Nora Schmidt

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Nora Schmidt
Berlin   Deutschland

Valencia Disseny Week


Die Sonne, der Wein, eine bezaubernde Innenstadt – in Valencia ist es nicht schwer, den Messeaufenthalt in vollen Zügen zu genießen. Dank der Einladung zu FEED, dem ersten Treffen internationaler Blogger und digitaler Medien, durch die Valencia Disseny Week und den ADCV, der Gesellschaft Valencianischer Designer, wa es Architonic vergönnt, neben der Habitat Valencia auch Einblicke in die Produktionsstätten einiger spanischer Hersteller zu gewinnen.
 

Valencia Disseny Week
Patricia Urquiola inszenierte ihre Arbeiten der letzten Jahre in einer ihr gewidmeten Sonderausstellung

Trotz der großen Wirtschaftskrise, welche die Iberische Halbinsel besonders hart betrifft, scheinen die überwiegend spanischen Aussteller der diesjährigen Habitat Valencia hoffnungsvoll der Zukunft entgegen zu blicken – vor allem jene, die neben der spanischen auch internationale Kundschaft bedienen und die in der der Wirtschaftskrise keine existentielle Bedrohung sehen. Auch das Fachpublikum trotzt den Unkenrufen der Wirtschaftsexperten und erscheint zahlreich auf Spaniens wichtigster Möbelmesse – nach Einschätzung einiger Aussteller war ein deutlicher Besucherzuwachs aus aufstrebenden Ländern wie Indien oder Brasilien zu verbuchen. Dies ist sicherlich auch den Initiativen der ambitionierten Organisatoren, die in Form von Sonderausstellungen und Kongressen ein vielfältiges Rahmenprogramm boten, zuzuschreiben.
So fand in diesem Jahr beispielsweise der erste Kongress ibero-amerikanischer Innenarchitekten statt, dessen Ziel es war, eine Plattform für Erfahrungsaustausch und zukunftsweisendes Networking europäischer und lateinamerikanischer Architekten und Designer darzustellen. Spanien als interkontinentale Brücke ist dafür sicher der passende Ort.
Nicht nur als Gastrednerin dieser Veranstaltung sondern auch als Designerin der diesjährigen Sonderausstellung, trat Patricia Urquiola in Erscheinung. In Halle 6, der Ausstellungsfläche, die insbesondere den Herstellern des Premium Segments gewidmet war, inszenierte sie mit gewohntem Charme und Sinn für Oberflächen, Mustern und Textilien eine Übersicht ihrer Arbeiten der letzten Jahre. Mit dem neuen modularen Couchtisch ‚Tears’ stellte die in Mailand lebende Designerin außerdem eine Neuheit vor, die im Auftrag des spanischen Herstellers Viccarbe entstand.
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‚Tears’ kann variabel aus zweierlei Untergestellen und vier verschiedene Tischplatten zusammengestellt werden

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'Tears' by Patricia Urquiola für Viccerbe

