Susanne Fritz

Autor

Susanne Fritz
Zürich   Schweiz

Messerückblick BAU München 2011 Teil 1


Die Bau 2011 stand ganz unter dem Motto der Nachhaltigkeit. Viele Hersteller haben auf diesen Trend und die neuen ökologischen Massstäbe schon seit geraumer Zeit reagiert, und rückten auf der Messe den Fokus auf zertifizierte Produkte. Während man angesichts der zahlreichen Öko- und Nachhaltigkeits- Gütesiegel beinahe den Überblick verlieren konnte, stellte die BAU an sich eine sehr übersichtliche Messe dar: Die insgesamt 16 Hallen waren thematisch klar strukturiert.
Die Orientierung fiel dem Besucher dank drei linearer „Stränge“ der 16 Hallen mit dazwischenliegenden Verbindungsgängen und Freiflächen leicht. Als nützliches Tool erwies sich mal wieder der Architonic Guide und die Architonic iPhone App mit dreidimensionaler Darstellung des Messegeländes.
In diesem ersten Teil und einem folgenden Teil 2 des Messerückblicks möchte Architonic Ihnen aus dem riesigen und vielfältigen Angebot der BAU unsere Auswahl vorstellen und Ihnen gleichzeitig einen thematisch breit gefächerten Überblick bieten.
 

Die Zusammenarbeit mit namhaften Künstlern und Designern stellt mittlerweile für viele Design-Hersteller ein wirksames Marketing-Tool dar. Lange vor diesem Trend definierte Vorwerk seine Marke schon über Kollektionen und Sonder-Editionen, die in Kooperation mit renommierten Architekten, Designern und Künstlern entstehen. Dieser Wille zur Innovation und zu individuellen Lösungen macht Vorwerk zu einem von Architekten international bevorzugten Hersteller. Mit Reeditionen früherer Designs, die nie an Bedeutung verlieren, wie von Roy Lichtenstein, David Hockney, Jeff Koons oder Robert Wilson, ebenso wie den jüngsten Entwürfen der Designer Ulf Moritz und Hadi Teherani, verfügt Vorwerk über eine beeindruckende Bibliothek an Stilen und Mustern.
Messerückblick BAU München 2011 Teil 1
Die mit Hadi Teherani entwickelte Linie FreeSCALE „Mesh“ von Vorwerk

Ökologie und Design geben sich bei Vorwerk die Hand, wie die mit Hadi Teherani entwickelte Linie FreeSCALE „Mesh“ zeigt. „Mesh“ kann in „offener Form“ verlegt werden, die Kontur des textilen Bodebelags ist frei. Hiermit passt sie sich hervorragend in moderne Objektarchitekturen ein. Vorwerk FreeSCALE ist eine der ersten Design-Fliesenkollektionen, die auf Basis der neuen Vorwerk TEXtiles-Technologie entwickelt wurde. TEXtiles ist ein besonders umweltgerechtes Beschichtungsverfahren, das die bisher üblichen PVC- oder Bitumenbeschichtungen bei Fliesen ersetzen kann, welches den bereits zu 60% aus rezykliertem Material hergestellten Teppich wiederum voll recyclebar macht. Ausserdem haben die mit diesem Verfahren hergestellten Produkte den TÜV-Nord Siegel „Für Allergiker geeignet“ erhalten und werden vom Allergie- und Asthmabund wegen ihrer nachweislich feinstaubreduzierenden Eigenschaften empfohlen.
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Vorwerks's special editions by David Hockney (left) and Zaha Hadid (right)

Im Rahmen der Nachhaltigkeits-Diskussion präsentierte die TOUCAN-T Carpet Manufacture aus Krefeld eine Lösung, die den Themen Ökologie und Nachhaltigkeit in besonderer Weise Rechnung trägt: Der Objekt- Teppichboden ECOLOGICS ist aus recyceltem Garn gefertigt. Basis dieser neuen Produkte ist das Garn ECONYL by Aquafil. Es wird zum einen aus einem wiederverwerteten Polyamid-Wertstoff gefertigt. Zum anderen wird bei der Herstellung von ECONYL die gesamte Öko-Bilanz nachhaltig verbessert. Gegenüber herkömmlichem Polyamid werden 15 Prozent weniger Wasser benötigt, 80 Prozent weniger organischer Abfall produziert und 85 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen. Ebenso deutlich verringert sind Rohölbedarf (eine Tonne weniger pro Tonne Polyamid) und CO2-Ausstoß (zwei Tonnen weniger pro Tonne Polyamid). Das Trägermaterial für ECOLOGICS-Teppichböden wird zudem aus zu 100 Prozent recyceltem PET-Kunststoff produziert, gewonnen aus PET-Flaschen.
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Leisetreter: Teppichböden von TOUCAN-T mit dem Akustikvlies T-SONIC sorgen für eine exzellente Raumakustik.

