Susanne Fritz

Autor

Susanne Fritz
Zürich   Schweiz

Messe-Rückblick: Architonics "Best of Cersaie 2010"


Die Cersaie 2010 - eine der grössten Fliesen- und Bad-Messen der Welt - findet jährlich in Bologna im Norden Italiens statt. Dies ist sicherlich kein Zufall. Während in Deutschland im 18. Jahrhundert das Fliesenleger-Handwerk noch kaum verbreitet war, gab es in Italien eine lange Tradition, da glasierte und bemalte Fliessen in vielen Kirchen z.B. zur Illustration von Bibelszenen verwendet wurden, aber auch als Bodenbelag oder Wandverkleidung eingesetzt wurden. Und noch heute gibt es in Italien viele Keramik- und Fliesenhersteller, die auf dieser Tradition aufbauen.
Wie bereits im Vorfeld der Cersaie angekündigt, präsentiert Ihnen Architonic nun die besten Neuheiten, die wir für Sie auf dieser beeindruckenden Messe recherchiert haben.
 

Messe-Rückblick: Architonics "Best of Cersaie 2010"
Fliesen aus der neuen Kollektion "Wire" von Tagina

Auf einem traditionsreichen Handwerksbetrieb gründet auch die Firma Tagina: Sie knüpft an das wertvolle Erbe der geschichtsträchtigen Manufakturschule von Gualdo Tadino an.
Heute betreibt Tagina ein firmeneigenes Forschungslabor, das aus einem Team von Technikern, Designern, Chemikern und Malern besteht und ständig an der Entwicklung, der Forschung und an Experimenten zu neuen Keramikideen arbeitet.
Messe-Rückblick: Architonics "Best of Cersaie 2010"
Die Textur erinnert an einen geknüpften Teppich: Detail einer Fliese aus der Kollektion "Wire" von Tagina

Gemeinsam mit Simone Micheli wurden die beiden Kollektionen WIRE IN und WIRE OUT entworfen, die sich, wie der Name vermuten lässt, durch ihre Anwendbarkeit im Innen- oder Aussenbereich unterscheiden. Die traditionelle Technik des Gipsabgusses wurde transformiert und weiterentwickelt und es entstanden Fliesen, die sehr vielfältige Einsatzmöglichkeiten haben. Vom privaten Bereich über Objekt-, Spa- und Gartenanwendungen passt sich WIRE dank den verschiedenen Formaten und Oberflächentexturen an die verschiedensten Umgebungen an.
Messe-Rückblick: Architonics "Best of Cersaie 2010"
"Folded" ist das Resultat einer Kollaboration von Mutina mit dem Londoner Design-Studio Raw Edges

Mutina präsentierte einen gemeinsam mit dem Londoner Design-Duo Raw Edges entwickelten Entwurf. Die Oberfläche der Fliese wurde mittels eines gefalteten Papiers entwickelt, bei dessen Auseinanderfaltung ein geometrisches Muster entstand, das an arabische Fliessendekors erinnert. Es gelang eine interessante Verschmelzung asiatischer Faltkunst mit morgenländischen Ornamenten, die sehr subtil abgebildet wurde. Der besondere Reiz der Fliese: Flüchtig erkennt man nur ein zufällig geknitterte Textur und dann erst erschliesst sich dem Auge auf den zweiten Blick die Geometrie der Linien.
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Detail der Fliese "Folded", das Resultat einer Kollaboration von Mutina mit dem Londoner Design-Studio Raw Edges

Viel konkretere Motive präsentierte die Firma Sicis auf ihrem Stand: Auf die Skyline New Yorks kann man aus atemberaubenden Vogelperspektiven aus dem Badezimmer blicken. Realisiert wurde dies mit einem digitalen Mosaik: Bilder werden in der entsprechenden Auflösung gepixelt und jeder Mosaikstein stellt ein Pixel dar.
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Digitales Mosaik: "Skyline" von Sicis

Wie lackiert sieht das Mosaik „3D“ von Dune aus: Durch den Supergloss-Effekt und die leuchtend rote Farbe wirkt es sehr sexy – ein schönes Attribut für das Badezimmer als Tempel der Schönheit.
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Super-glossy: Mosaik "Red Pad" von Dune

Das zu Ceramica di Treviso gehörende Brand „Trevisoprogetto“ setzt auf ein natürlicheres Image: Die Firma produziert Mosaike, die aus natürlichem Lehm bestehen. Nachdem der Lehm geschnitten und geformt wurde, wird er bis zu 15 Tagen an der Luft getrocknet um dann gebrannt zu werden. Dies unterstreicht den natürlichen Charakter des Lehms. Die einzelnen, unregelmässig geformten Mosaiksteine werden dann wie ein Puzzle von Hand auf einem Netz arrangiert und montiert, um ein effizientes Verlegen zu ermöglichen.
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Mosaiksteine aus dem natürlichen Baustoff Lehm: "Kaleido" von Ceramica di Treviso

