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Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus


Kreatives Lichtdesign von Architekten und Innenarchitekten gepaart mit raffinierter Lichttechnologie verändern die Art und Weise, wie wir Licht u. a. in Arbeitsstätten und Bürogebäuden wahrnehmen und verwenden. Es herrscht Morgendämmerung. (Text: Alex Bradley)
 

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus
Das Studio AIM Architecture aus Shanghai hat das Büro für Soho China, den Projektentwicklern hinter Zaha Hadids Galaxy Soho, entworfen, in dessen Eingangsbereich reflektierende Lichtstreifen die Illusion eines endlosen Rasters vermitteln

An diesem einen Samstagmorgen steht die Sonne gerade in einem für diese Jahreszeit typischen Winkel, wirft lange Schatten die Straße hinunter und hebt die Formen und Details der Häuser wunderschön hervor. Leider sind die meisten von uns montags bis freitags schon in der Dämmerung auf dem Weg zur Arbeit, tagsüber in den Büros eingeschlossen und erst abends wieder auf dem Heimweg, so dass wir fast komplett das Lichtschauspiel der Natur verpassen.

Sonnenlicht reguliert viele unserer biologischen Funktionen wie Stimmung, Schlaf und Energiehaushalt. Da Licht so wichtig ist für unser Wohlbefinden, ist es auch ein wichtiges Element für jeden Innenraum. Wir können den Römern danken, dass sie begannen, ihre fensterförmigen Öffnungen mit Glas zu versehen, und so die ersten wettergeschützten und dennoch sonnenbelichteten Räume schafften. Ziemlich fortschrittlich im Vergleich zu den vorher benutzten Tierhäuten.

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus
Das türkische Büro Alatas Architecture & Consulting hat in Istanbul durch den innovativen Einsatz von Glas ein dunkles, enges Haus aus dem 19. Jahrhundert in ein helles und luftiges Büro umgebaut

Zum Glück hören Designer nicht auf, die Entwicklung mit Respekt vor der Vergangenheit voranzutreiben. In Istanbul, Türkei, verwandelte Alatas Architecture & Consulting ein dunkles, enges Haus aus dem 19. Jahrhundert in ein helles und luftiges Bürogebäude. Doch um die Originalfassade mit ihren kleinen Fenstern, die zentrale Bereiche im Inneren des Gebäudes völlig im Dunkeln ließen, zu erhalten, wurde eine zweite gläserne Haut geschaffen. So können die historischen Holztüren offenstehen und der vordere Bereich des Gebäudes natürlich belichtet werden. Viele weitere Umbauten, u. a. geschosshohe Fenster und eine Erweiterung mit Glasdach, lassen noch mehr Tageslicht in die Räume gelangen. Dieses wird durch Lichtakzente im gesamten Gebäude, die über die Deckenverkleidungen verteilt werden, ergänzt. Reflektierende weiße Wände und Spiegel verstärken die Lichtwirkung und geben den dort Arbeitenden das Gefühl eines größeren Raumes. Mit diesem achtsamen Umgang bei der Restaurierung gewann das Gebäude 2013 einen Inside Award in der Kategorie „Creative Re-use“.

zur Website von Alatas Architecture & Consulting zur Website von Alatas Architecture & Consulting

zur Website von Inside World Festival of Interiors zur Website von Inside World Festival of Interiors

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus

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Das japanische Büro mA-style Architects flutet die Innenräume des „Light Walls House“ mit Tageslicht, das durch Oberlichtbänder entlang einer Reihe von freiliegenden Deckenbalken einfällt

Platzmangel kann insbesondere in Städten dem Einsatz traditioneller Fenster im Wege stehen. Ein aktuelles Projekt von mA-style Architects in einer schattigen Baulücke in Aichi, Japan, beinhaltet auch ein Home Office. Tageslicht wird hier durch Oberlichtbänder entlang einer Reihe von freiliegenden Deckenbalken aus Holz im Raum verteilt. So kann das Tageslicht den Raum durchfluten und gleichzeitig ein wunderschönes Licht- und Schattenspiel schaffen.
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Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus
Bei dem „Daylight Entrance“ zu einem Bürogebäude in Stockholm schaffte Daniel Rybakken, Gewinner des Swarovski Emerging Talent Award von 2013, die Illusion von Tageslicht durch die Kombination von Mineralwerkstoffplatten und Tausenden LEDs

Natürliche Effekte
Was können wir tun, wenn es keine Möglichkeit für eine Versorgung unserer Büros mit Tageslicht gibt? Daniel Rybakken, Gewinner des Swarovski Emerging Talent Award des Jahres 2013, erforscht die Möglichkeiten, mit natürlichem als auch künstlichem Licht „das Sonnenlicht und seine Wirkung auf unser Unterbewusstsein zu imitieren“. So erhielt er den Auftrag, einen dunklen, schäbigen Eingang eines Bürogebäudes in Stockholm umzugestalten. Daniels Lösung war es, Mineralwerkstoffplatten (z. B. Corian oder Staron) rückseitig tief auszufräsen, mit LEDs zu hinterleuchten und so den positiven Eindruck einer sonnenbeschienenen Wandfläche zu vermitteln.
zur Website von Daniel Rybakken zur Website von Daniel Rybakken