Die Design-Teppichböden von TOUCAN-T mit Akustikvlies T-SONIC Teppiche wurde speziell für den Einsatz in Großraumbüros entwickelt und verbessern die Raumakustik entscheidend. Besonders wirkungsvoll ist es im Frequenzbereich der menschlichen Stimme, denn schließlich sind Gespräche unter Kollegen und Telefonate gerade hier zentrale Geräuschquellen. Gegenüber herkömmlichen Teppichböden wird die Schallabsorption dank T-SONIC um 50 Prozent verbessert.
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"Aeras" Objekt-Teppichboden von TOUCAN-T

Admonter statuierte die Probe aufs Exempel: Trotz der zahlreichen Besucher, die sich auf dem Messestand von Admonter tummelten, sah der Parkettboden des neu lancierten Eichenparketts „Antico Chiaro“ auch nach Tagen noch taufrisch aus. Durch verschiedenste Veredelungsschritte wie starkes Strukturieren oder Brechen der Kanten werden die Dielen der Kollektion kunstvoll auf alt getrimmt. Dadurch harmoniert „Antico“ hervorragend mit altehrwürdigen Umgebungen – inmitten moderner Architektur wiederum setzt diese Linie außergewöhnliche und reizvolle Kontraste. „Antico“ Naturböden bestehen aus einem dreischichtigen Wertholzaufbau und werden in Österreich hergestellt.
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„Antico“ Naturböden harmonieren mit moderner und klassicher Architektur

Die aktuelle Kollektion „Artisan“ von Bolon wird aus einem neuen, eigens entwickelten Garn mit changierender Optik gefertigt, das diesem Bodenbelag einen sehr textilen Ausdruck und viel Lebendigkeit verleiht. Die Farbskala reicht von gebranntem Ton über intensives Ultramarinblau bis hin zu rußigem, rotem Wachs. Außerdem enthält die Kollektion zwei expressive, gestreifte Varianten. Speziell für große Flächen mit hohem Publikumsverkehr entwickelt, ist Artisan standardmäßig als Rollen- und Plattenware erhältlich, dank Bolon StudioTM können jedoch auch spezifische Musterkombinationen angeboten werden.
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Die aktuelle Kollektion „Artisan“ von Bolon wird aus einem neuen, eigens entwickelten Garn mit changierender Optik gefertigt

Das Know-How der Firma Bolon illustriert ein im Film festgehaltenes Kunst-Projekt: Das Foto einer tanzenden Ballerina wurde in einzelnen Farbfelder abstrahiert, welche die acht verschiedenen Produkte der neuen Bolon-Kollektion repräsentieren. Anschließend wurde das Bild zu einem gigantischen Puzzle von ca. 300 Teilen vergrößert und auf der neuen Schneidemaschine zugeschnitten. Mit Hilfe von sechs Teppichlegern wuchs der Bodenbelag schließlich in einer verlassenen Industriehalle zu einem 20 x 16 Meter großen Mosaikkunstwerk heran
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20 x 16 Meter großen Mosaikkunstwerk aus dem neuen Produkt "Artisan" von Bolon

Auf neues wie auch bewährtes setzte VitrA Bad: Die Fliesenserie Arkitekt Color ist ein beliebtes und erfolgreiches Produkt des Herstellers und wurde jetzt neu überarbeitet.
Insgesamt stehen zwölf Formate zwischen 2,5 cm x 2,5 cm und 60 cm x 60 cm zur Auswahl, welche in 26 Farben erhältlich sind und einige Formate sogar in 55 Farbnuancen. Kombinatorisch betrachtet, ergeben sich daraus sehr viele Möglichkeiten, kreativ betrachtet: Unendlich viele.
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Serie "Mekan" von Defne Koz für VitrA Bad

Ausserdem präsentierte VitrA Bad auf der BAU eine eindrückliche Fliesenkollektion der Designerin Defne Koz. Mit fünfeckigen Fliesenformen in dunkelblauen und türkisfarbenen Tönen ehrt die Serie die klassischen osmanischen Iznik-Fliesen.Gedruckte Schatten verstärken die visuelle Tiefe und stilistische Konturen bieten eine moderne Interpretation des traditionellen Iznik-Stils. Defne Koz hat hier mit subtil übertragenen traditionellen Elementen eine hochmoderne und künstlerisch wertvolle Arbeit geleistet.
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VitrA Bad: Die neue Kollektion wurde von den klassischen osmanischen Iznik-Fliesen inspiriert

