Das landeseigene Kammergebäude von 1907 wurde von Dannien Roller + Architekten 2018 bis 2021 in einem Balanceakt zwischen Militärbau und den modernen Anforderungen an einen Ort der Rechtsprechung umgebaut.

Als Zeichen der neuen Identität schweben die zeitlos eleganten Mahlau Buchstaben „Amtsgericht“ über dem Eingang und gehen mit der Architektur eine kongeniale Synthese als Informationsträger und Fassadenornament ein.

Durch die Nutzung als Fahrzeughalle war die Bausubstanz stark geschädigt, sodass der Austausch der Decke über dem Erdgeschoss mit umfangreichen Abfangmaßnahmen notwendig wurde.

Die einstigen Garagentore der Rückseite wurden geöffnet und belichten die Gerichtssäle. Als Reminiszenz an die Holztore sind die Glasscheiben in der Tiefe versetzt angeordnet, was der Fassade eine bewegte Bildhaftigkeit verleiht. Das Foyer mit gekonnt karg gesetzten Akzenten entspricht der Würde des Gerichts. Die eingebrachte Stahlbetondecke, dem Ausdruck der entfernten Decke verhaftet, ist in Teilen als Konstruktion sichtbar. Rau verputzte Wände und der geschliffene Sichtestrich kontrastieren harmonisch mit dem Eichenholz der Möblierung. Asymmetrische Stahlbetonstützen greifen dynamisch das Spröde des früheren Zweckbaus auf.

Die behutsame Konfrontation von Ursprünglichem und Zeitgemäßem ermöglichte die funktionale Transformation in einer Atmosphäre des Respekts vor einem geschichtsträchtigen Ort.

Design team:

Dannien Roller Architekten + Partner
Text: Hanna Dannien Maassen; Art Historian

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