Die Intarsie im modernen Design


Wir verbinden sie mit Louis XVI, Jugendstil-Möbeln und der Wanddekoration von Vereinsheimen, und wenn wir davon sprechen meinen wir meist etwas Anderes: Die Intarsie, beziehungsweise die Marketerie, ruft wohl kaum eine positive Konnotation bei Menschen aus, die sich gerne mit modernem Design umgeben. Architonic möbelt das Image der Intarsie im Folgenden im wahrsten Sinne des Wortes auf.
 

Die Intarsie im modernen Design
"Precious" Tisch von Giuseppe Pruneri für Haute Material; Elefenbein-Intarsien in Walnussholz, Stahl

Die Intarsie im modernen Design
"Precious" Tisch von Giuseppe Pruneri für Haute Material; Elefenbein-Intarsien in Walnussholz, Stahl

Die Intarsie ist eine Einlegearbeit, soviel steht fest, doch die Spezifikation zur Intarsie, Marketerie oder Inkrustation beginnt beim Material:
Streng genommen dürfen nur Intarsien aus Holz als solche bezeichnet werden, doch im Sprachgebrauch werden auch Einlegearbeiten mit anderen Materialien als Intarsien bezeichnet.
Spricht man von Holzintarsien, ist zumeist die Marketerie gemeint: Dies ist die geläufigste Technik der Holzeinlegearbeit, die mit edlen Holz-Furnieren hergestellt wird, um dann auf eine Trägerplatte aufgeleimt zu werden. Dank der CNC Technik können Möbelstücke mit Einlegearbeiten aber heutzutage seriell gefertigt werden.

Die Intarsie im modernen Design
"Tools inlays" von Formafantasma für Droog Design; in den Tisch integriert befindet sich eine Box mit Intarsien, welche die Werkzeuge dartsellen, die für die Herstellung des Tisches verwendet wurden

Die Intarsie im modernen Design
Clock inlays von Formafantasma für Droog Design

Das im 15. Jahrhundert entstandene Studiolo im Palazzo Ducale im italienischen Urbino ist jedoch einzigartig und ist für seine Zeit beispielhaft für diese Kunstform. Das Intarsienwerk – hier handelt es sich um eine „echte“ Intarsie – weist viele trompe-l'oeil–Effekte auf, für die sich Intarsien aufgrund ihrer gegebenermassen flächigen Darstellung aus verschiedenfarbigen Holzteilen eignen, denn perspektivische Darstellungen mit flächiger Licht-Schatten-Betonung ohne Verläufe bietet sich für ein Spiel mit der optischen Täuschung an.
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Schrank "Torre" von Robert und Trix Haussmann aus Ahorn-, Buche-, Birn- und Nussbaumfurnier und eingelegten Spiegeln

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"Piedestal" Kommode von Hans Eichenbrger für Röthlisberger; Trompe l'oeil-Intarsien aus Birnbaumfurnier lassen die Frontfläche räumlich erscheinen

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Credenza Intarsia R.T.H.2 entworfen von Robert und Trix Haussmann und Bruno Longoni 1999, Hersteller Laurameroni

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Credenza Intarsia A.R.2 entworfen von Aldo Rossi und Bruno Longoni 1999, Hersteller Laurameroni

Nicht nur durch die Verwendung verschiedener Hölzer lassen sich räumliche Abbildungen mittels Intarsien darstellen. Mittels raffinierter Techniken, wie sie der englische Designer und Marketerie-Künstler Toby Winteringham anwendet, lassen sich in Einlegearbeiten auch Schatten mit Verläufen erzeugen:
Er taucht die einzulegenden Furnier-Stücke in heissen Sand und erzeugt so durch eine ganz leichte Verkohlung des Holzes Schattierungen.
Winteringham verwendet neben traditionellen und handwerklichen Techniken auch CNC Fräsen. Seine Kollektion umfasst neben sehr aufwendigen und kunstfertigen Stücken auch einfache und moderne Intarsienarbeiten, die nicht weniger raffiniert sind, sich jedoch für grösserer Auflagen eignen.
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Schrank "Seven Codes" von Trix und Robert Haussmann für Röthlisberger, Massivholz-Intarsia integriert in eine Spiegelfläche

Einlegearbeiten mit trompe-l'oeil–Effekte wurden auch für die postmodernen Entwürfe von Robert und Trix Haussmann für die Schweizer Firma Röthlisberger entwickelt. Die Designer orientierten sich dafür an historischen Techniken:
Das Ornament des „Lehrstücks III“ wurden sich wiederholende Puzzle-Plättchen verwendet, die in der gleichen Sägetechnik hergestellt werden, wie sie schon im 15. Jahrhundert angewandt wurde.
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"Shift" Tisch von Toby Winteringham; Marketerie gestaltet von Patternity.co.uk; Platane mit eingefärbten Furnieren

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"Phase Bureau" von Toby Winteringham; Marketerie gestaltet von Patternity.co.uk; geräucherte Eiche mit eingefärbten Furnieren

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"Bird" Sideboard by Toby Winteringham und seiner Tochter Grace Winteringham; Die Marketerien die Vögel, Federn und Blätter darstellt ist lasergeschnitten

Der Schrank "Torre", ebenfalls von Haussmann für Röthlisberger, erscheint dem Betrachter als räumlich durchbrochenes Gitterwerk, ist aber in Realität ein allseitig flächiges Trompe-l’oeil. Für diese illusionistische Umsetzung mit Licht- und Schattenflächen arbeiteten die Handwerker mit den ungefärbten, natürlichen Tonwerten von Ahorn-, Buche-, Birn- und Nussbaumfurnier.
Die Illusion der Durchblicke wird mit ebenen, eingeschliffenen Spiegeln erreicht. Aufwendiges Detail: Der Bleistift zur Signatur dieser Auftragsarbeiten ist intarsiert.
Für Draenert schuf das Designer-Paar einen Esstisch in maniriertem Stil der Postmoderne. Ein kunsthandwerkliches Meisterstück mit Intarsien aus Furnieren von Nuss, Ahorn und Birne sowie Ebenholz.