Beeindruckend war die thematische Stringenz und die Versatilität der von HEWI präsentierten Produkte: „Design für alle“ ist bei HEWI nicht nur eine Phrase, sondern wird konsequent und formvollendet umgesetzt. Ohne auf gute Gestaltung zu verzichten, gelingt es HEWI, Sanitärmöbel anzubieten, die nicht nur behindertengerecht sind, sondern auch generationenübergreifend. Der Hersteller beweist, dass die gestalterische Stigmatisierung von barrierefreien Sanitär-Möbeln völlig überflüssig ist. Deren erweiterte Funktionalität, wie zum Beispiel klappbare Spiegel oder integrierte Haltegriffe, die auch Handtuchhalter sein können, sind für Kinder, Betagte, und Menschen mit körperlichem Handicap genau gleich nützlich und schön. Aufgrund dessen stellt generationenübergreifendes und barrierefreies Design auch einen Beitrag an die Nachhaltigkeit, denn die Möblierung muss bei veränderten Bedürfnissen nicht ausgetauscht werden.
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System 800 von HEWI: Erweiterte Funktionalitäten, wie integrierte Haltegriffe, die auch Handtuchhalter sein können, sind für Kinder, Betagte, und Menschen mit körperlichem Handicap genau gleich nützlich und schön

Doch HEWI schafft nicht nur den Spagat über die Generationen sondern auch über den Objekt-und Privatbereich: Mehrfach ausgezeichnet wurde das Sanitärsystem 800 K, das durch eine farbenfrohe Materialvariante erweitert wurde. 800 K eignet sich für das Privatbad ebenso wie Kindergärten, oder institutionelle Pflegeeinrichtungen wie beispielsweise Altenheime und Krankenhäuser. Aufgrund der Modularität der Produkte ist eine individuelle Ausstattung des Sanitärraumes möglich.
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Mehrfach ausgezeichnet: Das Sanitärsystem 800 K eignet sich für das Privatbad ebenso wie Kindergärten oder institutionelle Pflegeeinrichtungen

DORMA ging besonders auf die Themen Sicherheit und Umweltverträglichkeit ein. Die Produktneuheiten reagierten unter anderem auf die hohen Anforderungen der Energieeinsparverordnung EnEV und des Energiemanagementsystems nach
DIN EN 16001, sowie auf die Umwelt-Produktdeklaration (EPD) nach DIN ISO 14025. So beispielsweise die automatische Schiebetür ST FLEX Green. Bei dieser Türanlage kommt das sehr schmale Profilsystem DORMA FLEX in einer thermisch getrennten Ausführung zum Einsatz. Das Profil ermöglicht durch seinen speziellen Aufbau eine besonders schlanke Profilansicht und bietet eine hohe Isolierung zwischen dem Innen- und dem Außenbereich. Die Automatiktür-Anlage verfügt über eine maximale Breite von 6.250 mm und eine maximale Höhe von 3.300 mm.

Für den Innenbereich stellte DORMA neben vielen anderen Neuheiten das Schiebetürsystem „AGILE 150 DORMOTION“ vor. Es bietet eine wirkungsvolle Dämpfung an Schiebetüren und verhindert damit ein unkontrolliertes „Zufliegen“. Das System kann an Glas- und Holztüren montiert werden, auch integriert in Ganzglasanlagen. Dezent sind in der Laufschiene alle wichtigen Funktionselemente wie der Klemmlaufwagen und der Federdämpfer-Mechanismus, der die Tür in die jeweilige Endposition führt, verborgen.
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Das Schiebetürsystem AGILE 150 DORMOTION ist für die Anbringung an Glas sowie für eine Wand-, Decken- bzw. Sturzmontage konzipiert; Foto: DORMA

Abgesehen von konstruktiven Lösungen präsentierte Dorma auch hochinnovative elektronische Tür-Steuerungssysteme, wie z.B. Türassistenten mit Hinderniserkennung, oder programmierbaren Schliessmechanismen, die Pendeltüren immer wieder genau in die gewünschte Geschlossen-Position zurückbringen.
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Die Automatiktür "ST FLEX Green" stellt DORMA einen aktiven Beitrag zum nachhaltigen Bauen

