Wooden Dolls von Vitra Inc. USA

Der Designer Alexander Girard (1907-1993) zählt zusammen mit George Nelson sowie Charles & Ray Eames, mit denen er in enger freundschaftlicher Beziehungen stand, zu den prägenden Figuren des amerikanischen Designs der Nachkriegszeit. Der Schwerpunkt seines vielfältigen Schaffens war das Textildesign, wo seine Vorliebe für sinnenfrohe Farben, Muster und Texturen in Hunderten von Entwürfen für Möbel- und Dekostoffen zum Ausdruck kam. Daneben trat Girard, der ursprünglich eine Architekturausbildung absolviert hatte, im Laufe seiner langen Karriere auch mehrfach als Möbel-, Grafik-, Ausstellungs- und Interiordesigner hervor. Legendär sind in diesem Zusammenhang insbesondere die Einrichtung des Restaurants La Fonda del Sol in New York City und seine Arbeit für Braniff Airlines, wo er für den gesamten Bereich des Designs und des Brandings zuständig war. Girards Werk bereicherte das Design des 20. Jahrhunderts um eine sinnliche und spielerische Komponente, die der Moderne in ihrer klassischen Ausprägung zuvor gefehlt hatte.

Eine wesentliche Inspirationsquelle für Girards Arbeit war die intensive Beschäftigung mit der Volkskunst Südamerikas, Osteuropas und Asiens. Sowohl die Farbenwelt, als auch die Muster und Motive, die vielen seiner Entwürfe ihren speziellen, unverkennbaren Charakter verliehen, lassen sich auf Wurzeln in diesem Gebiet zurückführen. Girards enorm umfangreiche, über Jahrzehnte hin zusammengetragene Sammlung von Volkskunst ist heute die Hauptattraktion des berühmten Museum of International Folk Art in seiner Wahlheimat Santa Fe, New Mexiko.

Auch die Wooden Dolls, die Girard 1963 für sein Haus in Santa Fe entwarf und selbst herstellte, sind durch seine Volkskunst-Sammlung inspiriert. Zugleich bezeugen sie eingehende Auseinandersetzung mit traditionellen Spielsachen, über die Girard bemerkte: „Toys represent a microcosm of man’s world and dreams, they exhibit fantasy, imagination, humor and love. They are an invaluable record and expression of man’s ingenious unsophisticated imagination.“ (Spielsachen repräsentieren einen Mikrokosmos der menschlichen Welt und der menschlichen Träume. Sie beweisen Fantasie, Einfallsreichtum, Humor und Liebe. Sie sind unschätzbares Zeugnis und Ausdruck aufrichtiger menschlicher Vorstellungskraft.)

In die Bemalung der skulptural-abstrahierten Figuren flossen gestalterische Elemente aus Mittelamerika ebenso ein, wie solche aus Osteuropa und Italien. Halb dekoratives Element, halb Spielzeug waren die Wooden Dolls ursprünglich nur für Girards eigenen Bedarf geschaffen worden. Vermutlich war auch eine Vermarktung im New Yorker „Textiles & Objects Shop“ geplant, den Herman Miller von 1961 bis 1963 unter Girards Regie betrieb. Nach Dokumenten und Originalen des Alexander-Girard-Archivs im Vitra Design Museum wird die mal fröhlich, mal eher grimmig dreinblickende Gesellschaft jetzt als Serien-Edition aufgelegt. Ähnlich wie die Kissen aus Girards Stoffen sind sie eine charmante Bereicherung für jede Einrichtung.

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