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Licht spielt die erste Geige


Danish Radio Konzerthaus
 

Am 17. Januar wurde in Kopenhagen das neue Konzertgebäude für Danish Radio eröffnet. Der Entwurf von Jean Nouvel vereinigt vier unterschiedlich grosse Konzertsäle in einem blau ummantelten Kubus, dessen Fassaden nachts als Projektionsflächen dienen. Kopenhagen und die internationale Kulturwelt erhielten mit dem Danish Radio Koncerthuset eine Symphonie aus zeitgemässer Architektur, innovativer Beleuchtung und einzigartigem Musikerlebnis.
Licht spielt die erste Geige
Fliessende Formen und subtile Lichtstimmungen verleihen dem grossen Konzertsaal eine fast magische Anziehungskraft.

Als wäre auch dies Teil des architektonischen Konzepts von Pritzker-Preisträger Jean Nouvel, lebt die Hülle von Danish Radios neuem „Koncerthuset“ mit der jahreszeitlichen Nutzung des Gebäudes. In den hellen Sommermonaten Skandinaviens, dann kaum genutzt, erscheint es von aussen lethargisch ruhig wie ein überdimensionales Gehege für den darin schlummernden Konzertsaal. Zur Hauptnutzungszeit jedoch, in den Dämmerungs- und Nachtstunden der langen Wintermonate, erwacht Leben auf der 96 m langen, 58 m breiten, 45 m hohen und damit die gesamte Umgebung deutlich überragenden Fassade. Unerwartet funkelt jetzt die blaue Textilbespannung. Wesentlich hierbei sind speziell entwickelte, kissenähnliche Milieu-Flächenleuchten, so genannte „Concrete-Lights“. Die labyrinthartigen Räume und nicht zuletzt die Virtuosität der vor allem von Jean Nouvels langjährigem kongenialen Partner, dem Lichtpoeten Yann Kersalé inszenierten Lichtstimmungen, sind für jeden Betrachter überwältigend und atemberaubend.
Licht spielt die erste Geige
Projektionen auf der Fassade und die Foyerbeleuchtung im Innern erwecken den Kubus nachts zum Leben.

Es ist ein Ort zur Entwicklung, Förderung und Aufführung aller Stilrichtungen von Musik auf höchstem internationalen Niveau – und deren Aufzeichnung für Radio- und Fernsehübertragungen von Danish Radio. Eine überdimensionale Musikwerkstatt also, permanent vibrierend. Denn selbst wenn im grossen Konzertsaal mit 1 800 Plätzen (Studio 1), einem der drei kleineren Konzertsäle (Studios 2–4) mit 250–450 Plätzen oder auf einer der zahlreichen „Bühnen“ im weitläufigen Foyer einmal gerade keine Veranstaltung stattfindet – das Foyer, das die Konzertsäle erschliesst und verbindet, lebt permanent weiter. Dafür sorgen auf den Raumoberflächen bewusst abstrakte Projektionen von Bildern und eingebetteten kleinen Filmsequenzen mit in warmen Tönen gehaltenen Motiven aus der Musikwelt. Um diese Projektionen in der notwendigen Intensität zu ermöglichen, liess Zumtobel einen besonders leistungsfähigen, auf die Anforderungen optimierten Gobo-Projektor entwickeln. Bei Dunkelheit erwacht auch auf der zuvor das neue und bunte Stadtviertel OErestad eher beruhigenden Fassadenfläche Leben, ebenfalls durch Projektionen, jetzt vorwiegend in mystischem Blau. Die abstrakten Motive und Filmsequenzen verraten etwas von dem, was hinter der Fassade passiert und laden dazu ein, es zu erleben. Das eigentlich unsichtbare Produkt Radio bekommt ein Gesicht, das Gebäude wird zu einer „Lumière magique“.
Licht spielt die erste Geige
„Concrete-Lights“ in Foyer und Fluren setzen farbige Akzente auf den Betonwänden, deren Oberflächen als „Elefantenhaut“ ausgebildet ist.

Ganz unten im Eck ist dieser riesige Musikquader wie ein Garagentor für den Besucher aufgeklappt. Dieser wird dann unter dem Kopenhagener Sternenhimmel vom 17. Januar 2009, dem Tag der feierlichen Eröffnung durch Königin Magrethe II ., empfangen. Realisiert wurde das Himmelszelt aus 1 600 LEDs in einer 300 m2 grossen Akustik-Lochdecke in Zusammenarbeit mit LEDON. Hinter dem nachtkalten Sternenlicht öffnet sich das Musik-A ll wie eine kleine abstrahierte Stadt mit verschiedenen Terrassen, Plätzen, Bars und Restaurant.
Licht spielt die erste Geige
Der Sternenhimmel im Eingangsfoyer, realisiert aus 1 600 LEDs, ist ein Abbild des nächtlichen Himmels der nördlichen Hemisphäre vom 17. Januar 2009, dem Tag der feierlichen Eröffnung des Konzertgebäudes.

