Susanne Fritz

Autor

Susanne Fritz
Zürich
Schweiz

Slowenisches Design

Im Februar ging die Ausstellung „ISKRA: NON-ALIGNED DESIGN 1946–1990“ im Architekturmuseum Ljubljana AML zu Ende. Sie bot einen Einblick in das goldene Zeitalter slowenischen Produktdesigns von den 1960-er bis 90-er Jahren.
Nach den Turbulenzen des Zerfalls Jugoslawiens und wirtschaftlichen Nöten der neuen jungen demokratischen slowenischen Republik macht nun eine neue Generation junger slowenischer Designer auf sich aufmerksam, denen wir uns nach einem kurzen Rückblick auf die slowenische Designgeschichte widmen wollen.
  • Der Iskra-Konzern entstand aus einer kleinen staatlichen Radiowerkstatt und entwickelte sich zu seiner Blütezeit Mitte der 80-er Jahre zu einem der führenden Hersteller elektrotechnischer Produkte mit mehr als 85.000 Angestellten.
    Slowenisches Design
    Plakat für die Iskra Ausstellung 1971 im Design Center Stuttgart
  • Im Sommer 1971 fand eine Ausstellung über Iskra im Design-Center in Stuttgart statt, deren Hauptanliegen es war, ISKRA als jugoslawisches Pendant zur Firma Braun zu präsentieren.
    Wie auch die Designabteilung unter der Leitung von Dieter Rams den Produkten von Braun ihren typische Ästhetik verlieh, so gab es auch bei Iskra ein legendäres Design-Departement das von 1961-1971 unter der Leitung von Davorin Savnik stand.
    Nach 1971 wirkte er als Freelancer und Berater der Generaldirektion weiterhin stilbildend mit.
    Albert Kastelec, Marijan Gnamuš, Janez Smerdelj, und Janja Lap waren weitere wichtige Industriedesigner, die für Iskra tätig waren.
    Miljenko Licul und Ranko Novak prägten den graphischen Auftritt der Firma.
    Slowenisches Design
    ATA 30 Telefon, Designer Davorin Savnik, 1965
  • Slowenisches Design
    Oszilloskop von Iskra, DesignerDavorin Savnik, Produktgrafik Danica Petrovič und Stane Abe, 1965–1969
  • Da im sozialistischen Jugoslawien nur eine begrenzte Auswahl an Gütern erhältlich war, besass nahezu jeder Haushalt ein Produkt von Iskra – und die meisten Slowenen identifizieren sich mit diesen Dingen des täglichen Gebrauchs, von denen nicht wenige gestalterische Meisterstücke waren.
    Slowenisches Design
    Pobi Batterieladegerät von Iskra, Designer Marijan Gnamuš, 1973
  • Doch abgesehen von Iskra gibt es noch weitere wichtige Referenzen in der Designgeschichte Sloweniens:
    Marko Turk war der erste Slowene, der einen internationalen Designpreis erhielt für seine Mikrophon-Marke AOL. Turks Mikrophone sind Bestandteil der MOMA Kollektion, wie auch der Klappstuhl Rex von Nico Kralj. Der Formholzstuhl aus dem Jahre 1952 ist bis heute ein Verkaufsschlager und wird mittlerweile von der slowenischen Firma Impacta produziert. Rex ist mittlerweile zu einer Kollektion erweitert worden mit einem dazu passenden Tisch, Beistelltisch, Bank und Schaukelstuhl.
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    Rex Stuhl , Designer Niko Krajl, 1952
  • Slowenisches Design
    ECS – Alpina Elite Racing Skate, Designer Jure Miklavc, 2008
  • Offenbar fehlte es Jugoslawien nach dem Untergang von Iskra an einer neuen Talentschmiede für die junge Design-Elite und der Staat braucht seine Zeit, um die neue Rollenverteilung zu etablieren.
    Die „Academy of Fine Arts and Design in Ljubljana“ ist derzeit die einzige Ausbildungsstätte für Design, mit Spezialisierungsmöglichkeit auf Industriedesign und Kommunikationsdesign. Jure Miklavc, Dozent am Departement für Industriedesign,
    nennt uns neue Firmen, die junge Designer fördern, darunter der bekannte Sportartikelhersteller Elan, Leuchtenhersteller Intra, Badhersteller Kolpa sowie Trimo, Produzent von Bauteil – Elementen.
    Kolpa erhielt für seine Badmöbel-Kollektion „Yumi“, die aus dem firmeneigenen Komposit „kerrock®“ hergestellt wird, den „Red Dot Design Award“.
    Slowenisches Design
    Yumi Badmöbelkollektion, Hersteller Kolpa, 2010, Foto © Kolpa
  • Jure Miklavc selbst hat für Alpina unter anderem Spezial-Langlaufschuhe und Kinderskischuhe entworfen, sowie eine LED Leuchte für intra und ist als Architekt und Designer tätig.
    Slowenisches Design
    Tywa LED Leuchte, Hersteller Intra, Design Jure Miklavc
  • Eigeninitiative ergriff der Designer Asobi, der nach Messe-Erfolgen in Mailand und auf der IMM seine eigene Marke Marvin gründete und mittlerweile auch die Outdoor-Sitzmöbelkollektion „Ljubljana“ beim deutschen Hersteller Movisi platzieren konnte.
