Nesting Tables von Vitra Inc. USA

Designer Josef Albers
Einführungsjahr 1926-27 (reedition 2004)
Architonic ID 1041648

Berühmt ist der „Bauhäusler“ Josef Albers (1888-1976) heute vor allem durch seine legendäre Bilder-Serie „Homage to the Square“. In unzähligen Varianten ein und desselben Bildsujets – drei ineinander gestellte Quadrate – erforschte und demonstrierte er hier auf eindrückliche Weise das Wechselspiel der Farbe und ihrer räumlichen Wirkung. Neben seinem umfangreichen, zumeist durch geometrische Formen bestimmten malerischen Werk, das vor allem die Op-Art Bewegung wesentlich beeinflusste, ist Albers aber auch als Hochschul-Lehrer und – was ein wenig in Vergessenheit geraten ist – als Möbeldesigner und Grafiker hervorgetreten. Er gehört mit Walter Gropius, Marcel Breuer, Mies van der Rohe und Herbert Bayer zu jenen Bauhaus-Künstlern, die in den Jahren nach 1933 einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf die Design-Entwicklung und die künstlerisch-gestalterische Ausbildung in den USA ausübten.

1888 in Bottrop geboren, hatte Josef Albers bereits einige Jahre als Volksschullehrer sowie als Setzer und Kunsterzieher gearbeitet, bevor er 1920, immerhin schon 32 Jahre alt, Schüler des Weimarer Bauhauses wurde. Nur zwei Jahre später zum „Geselle“ befördert, erhielt Albers von Gropius den Auftrag zum Aufbau einer Werkstatt für Glasmalerei. Zusätzlich übernahm er 1923 einen Lehrauftrag im berühmten Vorkurs des Bauhauses, dessen Leitung er später von 1928 bis zur Schließung des Bauhauses 1933 innehatte. Anfang der 20er Jahre begann auch Albers Beschäftigung mit Möbeldesign. 1925 zum „Jungmeister“ ernannt, war er als Nachfolge von Marcel Breuer für zwei Jahre künstlerischer Leiter der Möbelwerkstatt im Bauhaus Dessau.

1933 emigrierte Albers mit seiner Frau Anni, einer sehr renommierten Textildesignerin, die ebenfalls am Bauhaus war, in die USA. Auf Vermittlung von Philip Johnson übernahm er dort eine Professur am neu gegründeten Black Mountain College in North Carolina, zu dessen Schülern bald berühmte Avantgarde-Künstler wie Robert Rauschenberg, Merce Cunningham und John Cage zählen sollten. Josef und Anni Albers, seit 1939 amerikanische Staatsbürger, blieben bis 1949 an diesem College, dessen hervorragender Ruf wesentlich auf Albers kunst-pädagogischer Kompetenz beruhte. Von 1950 bis 1960 leitete Albers dann das Department of Design an der Yale University in New Haven, Connecticut. Parallel zu seinen Lehrverpflichtungen , die zahlreiche Gastprofessuren in den USA und Europa mit einschloss, und zu seiner publizistischen Tätigkeit, die der von ihm entwickelten „Didaktik des Sehens“ gewidmet war, blieb Albers stets auch künstlerisch tätig. Zum internationalen Durchbruch verhalf ihm die 1950 begonnen Bilder-Serie „Homage to the Square“. Den späten Höhepunkt seiner Karriere markierte 1971 eine grosse Retrospektive im Metropolitan Museum of Art in New York – die erste je einem lebenden Künstler gewidmete Ausstellung an diesem Haus.

Mit Möbeldesign beschäftigte sich Albers vor allem in den 20er Jahren, während seiner Zeit am Bauhaus. Die klaren und einfachen geometrischen Formen, die in seiner Malerei vorherrschten, bestimmten auch seine Möbelentwürfe. Das Material seiner Wahl war Holz, manchmal nutzte er auch farbig lackierte bzw. matt aufgeraute Glasplatten. Zur Verdeutlichung der Konstruktion und zur optischen Gliederung des Objektes kombinierte er mit Vorliebe verschiedene Holzarten oder aber verschiedenfarbig gebeiztes Holz der gleichen Sorte. Wie in der Malerei war er auch im Design darum bemüht, mit „minimalen Mitteln maximalen Nutzen“ zu erreichen. Trotz eines schmalen formalen Repertoires und trotz ihrer schlichten Erscheinung, wirken seine Objekte ungemein spannungsreich.

Die vom Vitra Design Museum als Re-Edition produzierten Satztische gehören zu einer Wohnungseinrichtung, die Albers in den Jahren 1926/27 für das Berliner Haus der Psychoanalytiker Fritz und Anna Moellenhof schuf. Sie überzeugen durch ihre formale Schlichtheit, ihre ausgewogenen Proportionen und ihre gradlinige Konstruktion. Den besonderen Reiz dieser Möbel machen jedoch die von der Tragkonstruktion eingefassten, verschieden eingefärbten gläsernen Tischplatten aus. Neben Weiß nutzte Albers hierfür die am Bauhaus besonders beliebten Primärfarben Gelb, Rot und Blau.
Wie bei den Kirchenfenstern, die er seit 1919 schuf, und wie bei den „Homage to the Square“, die ihn weltberühmt machten, präsentierte er bei den Satztischen die Farben so, dass sie unabhängig voneinander und im Zusammenspiel gesehen werden können. Jeder Ton steht zunächst für sich, verändert sich aber in der Begegnung mit anderen. Wie immer verstand es Albers auch hier, die Farbe auf eine kräftige und gleichzeitig klare Weise zum Singen zu bringen. Glas war hierfür das ideale Medium.
Formal weisen die Satztische mit ihren kufenartig ausgebildeten Beinen und der in sich geschlossenen Linienführung der Tragkonstruktion eine gewisse Ähnlichkeit mit Marcel Breuers berühmtem Bauhaus-Hocker von 1925 auf. Albers ersetzte hier aber das Stahlrohr durch Kanthölzer aus Esche, was dem Möbel eine deutlich wärmere und weniger modernistische Anmutung verleiht. Eine Rahmenkonstruktion aus schwarz lackiertem Buchenholz dient der Aussteifung des leichten Möbels und trägt zugleich die an ihrer Unterseite farbig lackierten Glassplatten.

Material:
Eiche lasiert, Glasböden türkis, gelb, rot bzw. blau lackiert

Masse:
600 x 400 x H 625 mm
540 x 400 x H 550 mm
480 x 400 x H 475 mm
420 x 400 x H 400 mm

Die Satztische sind wie viele andere Möbelentwürfe von Josef Albers nie in Serienproduktion gegangen. Die Re-Edition ist vom Vitra Design Museum in enger Zusammenarbeit mit der Josef and Anni Albers Foundation in Bethany, CT nach den dort aufbewahrten Originalstücken erarbeitet worden. Mit freundlicher Genehmigung der Josef und Anni Albers Stiftung. Alle Rechte vorbehalten.


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