Simon Keane-Cowell

Autor

Simon Keane-Cowell
Zürich   Schweiz

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I


Wir leben in eher düsteren Zeiten. Nichtsdestotrotz war die diesjährige Euroluce – die alle zwei Jahre stattfindende Beleuchtungsausstellung am Salone del Mobile in Mailand – von viel Zuversicht geprägt. Die Ausstellung leuchtete heller als eine herkömmliche 100-Watt-Glühbirne.
 

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Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Daniel Beckers modulares Lichtsystem „Sparks“ für Quasar mit seinen zwei- und dreizackigen LED-Leuchtelementen ist unbegrenzt konfigurierbar und erzeugt beeindruckende räumliche Effekte

Beleuchtungsdesign ist von Gegensätzen bestimmt.

Es befasst sich mit der Gestaltung von Objekten, deren primäre Funktion darin besteht, etwas Immaterielles und Substanzloses zu produzieren: Licht. Unsere alltägliche Umgebung wird dadurch lesbarer gemacht. Kunstlicht ermöglicht es uns, mehr zu sehen – genauer gesagt mehr Objekte zu sehen. Die Leuchte, so könnte man argumentieren, ist der fundamentalste aller Objekttypen innerhalb der gestalteten materiellen Welt: Sie verbessert unser sinnliches Wahrnehmungsvermögen und hilft uns, die Dinge um uns herum genauer erkennen zu können.

Stark beansprucht wurden die Sinne neulich während der 27. Ausgabe der Euroluce 2013, der internationalen Biennale der Beleuchtungshersteller am Salone del Mobile in Mailand. Sie bot eine von Zuversicht geprägte, umfassende Produkteschau. In vier Hallen des Mailänder Messegeländes präsentierten weit über 300 Aussteller ihre Kollektionen – von Marken mit grossen Namen über kleinere Labels bis hin zu selbst produzierenden Designern. Gezeigt wurden technisch innovative und mutige Designs, eine Vielzahl an Lampen und Beleuchtungssystemen für die Verwendung in Innenräumen und draussen ebenso wie für den Objekt- und Wohnbereich.

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Das Studio Yonoh hat für die Leuchte „Chou“ an Stelle von Papier Holzfurnier verwendet. Die vom Film „The World of Suzie Wong“ inspirierte Lampe erweitert die Kollektion von LZF

Angesichts der rasanten Entwicklung der Technologie und der neuen Möglichkeiten, die sich dadurch bieten, war es wenig überraschend, dass an der Euroluce überall LED-Leuchten zu sehen waren. Die Bandbreite an Lösungen, welche das kreative Potential der neuen Technologie ausschöpfen, ist ebenso gross, wie die Vielzahl an unterschiedlichen LED-Elementen, die sich seit Kurzem auf dem Markt befinden. Ist das Design von Lampen über die vertrauten, herkömmlichen Typologien hinaus grundlegend neu erdacht worden? Und wurden beliebte, existierende Designs auf LED umgerüstet? Beide Wege wurden von den Ausstellern an der Euroluce beschritten.

Ins Auge fielen die zahlreichen Designs mit einem starken formalen Ausdruck. – Die Messe war definitiv nicht von Diskretion geprägt. Die Verringerung der Grösse der Leuchtelemente wurde durch markante, quasi-skulpturale Lampenformen ausgeglichen. Sehr präsent waren auch Beleuchtungsprodukte für den Outdoorbereich.

Verschiedene Hersteller stellten Lampendesigns von international renommierten Architekten vor, die mit ihrer eigenen, stilistischen Handschrift als Gestalter neue Bereiche erschliessen. Der gegenseitige Nutzen einer solchen Zusammenarbeit ist offensichtlich. Ausserdem präsentierten viele Hersteller Beleuchtungssysteme, die in grösserem oder kleinerem Umfang erweiterbar sind. Vielleicht ist dies ein Ausdruck dafür, dass wir in schwierigeren Zeiten leben: Kaufe jetzt. Ergänze später.

Erhellendes.

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Die Hängeleuchte von Cristian Cubiña für Alma Light mit dem bezeichnenden Namen „TheLight“ erweist mit ihrer Formsprache der Art Deco Epoche die Referenz. Äusserst zeitgemäss ist hingegen die Verwendung von sandgestrahltem Methacrylat

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Modularität / Konfigurierbarkeit
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Beleuchtungsprogramme, bei denen im Gestaltungsprozess von Beginn weg auf ihre Konfigurierbarkeit geachtet wurde und die viele Möglichkeiten zur Erweiterung oder Anpassung bieten, konnten an der diesjährigen Euroluce an vielen Messeständen gesehen werden. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass – vielleicht aufgrund der wirtschaftlichen Krisenstimmung – das Bedürfnis nach Produkten, die langfristige Investitionen sind, wächst. Die Verwendung kleinerer LED-Elemente ermöglicht bei der Gestaltung solcher Beleuchtungssysteme ein grösseres Mass an Flexibilität.