    „Ljubljana“ besteht aus linear addierbaren Einzelelementen mit und ohne Lehne, die sich zu Stuhl, Hocker und Bank formieren lassen.
    Slowenisches Design
    Sitzmöbelkollektion „Ljubljana", Hersteller Movisi, Designer Asobi
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    Sitzelement aus der Kollektion „Ljubljana", Hersteller Movisi, Designer Asobi
  • Asobis bekanntestes Produkt ihrer Eigenmarke ist das „Isle Lounge Sofa“, das an der imm, am Salone del Mobile, der ICFF und am London Design Festival ausgestellt war.
    Die innovative Pendelleuchte „Gwig“, die vom Designmagazin „ID“ mit einem Designpreis ausgezeichnet wurde, ist nur eine von vielen Leuchten Asobis, die vom Leuchtenhersteller intra produziert werden.
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    Isle Lounge, Designer Asobi, 2007
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    Gwig pendant light, Hersteller Intra, Designer Asobi
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    Gwial Pendelleuchte, Hersteller Intra, Designer Asobi
  • Auch Nika Zupanc, mittlerweile international bekannter Designerin aus Slowenien, schloss an der „Academy of Fine Arts and Design“ in Ljubljana ab - mit Auszeichnung.
    Wie ihrem Lebenslauf zu entnehmen ist, erhielt sie 2001 den „renommierten Presernova Award für höchste Leistungen im Industriedesign“.
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    Nika Zupancs Pavillion für ihren Auftritt im Rahmen des Salone del Mobile 2009; Material: Fassadenelemente "Qbiss" von Trimo
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    Q-biss Fassadenelemente, Hersteller Trimo
  • Nika Zupank ist bereits für viele namhaften Hersteller als Designerin tätig.
    Ihre Entwürfe sind mehrheitlich durch einen burlesquen, leicht frivolen Stil gekennzeichnet.
    Für ihr eigenes Label „La femme et la maison“ entstand ein Sofa namens „Tapisserie“, dessen hohe Lehnen die Privatheit des Nutzers schützt.
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    Sofa "Tapisserie", Designer Nika Zupanc
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    "Tailored Chair", Hersteller Moroso, Designer Nika Zupanc
  • Die „Boy’s Lamp“ für den slowenischen Leuchtenhersteller Vertigo Bird hat durchaus phallische Züge und für Moroso entwarf sie den „Tailored Chair“ , der dem Wespentaillen-Torso einer Schneiderpuppe ähnelt; für das niederländische Label Moooi entstanden die Stehleuchten mit Spitzen(-unterwäsche) – Optik.
    Slowenisches Design
    "Boy's Lamp", Hersteller Vertigo Bird, Design Nika Zupanc
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    "Lolita" Leuchtenkollektion, Hersteller moooi, Designer Nika Zupanc
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    Leuchte ,,Force", Hersteller Vertigo Bird, Designer Nika Zupanc
  • Die ,,Mrs. Dalloway" Mini-Heizplatte für Gorenje, die an eine Puderdose erinnert, wurde ebenfalls im Rahmen des Superstudio Più 2009 präsentiert, ging jedoch leider nie in Produktion.
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    Mini-Heizplatte "Mrs. Dalloway", Designer Nika Zupanc, 2009
  • Ausser mit der „Boy’s Lamp“ ist Zupanc auch noch mit dem Chandelier „Force“ bei Vertigo Bird vertreten, das von unten betrachtet an das Düsentriebwerk eines Flugzeugs erinnert.
    Eine linear-minimalistische Floureszenzleuchte, deren Kabelführung die Ästhetik eines Umspannwerkes zu zitieren scheint, wurde vom niederländisch-slowenischen Architekten-Duo bevk perović arhitekti für Vertigo entworfen.
    Einer der Partner, Matija Bevk, schloss 1999, ein Jahr vor Nika Zupanc, an der Faculty of Architecture der University of Ljubljana ab.
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    "Slim" Fluoreszenz-Leuchte, Hersteller Vertigo Bird, Designer bevk perović arhitekti
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    "Bubble" Rauchmelder, Hersteller Vertigo Bird
  • Die politische Isolation des früheren Ostblocks und die limitierten kulturellen Einflüsse auf Slowenien bis Anfang der 90-er Jahre können auch einen gute Grundlage für die Entwicklung neuer Ideen sein.
    Nika Zupanc ist zumindest ein Beispiel, wie man mit einer neuen Ästhetik innerhalb kurzer Zeit die Designszene des „alten“ Europas aufmischt.
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