Nora Schmidt

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Nora Schmidt
Berlin   Deutschland

Die Öko-Maschine


Thom Maynes Studio Morphosis gewinnt den Zumtobel Group Award für nachhaltige Architektur mit dem Federal Building in San Francisco
 

Nachhaltigkeit und ökologisches Bauen ist seit einigen Jahren ein grosses Thema in Forschung und Architektur. Überrraschenderweise hat sich besonders in den USA eine richtungsweisende Bewegung formiert, die nicht nur nachhaltige Projekte fördert, sondern sogar eine national anerkannte Bezugsgrösse, den Leadership in Energy and Environmental Design (LEED), festlegte: Ein Standard, der die Konstruktion, den Betrieb und das Design von Gebäuden auf ökologische Verträglichkeit prüft.
Trotz langjähriger grüner Politik und längst etabliertem Umweltbewusstsein geht in Europa dieser Prozess weniger rasant voran, auch wenn einige Design- Hersteller mittlerweile die Nachhaltigkeit ihrer Produkte zum Programm machen.
Die Öko-Maschine
Das Federal Builing in San Francisco: Mehr als 70% der Struktur werden natürlich belüftet

Der im Frühjahr 2007 ins Leben gerufenen Zumtobel Group Award ist eine Auszeichnung für Projekte und Konzepte, die unter besonderer Berücksichtigung ökologischer Aspekte entwickelt wurden.
Das kalifornische Architekturbüro Morphosis, das vom Pritzkerpreisträger Thom Mayne gegründet wurde, gewann mit dem Federal Building in San Francisco den Preis in der Kategorie „Gebaute Umwelt“. Dies ist längst nicht die einzige Auszeichnung, die das beispielhafte Regierungsgebäude bis jetzt erhielt, denn der inzwischen zum städtebaulichen Wahrzeichen avancierte Metallgitterturm stellt sogar die strengen Standards von LEED in den Schatten.
Die Öko-Maschine
Die Nordseite des Gebäudes mit ihrer modernistischen Erscheinung ist eine offene Glasfassade mit vertikalen, justierbaren Sonnenblenden

Der gesamte Komplex setzt sich aus zwei Volumina zusammen: dem 18-geschossigen Turm, in dem Büros untergebracht sind und dem viergeschossigem Flachbau, in dem sich öffentliche Bereiche, wie Kindergarten, Cafés und ein Konferenzzentrum befinden.

Die Südostseite der Fassade besteht aus perforierten Edelstahlscreens und ist nicht nur stark hitzeabweisend, sondern verleiht dem Gebäude mit seiner verschachtelten maschinenhaften Struktur etwas Provisorisches, etwas Flexibles – aber auch Angreifbares. Dieses clevere Spiel mit Transparenz und Offenheit spiegelt ein vollkommen neues amerikanisches Selbstverständnis wieder, und das nach einer Zeit, in der sich Regierungsbüros aus Angst vor terroristischen Anschlägen in gepanzerte und hermetisch abgesicherte Gelände zurückzogen.
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Die perforierten Edelstahlscreens an der Süd-Ost Fassade wirken stark hitzeabweisend

Doch schliesslich ist es die effiziente Regulierung des Gebäudeklimas, die das Federal Building zu einem Vorzeigeobjekt ökologischer Architektur machen. Nur die ersten fünf Stockwerke sind mit einer konventionellen Klimaanlage ausgestattet. Die restlichen 13 Etagen – und damit 70% der gesamten Struktur – werden über die je nach Windrichtung und -geschwindigkeit automatisch justierten Fensterelemente belüftet. Abhängig von den äusseren Wetterbedingungen kann die Luftbewegung im gesamten Innenraum reguliert werden. Auch der Sonnenschutz wird je nach Sonneneinstrahlung automatisch ausgerichtet.

Diese natürliche Luftzirkulation unterstreicht nicht nur die formale Transparenz des Gebäudes, sondern sorgt für ein natürliches Raumklima und enorme Energieeinsparungen, die bei einem solchen Bauvolumen nur schwer zu überbieten sind.

Durch die offen gestaltete Innenarchitektur – Glasflächen und niedrige Trennwände unterteilen die Arbeitbereiche des Grossraumbüros – können über 85% der Büroflächen natürlich belichtet werden.
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Das Aufwindkraftwerk vom Ingenieurbüro Schlaich Bergermann erhielt den Preis in der Kategorie "Forschung und Initiative"

In der Wanderausstellung des Zumtobel Group Awards werden neben dem Federal Building auch die Gewinner der Kategorie „Forschung und Initiative“ – diesen Preis erhielt das Ingenieurbüro Schlaich Bergermann für sein Aufwindkraftwerk, das in Australien umgesetzt werden soll – und acht weitere von der Jury gelobte Projekte vorgestellt.
Ab Freitag dem 14. März wird die Ausstellung im Architektur Forum Aedes, das den Preis kuratierte und organisierte, Am Pfefferberg in Berlin zu sehen sein.
Eine umfassende Publikation unter dem Titel „Architecture of Change“ wird ab dem 8. April im Buchhandel erscheinen.
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