Ketall nahm die Habitat Valencia zum Anlass, den von Hella Jongerius gestalteten Sessel ‚Bob’ vorzustellen. Die Interpretation des klassischen Clubsessels für den Außenbereich sticht vor allem durch ein geschicktes Detail, der Zweiteilung des Metallrahmens, ins Auge, das dem Sessel trotz seiner Breite eine gewisse Leichtigkeit verleiht: Die Sitzfläche und Rückenlehne verlaufen entlang eines breiten, schwarzen Rahmens, der auch die Vorderbeine des Sessels bildet. Gestützt wird dieser durch einen sehr viel schmaleren, weißen Rahmen, der Armlehnen und Hinterbeine ausmacht.
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'Bob' von Hella Jongerius für Kettal
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Nanimarquina präsentierte jene Neuheiten, die bereits in Mailand vorgestellt wurden. Neben
dem augenfälligen Messestand Nanimarquinas fesselte ein Video über den Herstellungsprozess der Nanimarquina-Teppiche in Indien viele Besucher. In diesem Rahmen sollte erwähnt werden, dass Nanimarquina Mitglied der Care & Fair Association ist, und damit garantieren kann, dass keines ihrer Produkte durch Kinderarbeit entstand.
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Der ‚Boomerang’ chair von dem spanischen Hersteller Sancal wurde erstmals auf der Habitat Valencia präsentiert. Im Profil wird deutlich, wo der Ursprung des der Namensgebung liegt: Der Massivholzrahmen setzt sich aus zwei Boomerang-förmigen Elementen zusammen, welche die Armlehne, sowie auch die Vorder-und Hinterbeine bilden.
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'Boomerang' chair von Quim Larrea & Associates für Sancal
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Eine faszinierende Installation, die das charakteristische Material des spanischen Leuchtenherstellers perfekt in Szene setzt, war der diesjährige Stand von Luzifer. Schuppenartig wurden quadratische „Polywood“-Stücke – bei dem Material handelt es sich um einen von Luzifer patentierten Verbundstoff aus Furnier und Polyester – auf zwei versetzte Leuchtwände angebracht. Die homogene Hinterleuchtung veranschaulichte die Transluzenz des Materials und damit das Gestaltungsprinzip der neuen Leuchte ‚Armadillo’.
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Der diesjährige Stand des Spanischen Leuchtenherstellers Luzifer, ‚Armadillo’ Hängeleuchte

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'Polywood' ist der patentierte Werkstoff, aus dem alle Luzifer Leuchten bestehen

Sandro Tothill, Mitbegründer und Geschäftsleiter von Luzifer, lud uns ausserdem im Rahmen der FEED-Veranstaltung in die Luzifer Manufaktur im Gebäude einer alten Kelterei ausserhalb Valencias zu einer ausführlichen Werkschau ein. Im Anschluss daran fand eine exzellentes Paella-Bankett im Firmengarten statt. Ein paar Eindrücke aus der Manufaktur haben wir für Sie festgehalten.
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Sandro Tothiss in der Luzifer Manufaktur, Foto mit Genehmigung von ADCV & Héctor Rubio 2010

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Ein echtes Highlight ausserhalb des Messegeländes bot Gandia Blasco in diesem Jahr. Im Park des trockengelegten und umgeleiteten Flussbettes der Turia, das sich seit Fertigstellung in den 1990er Jahren wie ein grünes Band um Valencias Altstadt legt, arrangierte der spanische Hersteller für Aussenmöbel eine Ausstellung der ganz besonderen Art. Unter der historischen Brücke und rund um einen Teich wurden die neuesten Gandia Blasco Produkte atmosphärisch bei Kerzenlicht und kühlen Drinks inszeniert – genau das Richtige für einen ausklingenden Messetag.
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Die Gandia Blaso Installation im trockengelegten Flussbett

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Gandia Blascos Ausstellung außerhalb der Messe

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'Kilim' ist einer der neuen Teppiche, die GAN by Gandia Blasco auf der diesjährigen Habitat Valenica präsentierte
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Für die FEED-Teilnehmer stand als nächstes die Manufaktur des Porzellanherstellers Lladro auf dem Programm. Der in den 1950er Jahren gegründete Familienbetrieb stellt handgefertigte Porzellanfiguren, Wohnaccessoires und Leuchten her. Durch die künstlerische Leitung von Jaime Hayon und mittels moderner Kollektionen konnte sich die Firma endgültig vom altbackenen Vitrinen-Kitschs ihrer Mitbewerber abheben. Der spanische Designer schlug mit seiner 'Fantasy Collection' die Brücke zwischen traditionellem Porzellanhandwerk und moderner Formsprache und Dekor und verschaffte Lladro neue Anerkennung unter Designliebhabern.
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Besuch bei der Lladro Manufaktur, Foto mit Genehmigung von ADCV & Héctor Rubio 2010

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Lladro Manufaktur, Foto mit Genehmigung von ADCV & Héctor Rubio 2010

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'Parrot Parade' von Lladró Atelier
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Die Tage in Valencia sind kurzweilig und könnten dennoch nicht lang genug sein: Es gibt viel zu sehen und so vieles, was man noch sehen möchte. Doch auch in Spanien hat der Tag nur 24 Stunden – auch wenn es 24 besonders kurze Stunden sind.