Das Light Fusion Lab des deutschen Fraunhofer IAO ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat Prototypen eines LED-Deckenpaneels entwickelt, die Lichtverhältnisse von vorbeiziehenden Wolken imitieren, so dass die Arbeitenden den Eindruck bekommen, im Freien zu sitzen. Die Forscher – die ohne Frage zu viel Zeit drinnen verbracht haben – haben eine Kombination aus roten, blauen, grünen und weißen LEDs gewählt, um das volle Lichtspektrum abdecken zu können. Diese Kombination ermöglicht mehr als 16 Millionen Farbtöne und somit die Simulation von Lichtveränderungen, die mit bloßem Auge nicht vom Natürlichen zu unterscheiden ist.
zur Website des Light Fusion Lab zur Website des Light Fusion Lab

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus
Das Light Fusion Lab des deutschen Fraunhofer IAO hat ein leuchtendes LED-Deckenpaneel entwickelt, das Lichtverhältnisse von vorbeiziehenden Wolken imitiert und so den Eindruck vermittelt, im Freien zu sitzen

Dynamische Verkleidung
Die Hauptaufgabe von Licht in Büros ist ohne Zweifel die Beleuchtung. Doch kann Licht auch dabei helfen, eine Umgebung zu beleben und ein besonderes Erlebnis zu schaffen. Wie wir wissen, sind glückliche Arbeiter produktivere Arbeiter.

Ein erlebnisreicher Büroeingangsbereich von AIM Architecture für Soho China, den Projektentwicklern hinter Zaha Hadids Galaxy Soho, ist mit weißen, gläsernen Wänden versehen, in denen Lichtstreifen reflektiert werden und so die Illusion eines endlosen Rasters vermitteln – vielleicht könnte dieses Club-ähnliche Ambiente an einem Montagmorgen für manch einen allerdings etwas zu viel sein…
zur Website von AIM Architecture zur Website von AIM Architecture

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus
In der Kantine des Breitner Tower, Firmensitz von Philips in Amsterdam, bieten dynamische Paneele an der Wand dem Personal durch ein wechselndes Farbspiel eine entspannende und inspirierende Atmosphäre

Ein etwas ruhigeres Beispiel einer solchen Verkleidung ist in der Kantine von Philips HQ in Amsterdam zu finden. Hier wechselt die Farbigkeit und das „Muster“, um dem Personal eine entspannende und inspirierende Atmosphäre zu bieten. Ein mehr künstlerisches Beispiel dynamischer Wände ist die „Lightweeds“-Installation von Simon Heijdens. Mit Projektionstechnologie lässt er digitale Organismen an den Wänden „wachsen“. Jede der digitalen Pflanzen reagiert direkt auf die echten Einflussfaktoren wie Sonnenschein, Regen und Wind, die außerhalb des Gebäudes in Echtzeit gemessen werden.
zur Website von Simon Heijdens „Lightweeds“-Projekt zur Website von Simon Heijdens „Lightweeds“-Projekt

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus
Die „Lightweeds“-Installation von Simon Heijdens reagiert direkt auf tatsächliche Einflussfaktoren wie Sonnenschein, Regen und Wind, die außerhalb des Gebäudes in Echtzeit gemessen werden

Raumprojektion
Natürlich ist Technologie ein Schlüsselfaktor für neue innenarchitektonische Innovationen, und gleich mit Beginn des Jahres 2014 fand die jährliche Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas statt: eine Messe, die uns einen kleinen Einblick in neue Technologien und zukunftsweisende Konzepte bietet. Da machte auch dieser Januar keine Ausnahme. Mit dem Life Space UX-Projekt verkündete Kaz Hirai, Geschäftsführer von Sony, seine ambitionierte Vision, „traditionelle Grenzen zu durchbrechen“ und Interaktion und Darstellung von Inhalten bildschirmunabhängig durch Projektion auf Raumoberflächen zu übertragen.

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus
Sony hat mit „Life Space UX“ ein Projekt vorgestellt, dessen erstes Gerät, der Ultra Short Throw-Projektor, in ein Möbelstück integriert eine normale Wand zu einem Bildschirm werden lässt Konferenzräume, Achtung!

Mit fortschreitender Projektionstechnologie werden die Designer in der Lage sein, unsere Büroräume und -utensilien noch erlebnisreicher zu gestalten. Das „Future Vision“-Konzept von Microsoft demonstriert, wie Projektionstechnologie mehr bildschirmunabhängiges Arbeiten ohne Touchscreens und Tastatur ermöglicht. Ein Film zu diesem Thema zeigt, wie Tastaturen und Tablets sich mit Projektionstechnologie verbinden lassen und Möbel- oder Raumoberflächen zu einem Teil der Benutzeroberfläche werden könnten. Solche bildschirmunabhängigen Entwicklungen könnten die Arbeit weiter erleichtern, weniger monoton gestalten und somit vielleicht auch das Auftreten von RSI-Syndromen verringern.
zum Film „Future Vision“ von Microsoft zum Film „Future Vision“ von Microsoft

Lichtdesign – Licht als Baumaterial im Objektbereich und darüber hinaus
„Future Vision“ von Microsoft bietet uns Einblick in kommende Projektionstechnologie, die in Hand- und Desktop-Geräte integriert werden kann

Zurück zur Gegenwart: Es ist Januar und die Tageslichtstunden nehmen allmählich wieder zu. Das schöne Erlebnis von Sonnenlicht zur Feierabendzeit wartet auf uns. Und da die Entwicklung neuer Technologien ständig fortschreitet und auch unsere Wertschätzung des Lichts gestiegen ist, scheinen neue tolle Lichtkonzepte für unsere Büroräume ebenfalls auf uns zu warten.

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