Hat er es nicht schon durch die puren und unbehandelten Beton- und Holzoberflächen, durch die Vielschichtigkeit oder die Grobheit der einzelnen Elemente empfunden, wird dem Besucher spätestens hier durch die Garderobe und durch Bar-Möbel aus scheinbar liegen gelassenen Instrumententransportkisten die gezielt infinite Werkstattatmosphäre bewusst. Der völlige Verzicht auf für die Nutzung übliche architektonische Zitate und Rituale wirkt erleichternd und weckt grosse Erwartungen an das Konzertereignis. Sollte dies im grossen Konzertsaal stattfinden, gilt es zuerst, zu diesem emporzusteigen über sich immer weiter verengende Treppen und niedriger werdende Korridore. Mit orangefarbenem, aufgerafftem Filz ausgekleidete, nur spärlich am Boden ausgeleuchtete Schleusen schliesslich schlucken nicht nur jedes Geräusch, sondern auch das Letzte von Aussenwelt und Alltag. Wie eine neue eigene Welt öffnet sich dann der Konzertsaal, ganz in warmen Holztönen ausgekleidet, mit seinen in verschiedenen erdfarbenen Tönen bezogenen Sitzen. Architektur wird hier zur Kulisse, der Raum zur Landschaft. Wie terrassenartige Hänge sind die Zuschauerränge um einen Talgrund, der Bühne, herum angeordnet, eingerahmt von machtvollen, aber sanften Bergen, tiefen Tälern und über allem wie ein Fels thronend der Orgel. Alles ist in feierlich gedämpftes Licht getaucht, zunächst wie Abendsonne, dann zum Konzert wie Kerzenlicht.
Licht spielt die erste Geige
Im Foyer unter dem Hauptsaal sorgen Concrete-Lights, wechselnde künstlerische Gobo-Projektionen und so genannte Zig-Zag-Lichtlinien für ein ungewöhnlich intensives Raum- und Lichterlebnis. Die Garderobenmöblierung besteht aus Instrumententransportkisten.

Tatsächlich liess sich Jean Nouvel hier von den Herbststimmungen in den Weinbergen des „La Lavaux“ am Genfer See inspirieren. Folgerichtig ist das Kopenhagener Konzerthaus nicht wie der Konzertsaal des ebenfalls von Nouvel entworfenem KKL Luzern wie ein Holzinstrument verkleidet, sondern mit Blättern, „Scales“, ähnlich einem Knäuel verrottetem Herbstlaubs, in der umgebenden Fassade wie in einem Korb aufgehäuft.
Licht spielt die erste Geige
Auch in den Büros finden sich die Concrete Wandleuchten sowie Karea Stehleuchten.

Der Zuschauer wird Teil der Inszenierung. Die subtilen Lichtstimmungen des Konzertsaals werden durch eine ganze Reihe Sonderlösungen möglich: Eine eigens entwickelte Bodeneinbauleuchte strahlt die Wände der Balkone an und flutet sie tief mit weichem Licht. Entlang der äusseren oberen Raumkante simuliert ein Lichtband einerseits einen Tageslichteinfall, andererseits setzt es das überdimensionale, einen Sonnenuntergang stilisierende Wandgemälde von Alain Bony und Henri Labiole in das richtige, aufwändig erforschte Licht. Indirektfluter auf dem riesigen Schallreflexionssegel in der Raummitte fluten den Saal mit feierlichem Halogenlicht. Durch das Lichtmanagementsystem Luxmate werden aus insgesamt über 800 einzeln steuerbaren Leuchten oder Leuchtengruppen im Konzertsaal die gewünschten Lichtstimmungen komponiert. Wesentlich half hierbei das interaktive Planungsprogramm Vivaldi, mit dem die Lichtstimmungen bereits im Vorfeld mit Architekt und Nutzer abgestimmt wurden. Die dafür notwendigen Daten wurden schon in der Planungsphase mit der Visualisierungssoftware Inspirer erstellt. Höhepunkt dieser Arbeiten war ein erstes virtuelles Konzert in einer Simulation des Konzertsaals im Zumtobel-Präsentationszentrum Terminal-V in Lauterach.
Licht spielt die erste Geige
Die speziell für das Studio 3 angefertigten „Piano-Lights“ scheinen wie einzelne Klaviertasten im Raum zu schweben.

Ist der grosse Konzertsaal den ganz grossen OEvres der Musik gewidmet, so findet sich in den drei kleineren Sälen für alle denkbaren Sparten und Nischen der Musik ein passendes Ambiente – optisch durch drei völlig unterschiedliche Gestaltungsthemen und akustisch durch veränderbare Schallreflexions-Charakteristiken. Gemeinsam ist allen vier Konzertsälen eine vermutlich einmalig hochwertige technische Ausstattung. Diese trug auch wesentlich zu den insgesamt 226 Mio. Euro Baukosten bei. Damit ist das Gebäude für Danish Radio das teuerste Konzerthaus der Welt geworden, noch vor der bisher führenden „Walt Disney Concert Hall“ von Frank O. Gehry in Los Angeles. – Jean Nouvel: „Die Architektur ist wie die Musik dazu da, ein gewisses Vergnügen anzuregen und auszukosten.“
Licht spielt die erste Geige
Der grosse Saal ist wie eine Landschaft komponiert. Warme Holztöne, terrassenartig angeordnete Ränge und wechselnde Lichtstimmungen machen den Konzertbesuch zu einem Fest der Sinne. Die Beleuchtung wird durch Luxmate Professional gesteuert.

Projektinformation Danish Radio Konzerthaus, Kopenhagen/DK
Projekt: Danish Radio Konzerthaus, Kopenhagen/DK
Bauherr/Betreiber: Denmarks Radio, Kopenhagen/DK
Architekt: Ateliers Jean Nouvel, Paris/F
Lichtplanung: Atelier Yann Kersalé, Paris/F
Lichtlösung: Zumtobel
Licht spielt die erste Geige
Die mit satiniertem Glas abgedeckten Bodeneinbauleuchten setzen wirkungsvolle Akzente auf den Holzverkleidungen des Saals
to the Zumtobel Collection to the Zumtobel Collection

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