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"Inlay" Schrank von Front für Porro; vier verschiedene Sorten getönten Eichenholzes werden von dunklen Profilen getrennt

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"Inlay" Sideboard von Front für Porro

Ebenfalls für Draenert entstanden die "Frankfurter Möbel" als Teil einer Entwurfsreihe der Frankfurter Architekten Norbert Berghof, Michael Landes und Wolfgang Rang, welche die deutsche Spielart der Postmoderne und innerhalb dieser wiederum die Darmstädter-Frankfurter Schule vorstellen.
Der Frankfurter "Schrank F1" ist ein Schreibsekretär aus Vogelaugahorn, Ebenholz, Bruyère, Wurzelmaser, Ahorn massiv, Bubinga, Elfenbein, Horn, Messing, Blattgold, Marmor Lasa und Aosta, Granit Bahia Blue usw. Er verfügt über kleine Tresore, Schubladen und eine Schreibplatte. Jedes Teil der auf 100 Stück limitierten Edition ist nummeriert, datiert und signiert.
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Schrank "F1" aus der Entwurfsreihe "Frankfurter Möbel" von Norbert Berghof, Michael Landes und Wolfgang Rang für Draenert

Als wertvolle und exklusive Meisterstücke sind die „Frankfurter Möbel“ Zitate aus einer elitären, verloren gegangenen Welt. Die "Job Lounge" von Studio Job ist eine ironische Bearbeitung eben deren. Die verschiedenen Entwürfe, Materialien und Herstellungstechniken in diesem Raum sind Zitate aus dem imposanten Werk von Studio Job: Bronzeguss, Glasmalerei in Bleiverglasungsform, Keramik, Marketerie, Pappmaschee, verrostetes Eisen, gewebte Textilien und kostbares Venini-Glas. Die Marketerie im besonderen und sehr schönen Holzeinlegewerk der Bar bildet deformierte Skelette ab und im exklusiven Parkettboden ist ein verwirrendes Labyrinth eingelegt.
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Groninger Museum Job Lounge; Fotograf: Robert Kot © Groninger Museum

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Privat-Residenzin Amsterdam von Marcel Wanders; Foto © Marcel Wanders

Das luxuriöse Appartment in Amsterdam, das von Marcel Wanders gestaltet wurde, befindet sich irgendwo zwischen dem Zitat und der Heraufbeschwörung einer vergangenen Epoche und der Persiflage eben derer. Das Parkett wurde mit einer wunderschönen Einlegearbeit versehen, und alle Oberflächen der Räume mit luxuriösen Dekorationen, Ornamenten und edlen Materialien belegt. Durch formale Reduktion und Abstrahierung schafft Wanders die Gratwanderung und bringt auf kunstvolle Weise den eklektizistsichen Stil auf einen stimmigen Nenner.
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Detail des Parketts in einer Privat-Residenzin Amsterdam von Marcel Wanders; Foto © Marcel Wanders

Die Intarsie findet sich nicht oft in ihrer eigentlichen Form wieder, und im weiteren Sinne kann man auch die Installation „The Wasteland“ von Juan Muñoz aus dem Jahr 1987 als solche bezeichnen.
Auch hier findet sich der trompe l'oeil Effekt wieder - die Wahrnehmung des Raumes wird dadurch optisch verzerrt.
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Juan Muñoz The Wasteland, 1987 Collection of Elayne und Marvin Mordes, USA © The Estate of Juan Muñoz; Foto © Tate Photography

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"Remida" von Zanotta, Design Fortunato Depero; Ahorn, Sitzfläche mit Lederintarsien

Es gibt sie also, die Intarsie im modernen Design, und wir werden Ihnen sicher noch öfter begegnen, denn traditionelle Techniken werden immer wieder neu entdeckt und begründen abgewandelt eine neue Avantgarde. Die CNC Fräse wird dieser alten Kunstform der Intarsie sicher bei Ihrer Auferstehung behilflich sein.
Die Intarsie im modernen Design
Toby Winteringham bei der Arbeit handgeschnittener Markererie

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Gesägte Puzzle-Plättchen für Einlegearbeiten

Porro auf Architonic Porro auf Architonic

Zanotta auf Architonic Zanotta auf Architonic

Draenert auf Architonic Draenert auf Architonic

Laurameroni auf Architonic Laurameroni auf Architonic

Droog Design auf Architonic Droog Design auf Architonic

Haute Material auf Architonic Haute Material auf Architonic

Roethlisberger auf Architonic Roethlisberger auf Architonic

Marcel Wanders auf Architonic Marcel Wanders auf Architonic