Autor

Nils Becker
Zürich   Schweiz

Sanitärobjekte als Möbel, Armaturen als Accessoires


Unsere Trendanalyse von der diesjährigen ISH in Frankfurt
 

Obwohl sie seit nun 50 Jahren eine der weltweit führenden Fachleitmessen im Bauwesen ist, erschliesst sich nicht auf den ersten Blick, was sich hinter den drei Buchstaben ISH inzwischen verbirgt: „Erlebniswelt Bad und Gebäude-, Energie- und Klimatechnik und Erneuerbare Energien“ ist der bemühte Zusatz, der die ganze Bandbreite der Themen aufzuspannen versucht und gleichzeitig das Dilemma der Messe aufzeigt.
Sanitärobjekte als Möbel, Armaturen als Accessoires
Axor Urquiloa von Partricia Urquiola für Axor Hansgrohe

Sanitärobjekte als Möbel, Armaturen als Accessoires
Axour Massaud von Jean-Marie Massaud für Axor Hansgrohe
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Denn vor 50 Jahren war das Bad noch eine Domäne der Techniker und Installateure. Rein funktionale, praktische und flächenoptimierte Lösungen wurden von den Kunden nachgefragt. Das Bad war nur der Ort der notwendigen Hygiene. Generationen von Architekten begnügten sich bei diesem Thema damit, die Nasszelle nach Standardwerten des weltweit geläufigen Architekten-Regelwerks „Neufert“ zu vermassen und zu bestücken.
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Supernova von Sieger Design für Dornbracht
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Eine Kombination mit Holz von Laufen

Der bei Architekten verbreitete Sitzname der ISH als „Inter-Klo“ widerspiegelt den Stellenwert, den die Veranstaltung noch heute bei vielen der planenden Zunft hat. Wer nicht unbedingt muss, geht nicht hin.
Doch zu Unrecht: Das Bad ist in der heutigen Gesellschaft der Selbsterfahrung zu einem zentralen Ort des Entspannens und Verweilens geworden. Die grosse Nachfrage nach Belebung aller Sinne durch Wasser, Düfte, Licht und Wärme hat in kürzester Zeit das Bad aus einem Dornröschenschlaf geweckt und aus der Nasszelle befreit. In keinem Bereich des Wohn- und Hotelgrundrisses war in jüngster Zeit eine so radikale Veränderung zu beobachten. Neue Lebensrituale haben die klare Trennung zwischen Wohnen, Schlafen und den Funktionen des Bades aufgebrochen und damit in grossem Masse neue Anforderungen an die Architektur und Produkte von heute gestellt.
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Sundeck von Duravit
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In den letzten Jahren konnte man zwar auf der ISH bereits Konzepte für offene Badbereiche mit wohnlichem Charakter sehen – jedoch ausgestattet mit den klassischen Objekten einer weissen Badkeramik mit verchromten Armaturen. Auf der diesjährigen ISH war für uns eine wichtige neue Entwicklung zu entdecken: die klassischen Badprodukte wie Badewanne, Waschtisch oder WC werden nicht nur im Kontext eines Wohnraumes plaziert, sie entwickeln sich nun folgerichtig selbst zu Möbelstücken, die frei im Raum plaziert werden können und sich auch der Materialität von Wohnmöbeln annähern.
Sanitärobjekte als Möbel, Armaturen als Accessoires
Tulip von Azzurra Ceramica

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Der türkische Hersteller VitrA

Standwaschtische bekommen einen Standfuss aus Massivholz. WCs werden mit einer Verkleidung des Unterbaus aus Bambus-Holzwerkstoff versehen. Ebenfalls markiert die auffällige Farbgebung das neue Selbstbewusstsein der Sanitärobjekte. Schwarz, weiss und rot sind die dominierenden Farben, die selbst vor der Badarmatur nicht halt gemacht haben.
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Philippe Starck für Duravit

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Khroma von Erwin Himmel für Roca
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Badewanne mit Gummioberfläche, Antonio Lupi
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Pura Vida von Phoenix Design für Duravit
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Auch an der Typologie der Produkte ist der Wandel zu sehen: Die neue freistehende Badewanne „Water Lounge“ von Hoesch ist eine klassische Chaise Lounge, die in einem Glasbecken zum Baden geflutet werden kann. Ebenfalls von Hoesch ist ein von Michael Schmidt von Code 2 Design entworfener Whirlpool auf Rollen, das sich, einem Möbel gleich, bei Bedarf auf die Terrasse schieben lässt.
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Kaldewei

Sanitärobjekte als Möbel, Armaturen als Accessoires
Water Lounge von Hoesch

Neben der Badkeramik lösen sich auch die Badarmaturen immer mehr von einer Formensprache, die bisher stark von der Funktion bestimmt war. Wie dekorative Wohnaccessoires entwickeln sich die Armaturen zu kleinen Skulpturen, die den Wandel vom Sanitärobjekt zum Wohnmöbel nochmals unterstreichen.
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Freedom von Ross Lovegrove for VitrA

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Hansalatrava von Hansa