NoéMie Schwaller

Autor

NoéMie Schwaller
Zürich   Schweiz

Grand Pari(s)


Präsident Sarkozy präsentiert Entwürfe für ein neues Paris
 

“Wir müssen gross denken”, meinte Sarkozy am 30. April 2009 bei der Eröffnung der Ausstellung im Palais de Chaillot, in welcher zehn von siebenunddreissig Zukunftsmodellen zur Neugestaltung des Grossraums Paris vorgestellt werden.

Paris ist durch einen 1973 ums Zentrum erstellten Stadtautobahn-Ring geteilt. Der 'Boulevard Périphérique' leitet den Verkehr um und in die Stadt und ist trotz den bis zu acht Fahrstreifen pro Fahrtrichtung regelmässig verstopft. Heute zählt er zu den meistbefahrenen Strassen Europas.
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Stadtplan von Paris mit dem Boulevard Périphérique
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Die Notwendigkeit soll nun zu Nachhaltiger Entwicklung werden. So forderte der französische Präsident im Herbst 2007, bei der Eröffnung der Cité de l'architecture et du patrimoine im Palais de Chaillot, eine "Diagnose der Stadtlandschaft und Visionen für die kommenden zwanzig bis vierzig Jahre" und rief dreiundvierzig Arbeitsgruppen von Architekten und Stadtplanern zu einem Ideenwettbewerb auf, dessen Resultate in der aktuellen Ausstellung zu sehen sind.
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Ein durchgehend neu geplantes Paris von MVRDV
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Begrünte Balkone schmücken den Montparnasse-Turm aus den 70er Jahren: Jean Nouvel, Jean-Marie Duthilleul und Michel Cantal-Dupart, basierend auf einer Skizze von Frank Gehry
Zu Jean Nouvel @ Architonic Zu Jean Nouvel @ Architonic

Zu Frank Gehry @ Architonic Zu Frank Gehry @ Architonic

Den in der Ausstellung gezeigten Zukunftsvisionen für die Ausweitung des historischen Stadtkerns sind die gewünschte Verlängerung der Bahntrassen für den Nahverkehr und der Ausbau von Métro- und Strassennetz unter Berücksichtigung der Umweltrichtlinien des Kyoto-Protokolls gemein.

Sarkozy verdrängt jegliche die derzeitige wirtschaftliche Krise betreffende Bedenken und meint: “'Bei Grand Pari(s)' geht es um die Rolle, welche die Hauptstadt in der Europäischen und der Weltwirtschaft spielt… ich denke, die Antwort auf die Krise ist: grosse Projekte. Frankreich kann sich nur mit grossen Projekten erholen.”
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Erinnert an die Einschienenbahn Monorail von 1988 im australischen Sydney: Verkehrssystem von Christian de Portzamparc

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Aus zwei mach eins: Christian de Portzamparc vereint die Bahnhöfe Gare du Nord mit dem Gare de l'Est in einem neuen Bahnhof im Norden. Die freigewordenen Schienenflächen werden zu Grünanlagen, Autobahnausfahrt und einem Museum

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Ebenfalls einen Park planen Rogers Stirk Harbour + Partners
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Er verspricht eine 130 km lange, automatisch laufende Métro "Grand Huit" (Grosse Acht) rund um Paris, die den Pendlern den Arbeitsweg vereinfachen und die äusseren Siedlungen, Universitäten und das Geschäftsviertel vereinen soll. 35 Milliardens Euro sollen investiert werden, um den überfüllten Öffentlichen Verkehr in Paris zu verbessern.

Charles De Gaulle, französischer General und Politiker bis 1969, bescherte Paris in den Sechzigerjahren den planlosen Siedlungsbau an der Peripherie. Die Entwicklungsschemata seiner Zeit brachten triste Vororte ohne Charme und mit schlechtem Anschluss an den Öffentlichen Verkehr hervor. Auf diese Weise führten unter anderem auch prekäre Stadtstrukturen zu den gewaltgeprägten Aufständen vor vier Jahren in ebendiesen Banlieues.
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Konzeptstudie von Studio 08– Studio Associato Bernardo Secchi & Paola Viganò

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Konzeptstudie von Studio 08– Studio Associato Bernardo Secchi & Paola Viganò

'Gross gedacht' wurde seither kaum, die französischen Präsidenten begnügten sich mit Wahrzeichen, von welchen die 'Ville des Lumières' übersät bis übersättigt ist. So baute Valéry Giscard d'Estaing einen Bahnhof zum Impressionisten-Mekka Musée d'Orsay um, Georges Pompidou setzte sich mit dem Business-District La Défense, deren Mittelpunkt heute der moderne Triumphbogen 'Grande Arche' bildet, und dem Kunst- und Kulturzentrum Centre Pompidou gleich zwei Denkmäler, während François Mitterrand die Louvre Pyramiden, die Bastille-Oper, die neue Nationalbibliothek, und schliesslich Jacques Chirac das Musée du Quai Branly zu Touristenattraktionen machte.

Es ist das erste Mal, dass sich renommierte Architekten auf diese Weise mit der Zukunft einer Hauptstadt beschäftigen. Aber es handelt sich keineswegs um einen Architektenwettbewerb, bei dem am Ende einer der Entwürfe komplett umgesetzt wird. Der Regierung geht es eher darum, sich von den Plänen inspirieren zu lassen.
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Die Seine als Hauptverkehrsachse in einem Paris, dass sich bis zur Küstenstadt Le Havre ausdehnt: Grumbach et Associés

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Lädt zum Flannieren ein: Mit viel Grün beschattete Boulevards von Rogers Stirk Harbour + Partners
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Um die Wohnungsnot in dieser Stadt von rund 12 Millionen Einwohnern zu bekämpfen, schlägt Sarkozy eine Lockerung des Baugesetzes vor. Damit will er 70'000 neue Sozialwohnungen pro Jahr und mehrere Hochhäuser im Stadtzentrum errichten können - dies nachdem der Neubau von Hochhäusern in der Innenstadt während dreissig Jahren verboten war. Konkret geplant sind sechs Grossbaustellen in sechs der äusseren Stadtbezirke, im 12., 13., 15., 17., 18. und 20. Arrondissement. Bausünden wie die Tour Montparnasse am gleichnamigen Bahnhof werde es dieses Mal nicht geben, versprach der sozialistische Bürgermeister Bertrand Delanoë.
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Ein neuer Hafen bei Gennevilliers bei Paris von Jean Nouvel, Jean-Marie Duthilleul und Michel Cantal-Dupart

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Voher/Nachher – Konzept der Nachhaltigkeit im Wohnungsbau von Jean Nouvel, Jean-Marie Duthilleul und Michel Cantal-Dupart
Zur Jean Nouvel Kollektion Zur Jean Nouvel Kollektion

Weitere Pläne des Präsidenten beinhalten die Aufforstung einer Waldlandschaft beim Pariser Flughafen Charles de Gaulle und die Entwicklung eines gigantischen Technologie-Parks in Saclay, Île de France, mit 3000 Einwohnern. Die Projekte sollen sowohl mit privaten als auch mit öffentlichen Geldern finanziert werden. 2012, am Ende der Präsidialzeit Sarkozys, würden die Bauarbeiten beginnen und in etwa zehn Jahre andauern.
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Aufhebung des Hochhausverbots in der Innenstadt: Atelier Castro Denissof Casi

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Nachhaltige Architektur: Entwurf von dem Atelier Castro Denissof Casi
Zu Atelier Castro Denissof Casi Zu Atelier Castro Denissof Casi

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