ändern?

Edward: In letzter Zeit waren wir oft von 3D-Druck Resultaten umgeben. Diesen Prozess nutzen wir schon seit Jahren, jedoch für das Prototyping. Mittlerweile kann man aus Stahl oder Porzellan 3D drucken, aber das Material ist nicht das gleiche wie wenn man Porzellan gießt oder Stahl schmiedet. Bis vor Kurzem hat ein Stuhl, der 3D gedruckt war, seinen Zweck nicht erfüllt, weil er im Handumdrehen in mehrere Teile zerbrochen ist. Jetzt ist aber die Zeit gekommen, an dem die Technologie einen Standpunkt erreicht hat, Möbelstücke wirklich anständig 3D zu drucken und sie auch zu verwenden. Das ist zur Zeit noch teuer, aber es wird nicht mehr lange dauern, dann stimmt auch bald der Preis. Diese Art von Prozess hat uns nie wirklich interessiert, abgesehen vom Prototyping. Aber was wir in den letzten Tagen gesehen haben, könnten wir möglicherweise in Betracht ziehen, um damit ein wirkliches Endprodukt zu produzieren.

Pilot Chair für Knoll International, 2015- Foto © Barber & Osgerby

Material Tendencies: Edward Barber & Jay Osgerby | Aktuelles

Pilot Chair für Knoll International, 2015- Foto © Barber & Osgerby

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Spielen für dich umweltschonende Aspekte eine Rolle?

Jay: Ja - im entfernten Sinne schon. Alle unserer Hersteller befolgen strenge Umweltschutzkriterien. Sie haben die gleiche Vorstellung wie wir, Dinge fürs Leben zu entwerfen - für dein Leben und dessen Nachfolger. Unser Ziel ist es nie Objekte zu erschaffen, die zeitnah auf dem Müll landen. Wir wollen, dass die Menschen ihr Produkt sogar noch mehr mögen, nachdem sie es gekauft haben - das Gegenteil von Mode. Das ist der Plan.

Sofakollektion für Knoll International, 2013 - Foto © Barber & Osgerby

Material Tendencies: Edward Barber & Jay Osgerby | Aktuelles

Sofakollektion für Knoll International, 2013 - Foto © Barber & Osgerby

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Gibt es ein Material, das du nicht verwenden würdest?

Jay: Nun, es gibt viele Plastikarten die ich überhaupt nicht mag.

Edward: Diamanten. Uns wurden tatsächlich mehrere Male Projekte mit Diamanten angeboten, aber die Beschaffung der Diamanten ist äusserst obskur, von daher haben wir entschieden die Finger davon zu lassen.

Iris Tisch für Established & Sons, 2008 - Foto © Barber & Osgerby

Material Tendencies: Edward Barber & Jay Osgerby | Aktuelles

Iris Tisch für Established & Sons, 2008 - Foto © Barber & Osgerby

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Tip Ton Stuhl für Vitra, 2011 - Foto © Barber & Osgerby

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Tip Ton Stuhl für Vitra, 2011 - Foto © Barber & Osgerby

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Olympische Fackel, London 2012 - Foto © Barber & Osgerby

Material Tendencies: Edward Barber & Jay Osgerby | Aktuelles

Olympische Fackel, London 2012 - Foto © Barber & Osgerby

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Loop Tisch für Isokon Plus, 1996 - Foto © Barber & Osgerby

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Loop Tisch für Isokon Plus, 1996 - Foto © Barber & Osgerby

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Tab Tischleuchte für Flos, 2011 - Foto © Barber & Osgerby

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Tab Tischleuchte für Flos, 2011 - Foto © Barber & Osgerby

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Lesen Sie weitere Berichte zum Thema „Material Tendencies“ – mit spannenden Überlegungen bekannter Designer zum Thema Materialien, als Fortsetzung unserer Architonic Trend Analysis Serie.

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