Mosaico+ (sprich „Mosaico piu“) liess schon mit Kollektionen wie „èmetallo“ und „dialoghi“ die üblichen Mosaike hinter sich und zeigt, dass die kleinen Steine wirklich „piu“, das heisst mehr, als ein variables Puzzle sind: Mit neuen Formen und Oberflächen wird eine Art Material-Mimikry betrieben, die den Betrachter zweifeln lassen, um was es sich handelt – Keramik? Metall? Glas? Sicher ist: Mosaico+ besitzt ein faszinierendes Portfolio an Produkten und lässt als eine der letzten wenigen Firmen noch ausschliesslich in Italien produzieren.
Messe-Rückblick: Architonics "Best of Cersaie 2010"
Material-Mimikry: Mosaico+ präsentiert ein Mosaik, das wie ein Metallgewebe wirkt

Auch INAX spielt mit visuellen Ähnlichkeiten zu anderen Materialien: „Mogul“ erinnert an einen geknüpften Teppich und „Crochet“ ist ein optisches Zitat gewobener Stoffe. Dennoch lässt Inax keinen Zweifel offen: Die Fugen der Fliesen verweisen darauf, dass die Oberfläche kein kontinuierliches Gewebe ist.
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„Mogul“ von Inax erinnert an einen geknüpften Teppich

Fap Ceramiche besinnt sich auf die weisse Fliese, die durch Glasur und Texture auf unzählige Arten neu erfinden kann. Die Kollektion „Visionary“ überzeugt durch vielfältige Kombinationsmöglichkeiten – als Basis dienen schlichte Fliesen, die durch Dekore ergänzt werden. Tratto Azzurro wirkt wie eine gestreifte Tapete, die starken Längsstreifen lassen die Fugen optisch zurücktreten. Dadurch wird einen Material-Wechsel suggeriert, obwohl die gesamte Wandverkleidung aus Keramik besteht – ein raffiniertes Detail.
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Das Dekor "Tratto Azzurro" der Kollektion "Visionary" wirkt wie eine gestreifte Tapete; Dadurch wird einen Material-Wechsel suggeriert, obwohl die gesamte Wandverkleidung aus Keramik besteht

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Das Dekor "Tratto Azzurro" der Kollektion "Visionary" von Fap Ceramiche wirkt wie eine gestreifte Tapete, die starken Längsstreifen lassen die Fugen optisch zurücktreten.

Bei Nextep hingegen ist es keine Keramik-Fliese, welche die Oberfläche eines anderen Materials imitiert, sondern sie besteht wirklich aus Leder. Eine besondere Imprägnierung verleiht dem natürlichen Material Schutz vor Flecken und Abnutzung. Die untere Schicht der Lederfliese besteht aus Steinzeug - um ihr Stabilität und Formbeständigkeit zu verleihen - oder aus PVC, womit die Verlegung auch auf einem bestehenden Bodenbelag möglich wird.
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Lederfliese "Elegance" von Nextep: Eine besondere Imprägnierung verleiht dem natürlichen Material Schutz vor Flecken und Abnutzung.

Cotto Mediterraneo präsentierte mit „Plous“ eine Verschmelzung aus Mosaik und einer grossformatigeren Fliese: Kleine Steinchen wurden in eine grössere Platte eingelassen. Im Verband lassen sich mit dem raffinierten Dekor immer neue Musterkombinationen schaffen.
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„Plous“ von Cottomediterraneo: eine Verschmelzung aus Mosaik und einer grossformatigeren Fliese

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Detail von "Plous": Kleine Steinchen wurden in eine grössere Platte eingelassen

Kalebodur verfolgte einen sehr grafischen Ansatz, der an die Bilder Vasarelys erinnert. Wie bereits in der Preview zur Cersaie erwähnt, versteht sich die Firma auf plastische Oberflächen aus Keramik, zeigt jedoch hier, wie auch mit einer ebenen, glatten Fliese allein durch Geometrie und Farbabstufungen Räumlichkeit erzeugt werden kann.
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Am Stand von Kalebodur: Grafische Fliesen mit dreidimensionalen Effekten erinnern im Verband an die Bilder Vasarelys

Das italienische Unternehmen Florim steht für mehrere Marken, die auf verschiedene Anwendungen im Keramikbereich spezialisiert sind. Die zu Florim gehörenden Brands „Casa Dolce Casa“ und „Casamood“ sind auf hochwertige Wand- und Bodenfliesen für den Privatbereich spezialisiert und auf die Kombination von Feinsteinzeug mit anderen Materialien. Die ebenfalls zu Florim gehörende Marke „Flor Gres“ hingegen deckt einen ganz anderen Bereich ab: Sie bietet Produkte aus Feinsteinzeug an, die auf die Anforderungen von Grossprojekten wie Krankenhäusern, Flughäfen und andere Objektanwendungen abgestimmt sind. Als Neuheit präsentierte Casa Dolce Casa „Velvet“, ein grossformatige Fliese in fünf dezenten Farbtönen, die von der Optik venezianischen Marmors inspiriert wurden.
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Florim präsentiert „Velvet“, ein grossformatige Fliese in fünf dezenten Farbtönen, die von der Optik venezianischen Marmors inspiriert wurden

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Installation am Stand von Florim an der Cersaie

