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Die erste Einzelausstellung des Schweizer Designers Alfredo Häberli im Museum für Gestaltung Zürich. Vom 27.06.2008 – 21.09.2008

Nora Schmidt

Von Nora Schmidt

Juli 1, 2008 | 10:00 pm CUT

Die Nervosität ist dem sonst so souverän wirkenden Alfredo Häberli bei seiner Eröffnungsrede im Zürcher Museum für Gestaltung anzumerken. Schliesslich sind es die Räume seiner eigenen Designausbildung, die nun zum Ort seiner ersten Einzelausstellung wurden. Hier schloss Häberli 1991 sein Designstudium ab und machte sich als Industriedesigner in Zürich selbständig. Innerhalb der letzten 17 Jahre entwickelte sich Alfredo Häberli Design Developement zu einem der international renommiertesten Designstudios. Seiner Dankbarkeit gegenüber seiner Frau, Familie und seinen Mitarbeitern räumt Häberli viel Platz ein und widmet ihnen sogar die Auszeichnung, die ihm an diesem Abend überreicht wird.
Das Laboratorium mit einer umfangreichen Sammlung von Prototypen und Modellen

Das Laboratorium mit einer umfangreichen Sammlung von Prototypen und Modellen

Der beachtliche Umfang der eindrucksvollen Ausstellung, die Häberli in enger Zusammenarbeit gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Moritz Schmid konzipierte und gestaltete, zeigt, zu welch stetigem Output der Designer imstande ist. Vier Bereiche beschreiben Werk, Arbeitsprozesse und Inspirationen Alfredo Häberlis. Selbst verfasste Texte liefern dazu persönliche Erklärungen.
Das Innenleben von 'Take a line for a walk' für Moroso

Das Innenleben von 'Take a line for a walk' für Moroso

Try and Error: 'Segesta' für Alias

Try and Error: 'Segesta' für Alias

Die Gussform eines Stuhls, der nie in Serie ging

Die Gussform eines Stuhls, der nie in Serie ging

Papiermodelle

Papiermodelle

Beim Betreten der Ausstellung wird der Besucher zunächst mit einem breiten Sammelsurium von Modellen, Gussformen und Prototypen konfrontiert, das die verschiedenen Entwicklungsstufen abgeschlossener oder nie produzierter Projekte veranschaulicht. Besonders spannend sind hierbei die Objekte, die gestalterische Gedankengänge skizzieren, wie etwa die Anmerkungen auf dem Modell des Segesta Stuhls, den Häberli für den italienischen Hersteller Alias gestaltete - ein eindrücklicher Blick hinter die Kulissen.
Aufgeklappte Häuserboxen, in denen Häberli seine Werke inszeniert

Aufgeklappte Häuserboxen, in denen Häberli seine Werke inszeniert

Die verschiedenartig aufgeklappten Häuser stellen einen weiteren Bereich der Ausstellung dar. Wohnliche Installationen demonstrieren hier die Anwendung der Häberli-Produkte.
Die aufgeklappten Häuser entstanden in Zusammenarbeit mit Kvadrat

Die aufgeklappten Häuser entstanden in Zusammenarbeit mit Kvadrat

Die „Konzeptküche“ für den italienischen Hersteller Schiffini nimmt einen besonders grossen Teil der Ausstellung ein. Experimentell setzt sich Häberli hier mit dem zeitlichen Wandel der Bedeutung der Küche und mit der Selbsverständlichkeit, mit der wir den Luxus einer modernen Küche nutzen, auseinander. Der gebürtige Argentinier stellt für sich fest, dass die Küche „die Seele des Hauses“ ist.
Das Ergebnis ist eine grosse Arbeitsfläche – nachdem Häberli die Frage aufwirft, ob die Küche nicht als eine Art Werkstatt oder Atelier anzusehen sei, könnte man sie auch als Werkbank bezeichnen – die an einer der langen Seiten das Spülbecken, an den kurzen Seiten den Gasherd und eine hölzerne Arbeitsfläche integriert. Mit dem Dunstabzug und der Arbeitsbeleuchtung, die wie Schreibtischleuchten über die jeweiligen Arbeitsflächen ragen und nicht hinter repräsentativen Blenden verschwinden, zitiert Häberli Arbeitsumgebungen wie Büro oder Atelier und räumt der Küche so die von ihm ersehnte Bedeutung ein. Ein stattlicher Wasserkessel, dessen Leitung demonstrativ zum Spülbecken führt, soll zum bewussteren Umgang mit Ressourcen verführen.
Häberlis Textildesign für Kvadrat, inspiriert vom Tangram-Puzzle

Häberlis Textildesign für Kvadrat, inspiriert vom Tangram-Puzzle

Der vierte Bereich der Ausstellung sind die beiden Comic-Kuppeln, in denen sich Zeichnungen und kunstvolle Illustrationen befinden, die Häberli im Zusammenhang mit laufenden Projekten anfertigte und die Einblick in die komplexe Gedankenwelt des Designers geben.
Drei hölzerne Chalets stellen den letzten Teil der Ausstellung dar. Sie wurden bereits 2006 im Rahmen der Interieur 06, der internationalen Biennale für kreatives Interiordesign in Kortrijk, Belgien von Häberli präsentiert. Die knapp 150 Objekte von Schweizer Designern geben einerseits einen Überblick über das Schweizer Design des letzten Jahrhunderts und drücken andererseits Häberlis Respekt gegenüber diesen Wegbereitern der modernen Möbelgestaltung aus.
Selten sah man eine so beeindruckende und umfangreiche Werkschau, die mit derart gestalterischer Akribie das endlos erscheinende Werk eines Designers zu beleuchten vermag.
Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung
Podium: Mittwoch, 9. Juli 2008, 20 Uhr, Vortragssaal
Der lange Weg zum Produkt / The long path to the product
Konstantin Grcic, Designer, München
Alfredo Häberli, Designer, Zürich
Patrizia Moroso, Art Director Moroso, Udine
Patricia Urquiola, Designerin, Mailand
Moderation: Karianne Fogelberg, Design-Journalistin, Frankfurt am Main
In deutscher und englischer Sprache
Podium: Mittwoch, 10. September 2008, 20.30 Uhr, Vortragssaal
Designentwicklung: Immer einen Schritt weiter? / Design development:
always one step further?
Alfredo Häberli, Designer, Zürich
Adrian van Hooydonk, Leiter Design BMW Automobile, München
Ross Lovegrove, Designer, London
Ascan Mergenthaler, Partner Herzog & de Meuron, Basel
Renate Menzi, Kuratorin Designsammlung, Museum für Gestaltung Zürich
Moderation: Jeroen van Rooijen, Ressortleiter „Stil“, NZZ am Sonntag, Zürich
In deutscher und englischer Sprache

Projekt Gallerie

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