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Die Inspiration zur Gestaltung des modularen Leuchtensystems „Daikanyama“ für Zero erhielt Thomas Bernstrand in den Strassen Tokyos, wo Kabel kreuz und quer über den Köpfen der Passanten hängen. Hier versorgen sie die Lampen mit Strom.

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Unbegrenzt modular und endlos konfigurierbar: Die Lampe „Set“ von J. Ll. Xuclà für Vibia nutzt Licht und Schatten geschickt, um einzigartige Lichteffekte zu erzeugen, die aus dem Substanzlosen Volumen schaffen

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
„Ellepi“ ist eine modulares Hängeleuchten-System von Italamp. Die einzelnen Elemente aus satiniertem Glas weisen ein konzentrisches Kreis-Design auf, das an Entwürfe der Art Deco Ära erinnert

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Die Lampe „Argent“ gestaltete Dodo Arslan für Terzani. Sie besteht aus unzähligen kleinen, handgeformten Metallplättchen und scheint ohne feste Form zu sein. Die Modularität erlaubt es, die Grösse des Arrangements individuell zu bestimmen

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Für das modulare Deckenbeleuchtungssystem „Calc“ verwendete B.Lux eine Punkte-Matrix mit Retro-Ästhetik und kombinierte sie mit der neuesten LED-Technologie. Die Leuchtelemente sorgen für ein gleichmässiges, blendfreies Licht

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Francisco Gomez Paz setzt mit seinem innovativen LED-Leuchtensystem für Luceplan ganz auf das Baukastenprinzip. Ausgehend von einem Grundelement, das sich wiederholt, lässt sich eine Vielzahl individueller räumlicher Arrangements erstellen

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Bei Roberto Paolis fexiblem Leuchtensystem „Multiball“ für Modo dreht sich alles um die Konfigurationsmöglichkeiten. Glasspiegel unterschiedlicher Grösse sind an ein modulares Schienensystem angebracht.

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Skulpturale Gestaltung
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Viele Produkte, die an der diesjährigen Euroluce gezeigt worden sind, verfügen über ein Design, das wenig Zurückhaltung in sich birgt. Dies dürfte Zeichen dafür sein, dass – zumindest ausserhalb Europas – der Bausektor nach wie vor in gutem Zustand ist. Architekten und Planer erstellen für neue Innenräume selbstbewusste Beleuchtungslösungen, die aufgrund ihrer mutigen, gewissermassen skulpturalen Gestaltung ein designbegeistertes Publikum anziehen.

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Bei Giovanni Barbatos Aluminium-Lampe „Spiry“ für Axo Light gehen Form und Funktion miteinander einher: Der spiralenförmige Schirm reguliert die Lichtstreuung und sorgt für eine eher indirekte Art der Beleuchtung

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Word up: Die neue „Graphic Lamp Collection“ des Herstellers Delightfull nennt die Dinge beim Namen und erweist den Leuchtschriften der glamourösen 1950er-Jahre die Referenz

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Eine gelungene Auseinandersetzung mit der Präsenz und Absenz von Materialien ist Arik Levys LED-Hängeleuchten-Serie „Wireflow“ für Vibia. Reduzieren, reduzieren, reduzieren: Die drei Dimensionen werden durch feinste Drahtgitter ausgemessen.

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Eine Ergänzung zur von Wever & Ducré produzierten „J.J.W.“-Familie, die vom belgischen Architekten Jules Wabbes gestaltet wurde, ist diese neue Wandlampe, die eine Art Deco Ästhetik mit neuester Produktetechnologie verbindet

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Die Tischlampe „Billy TL“ von Kalmar entfaltet ihre Wirkung durch die einfache Konstruktion. Sie besteht aus zwei matt lackierten Metall-Elementen, die mit einer ungebeizten, aber gestrichenen Holzleiste verbunden sind

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Ein Lehrsatz sagt, dass bei gutem Design leicht erkennbar sein muss, wie das Produkt funktioniert und bedient wird. Mit ihrem übergrossen Dimmer aus Messing erfüllt die Tischleuchte „Vinge“ des Note Design Studios für Örsjö diese Vorgabe