Auch Eiffelgres, Produzent von technischem Feinsteinzeug, setzte auf vornehm-zurückhaltende Ästhetik: Die Kollektion „Pietra d’Origine”, vom Architekten Mauro Bellei entworfen, weist eine feine Körnung auf und besitzt einen besonders natürlichen Charakter. Die Kollektion besteht aus verschiedenen Formaten und Formen und wird in vier Farbtöne und drei Oberflächengestaltungen angeboten: Natur, glänzend und rau.
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Vornehm-zurückhaltende Ästhetik: Die Kollektion „Pietra d’Origine”, vom Architekten Mauro Bellei für Eiffelgres entworfen

LAND Porcelanico präsentierte mit „AzulCascais Slimm4“ eine besonders dünne Fliese mit nur 4 mm Dicke. So lassen sich hoch ästhetische Wandverkleidung erzeugen, mit allen Vorteilen einer Keramikoberfläche: Resistenz gegen Chemikalien und Verschmutzungen, sowie leichte Reinigung.
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Interessante Gestaltung am Stand von Land: Geflecht mit der superdünnen Fliese „AzulCascais Slimm4“ im Hintergrund

Auf die traditionellen, typisch mediterranen Terrazzo-Fliesen ist die Firma Mipa spezialisiert. Gemeinsam mit der Architektin Laura Renna entwickelte Mipa mit derselben Terrazzo-Technik eine moderne Fliese in neuer grafischer Sprache und grösserem Format: „Spider Track” ist in den grosszügigen Massen 60 x 60 cm und drei Farbtönen erhältlich. Auf der Grundlage von vorgegebenen Geometrien bzw. Schablonen bietet Mipa auch massgeschneiderte Fliesendekore an.
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„Spider Track”: Gemeinsam mit der Architektin Laura Renna entwickelte Mipa eine moderne Fliese in neuer grafischer Sprache, jedoch in traditioneller Terrazzo-Technik hergestellt

Valtile spielt ebenfalls mit Intarsien. Natursteine können mit einer Matrix von Einlagen (Leder, Glas, Holz, Metall) kombiniert werden, es sind also die unterschiedlichsten Material-Kompositionen möglich.
Messe-Rückblick: Architonics "Best of Cersaie 2010"
Material-Fusion: "Brancusi's Dream" von Valtile

Messe-Rückblick: Architonics "Best of Cersaie 2010"
Material-Fusion: "Brancusi's Dream" von Valtile

Originepietra hat sich auf Relief-Wände aus Kunststein spezialisiert. Abgesehen von stilvollen Nachbildungen von Natursteinmauern bedient die Firma auch futuristischer veranlagte Kunden:
Mit M+A+Pdesignstudio entwickelte sie die hoch architektonische Kollektion „Contemporary Mood”, die durch Modul-Betonwände im Stil Erwin Hauers inspiriert scheint.
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„Contemporary Mood” von Originepietra scheint durch Erwin Hauer inspiriert

Die Cersaie ist jedoch nicht nur eine Fliesenmesse: Da nahezu alle der grossen Badhersteller vertreten sind, wird das gesamte Spektrum der Badezimmer-Einrichtung abgedeckt.

Dornbrachts neues Konzept IMO steht kurz für: In My Opinion. Die neue Armaturen- Kollektion wurde in Design und Form so angepasst, dass sie sich den unterschiedlichsten und auch wandelnden Stilen der Nutzer anpasst. Wie zum Beispiel in einer Familie, in der sich Menschen verschiedener Generationen und daher auch divergierendem ästhetischen Empfinden das Bad teilen.
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Dornbrachts neues Armaturen-Konzept "IMO" steht kurz für: In My Opinion.

Laufen setzt hingegen auf das Bad „aus einem Guss“. Abgesehen von den aufeinander abgestimmten Gesamtkonzept der Badmöblierung präsentierte das schweizer Unternehmen eine Innovation:
Die neuen Unterbaumöbel wurden mit dem Siphon kombiniert, der Siphon-Ausschnitte in den Schubladen überflüssig macht – in der Praxis bedeutet das schlichtweg einen Gewinn von Stauraum für den Benutzer.
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Badezimmer-Kollektion "Palomba" von Laufen

Tubes hat sich auf Heizkörper für Energiespar-Häuser spezialisiert. Das Modell Soho eignet sich besonders für den Einsatz in dieser neuen Typologie von Wohnhaus, in der schneller Wärmeaustausch, Betrieb bei niedriger Temperatur und hohe Wärmeeffizienz garantiert werden müssen und verbindet Ästhetik, Design und Technik.
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Der Heizkörper "Soho" von Tubes eignet sich besonders für den Einsatz in Energiespar-Häusern

Nach diesem Überblick unserer wichtigsten Eindrücke in Bologna stellen wir Ihnen Neuigkeiten der Marmomacc, der „Internationalen Ausstellung von Natursteindesign und Technologie“, die Anfang Oktober in Verona statt fand, in Kürze in einem weiteren Artikel vor!

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Dornbracht auf Architonic Dornbracht auf Architonic

Fap Ceramiche auf Architonic Fap Ceramiche auf Architonic