Live auf dem WÖHR Messestand war der neue „Combiparker 555“ mit der innovativen Kamm-Technologie zu sehen, die kostengünstig ohne geschlossene Paletten auskommt. Auf bis zu acht Ebenen übereinander und bis zu fünf Rastern nebeneinander benötigt dieses Parksystem nur einen Leerplatz pro Ebene und schafft bis zu 31 Parkplätze.
Insgesamt präsentiert Wöhr vier neue Parksystem-Produkte, die unter dem Motto „Green Parking“ standen, denn flächenschonendes und platzsparendes Parken verringert die Versiegelungsfläche, spart Material und schont damit die Umwelt.
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Live auf dem WÖHR Messestand war der neue „Combiparker 555“ mit der innovativen Kamm-Technologie zu sehen

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Detail des Combiparker 555

„Ökoskin“ ist die Neuigkeit der Firma Rieder aus ihrem bewährten Glasfaserbeton „fibreC“.
Die 13 mm dünnen Betonpaneele im Format 1800 x 147 mm sind in zehn verschiedenen Standardfarben erhältlich. Die Paneele, die mit UV- beständigen Farbpigmenten eingefärbt sind, haben eine getestete Langzeitbeständigkeit von 50 Jahren. Sie können auf der Baustelle direkt zugeschnitten werden und die Befestigung mit farblich passenden Schrauben oder Nieten ist ebenso möglich wie eine verdeckte Variante.
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„Ökoskin“ ist die Neuigkeit der Firma Rieder aus ihrem bewährten Glasfaserbeton „fibreC“.

Die Industriemanufaktur Hasenkopf illustrierte ihre Kompetenz für hochmoderne Verarbeitungstechniken für dreidimensionale Objektformen.
Als einer der in Europa führenden Corian®-Verarbeiter nimmt Hasenkopf eine Vorreiterrolle an der Schnittstelle zwischen Design, Handwerk und Industrie ein. Hasenkopf ist zudem bekannt als Zulieferspezialist für ganzheitliche Lösungen im Bereich Holz und hochwertiger Mineral- und Acrylwerkstoffe. Mit seiner herausragenden Kompetenz in der mechanischen und thermischen Verarbeitung dieser Materialien hat sich das Unternehmen als kompetenter Partner von Handwerksbetrieben und international bekannter Marken, Architekten und Designer einen Namen gemacht.
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Ausstellung des CERN (European Organization for Nuclear Research) Besucherzentrums in Genf

Unter anderem realisierte Hasenkopf die Ausstellung des CERN (European Organization for Nuclear Research) Besucherzentrums in Genf.
Am Messestand in München wurden interessante Materialproben und die »Hydra_XXL« gezeigt, ein ausgefallenes, multifunktionales Badmöbelstück, das wieder einmal die Spezialisierung für komplexe Formen von Hasenkopf aufzeigt.
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»Hydra_XXL«, ein multifunktionales Badmöbel realisiert von Hasenkopf; Designer: Stuart A. Veech, Veech Media Architecture

Nach dieser ersten Zusammenfassung unserer Eindrücke möchten wir Sie auf auch auf unsere Berichte über die zeitgleich in Köln stattfindende imm Möbelmesse hinweisen. Darüber hinaus folgen in Kürze weitere Neuheiten und Entdeckungen der BAU in unserem zweiten Teil des Messrückblicks BAU München 2011.

Bolons "Making of Video" des Teppich Mosaiks

Artikel und Berichte zur parallel stattfindenden imm 2011 in Köln:
When We Were Young: [D3] Design Contest at IMM Cologne When We Were Young: [D3] Design Contest at IMM Cologne

The Bearable Lightness of Being: Architonic meets Tokujin Yoshioka at IMM Cologne The Bearable Lightness of Being: Architonic meets Tokujin Yoshioka at IMM Cologne

Links zu Herstellern & Produkten
ACO auf architonic ACO auf architonic

Admonter auf Architonic Admonter auf Architonic

Bolon auf Architonic Bolon auf Architonic

Dorma auf Architonic Dorma auf Architonic

Industriemanufaktur Hasenkopf Industriemanufaktur Hasenkopf

HEWI on Architonic HEWI on Architonic

TOUCAN-T carpet manufacture TOUCAN-T carpet manufacture

VitrA Bad auf Architonic VitrA Bad auf Architonic

Vorwerk Teppiche Vorwerk Teppiche

Wöhr auf Architonic Wöhr auf Architonic