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Das Design der Pendelleuchten der „57 Series“ von Omer Arbel für Bocci ist durch die Machart bestimmt: Durch Luft, die in unterschiedlichen Mengen und Zusammensetzungen in die Glasmatrix eingeschlossen ist, entsteht eine einzigartige Wirkung

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Die Vereinigung zweier Objekttypen gelang Fabien Dumas mit seiner Lampe bzw. seinem Ausstellungsregal „La Discrète“ für Marset mühelos. „La Discrète“ bietet bedeutungsvollen Objekten einen schützenden Rahmen und rückt sie ins Licht

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Der vom Studio GuimeraiCinca für Fontini gestaltete, asymmetrische Lichtschalter aus Graphit und Messing kommt mit 3mm dicke äusserst schlank daher. Das reduzierte Design wurde mit dem red dot award 2013 ausgezeichnet

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Matali Crassets neue Lampenkollektion „Stick“ für Fabbian basiert auf dem Konzept der steten Wiederholung derselben Form. Durch die Struktur des Schirms entstehen dynamische Muster aus Licht und Schatten, die jedoch warm und freundlich wirken

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Die Hängeleuchte „Gaia“ von Brand van Egmond erinnert formsprachlich an einen klassischen Kronleuchter, hebt sich aber durch den plastischen, organischen Umriss von einem solchen ab. Nickel und Swarovski-Kristalle vollenden die Kreation

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Die neue Lampenkollektion „Nenuphar“ von designheure eignet sich besonders für Räume mit niedrigen Decken. Je nach Perspektive bietet das bunte, graphische Design den Betrachtern unterschiedliche Anblicke

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Der Name ist Programm: Die Tischleuchte „Semplice“ von Sam Hecht für Oluce ist äusserst reduktionistisch gestaltet. Die Lampe wird direkt auf den Tisch gestellt. Die Konstruktion aus Glas und verzinktem Metall trägt zuoberst einen Dimmknopf

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Die Lampenkolletion „Tati“ von Arturo Alvarez verfügt über eine gewobene, stark strukturierte Hülle, die über das Leuchtelement gestülpt ist und einen gesprenkelten Lichteffekt erzeugt

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Mit der neuen Hängeleuchte „Aspiro 8000“ weicht Secto Design von der eigenen, seit langem angewandten Designsprache ab. Materiell bleibt man jedoch der Verwendung von Birkenholz treu und zelebriert die Kunst des Holzbiegens.

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Form Us With Love gestaltete mit „Yupik“ für Fontana Arte eine äusserst funktionelle Handleuchte. Sie kann als Hänge- oder Tischlampe, als Deckenfluter oder Taschenlampe benutzt werden. Das Gehäuse besteht aus leichtem Polypropylen-Schaum

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Finnisches Handwerk und eine hochmoderne Computer-Geometrie treffen in der „Pilke 28 Floor“ aufeinander. Tuukaa Halonen hat die neue Stehleuchte für die wachsende Familie an Sperrholzleuchten der Pilke-Serie von Showroom Finland gestaltet

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Die Porzellanspezialisten von Lladró haben den klassische Kronleuchter neu interpretiert. Die Hängeleuchten der Kollektion „Belle de Nuit“ zeichnen sich durch auffällige, zeitgemässe Farbkombinationen und vorzügliche Handwerksarbeit aus

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Sam Wilkinsons preisgekrönte Leuchtbirne „Plumen“ erhält in der Hängeleuchte „Pharoah“ (von Hulger für Light Years) ein neues Zuhause. Der blendfreie Schirm mit verspiegelter Oberfläche wird transparent, sobald das Licht an ist

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Aus der Zusammenarbeit von Sandro Santantonio Design mit dem Hersteller Lucente entstand die Kollektion „HandMade“. Das Resultat der Experimente mit Licht und umweltfreundlichem Fieberglas sind schlichte, formvollendete Leuchten

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Die Wandleuchte „Tetra“ von Platek ist ein Objekt zur architektonischen Beleuchtung. Mit ihrem ausgeprägt kubischen Design verweist die Lampe selbst auf architektonische Formen und Volumen

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Die Lampe „Lavagna“ ist Teil der Kollektion „Matt“ von in-es artdesign. Für die Oberfläche wurde dasselbe Material verwendet, das man von Wandtafeln in Schulzimmern kennt. Die Endgestaltung kann man daher mit Kreide selbst vornehmen

Im Lampenfieber: Euroluce 2013 – Teil I
Mit dem Bleistift hat Tom Rossau ein Alltagsobjekt zweckentfremdet. In der Wiederholung dienen die Stifte in seiner neuen Leuchtenfamilie „Pencil Lamps“ als Blendschutz

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