Simon Keane-Cowell

Autor

Simon Keane-Cowell
Zürich   Schweiz

Die Feuerteufel: Harrie Leenders


Was macht man, wenn man gerne mit dem Feuer spielt? Keine Frage – natürlich leitet man eine Firma, die Öfen herstellt. Bart Leenders, der Sohn von Harrie Leenders, dem Gründer des gleichnamigen niederländischen Unternehmens, kennt sich gut aus mit Flammen. Regelmässig zieht es ihn in die Wildnis, um Feuer in die Häuser seiner Kunden zu bringen.
 

Die Feuerteufel: Harrie Leenders
Der Geschäftsführer von Harrie Leenders ist es gewohnt, sich in abgelegene Orte in Skandinavien und Kanada aufzuhalten. Das naturverbundene Leben in der Wildnis lässt seiner Passion für Feuer freien Lauf

Bart Leenders nimmt Dinge gerne persönlich in die Hand.

Als Geschäftsführer des Premium-Ofenherstellers Harrie Leenders ist er verständlicherweise nicht gerade einer, der sich aus allem heraushält. Viel Zeit verbringt er im wahrsten Sinne des Wortes damit, Feuer zu machen. Deshalb könnte es, falls Sie ihn einmal suchen sollten, eine Weile dauern, bis Sie ihn antreffen. Der bekennende Outdoor-Fan verbringt jedes Jahr einen Grossteil seiner Zeit in der Wildnis in abgelegenen Teilen Skandinaviens oder Kanadas. Hier trennt ihn nur seine Zeltplane vom freien Sternenhimmel. Bevor Sie jetzt denken, was für ein traumhaftes Leben das ist, sei Ihnen versichert: „Es ist Arbeit“. Zumindest ansatzweise. Nachdem er aus Kleinholz und Reisig ein Lagerfeuer gebaut und dieses mit einem Magnesiumstab („Es ist die verlässlichste Methode draussen ein Feuer zu machen. Es funktioniert immer“) entzündet hat, ist er bereit sich auf die Natur einzulassen. Gerade hier fernab der Alltagsroutine fliessen kreative Gedanken, die dann wiederum in Produkte, die die Firma herstellt münden und das Firmenselbstverständnis prägen. Alle Ideen hält Bart in immer griffbereiten Moleskin-Notizheften fest.

Die Feuerteufel: Harrie Leenders

Die Feuerteufel: Harrie Leenders
Harrie Leenders moderner „Boxer Plus“ Holzofen. „Wir haben unser ganzes Wissen über Verbrennung einfliessen lassen“, sagt die Firma

Man könnte sagen, er hat Feuer im Blut. „Mein Vater ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, auf dem er für das Feuer zuständig war. Es gab Holzöfen zum Kochen, Putzen und um das Futter für die Schweine zu präparieren. Das fand nur zwei Generationen vor uns statt.” Der besagte Vater ist Harrie Leenders, der gemeinsam mit seiner Frau Margriet, die Firma 1979 gegründet und sie, ohne einen einzigen Euro fremden Investments, zu einer der führenden Hersteller von Premium-Kaminen gemacht hat.

Für Harrie Leenders dreht sich alles um Authentizität. „Alles was wir tun, muss sich für uns richtig anfühlen“, erklärt Bart. „Welche Modelle zur Vervollständigung unserer Kollektion eingeführt werden, mit welchen Zulieferern wir zusammenarbeiten, wen wir in unserem Team anstellen. Es muss für uns stimmen. Das Leben ist zu kurz für schlechte Dinge.“ Dieser entschieden persönliche, kompromisslose Ansatz kommt Harrie Leenders zugute, denn sein loyaler Kundenstamm schätzt die hochwertige Designprodukte und dass deren Macher mit ganzem Herzen dabei sind. „Jedes Produkt, das wir entwerfen, bauen wir eigentlich nicht für unsere Kunden, auch nicht für unsere Händler. Wir bauen es für uns selbst. Es muss unser Ofen sein.“

Die Feuerteufel: Harrie Leenders

Die Feuerteufel: Harrie Leenders
Der „ Fuga eL“ Ofen: „Er ist wie ein guter Butler“, sagt Bart Leenders, das Produkt selbst tritt optisch in den Hintergrund, wenn es in Betrieb ist, um seinen flammenden Inhalt in den Vordergrund zu rücken

Das neueste Produkt der Firma, „Boxer Plus“, das Bart gemeinsam mit einem Kollegen in der Harrie-Leenders-Fabrik in der Nähe von Eindhoven entwickelt hat, ist von Entwürfen seines Vaters inspiriert und basiert auf „Boxer“, einem älteren Produkt der Marke. Letzteres wurde vorübergehend nicht produziert und aus der Kollektion genommen, da nur ein Dutzend Exemplare pro Jahr gebaut wurden. „Stellen Sie sich das mal vor, wir entschieden uns einen neuen Kamin herzustellen, steckten mehr als zwei Jahre Entwicklungszeit in das Produkt und das obwohl das Vorgängerprodukt sich noch nicht einmal gut verkaufte. Das ist nicht wirklich eine verkaufsorientierte Logik. Jetzt ist es der am meisten verkaufte Kamin. Wir bauten ihn, weil wir uns unser Können beweisen wollten und dass wir eine Menge über holzverbrennende Techniken wissen.“

Die Feuerteufel: Harrie Leenders
Bart Leenders nimmt Dinge in die Hand: Beim Entfachen von Zündholz in Kanada

Der Schlüssel zu Harrie Leenders Modus Operandi ist Wissen. Draussen in der Wildnis kommen Bart die besten Ideen. Hier verfeinert er seine Expertise der Beschaffenheit und des Verhaltens desjenigen Elements, auf dem sein Geschäft basiert, Feuer. (Er gibt zu, dass er, aufgrund der seiner Meinung nach fehlenden Innovationen im Kaminherstellersegment, keine Messen mehr besucht.) Tatsächlich ist das Feuer selbst das Produkt, das Harrie Leenders verkauft. Denn das Feuer spricht emotional an und rückt in den Blick, was die Firma ihren Kunden anbietet. „Ich bin ehrlich gesagt davon überzeugt, dass Feuerstellen in der freien Natur am besten aussehen; nur ein paar Steine am Ufer eines Flusses oder Sees. Unsere Öfen sind im Wesentlichen Feuerbehälter. Es ist nämlich das Feuer, das wir zu unseren Kunden bringen möchten.“ Designs wie das auffällig rationale „Fuga eL“, besonders in Schwarz, legen davon Zeugnis ab. Das Feuer wird vollständig in den Vordergrund gestellt während, das Gehäuse, der Ofen, visuell in den Hintergrund tritt. „,Fuga eL’ ist wie ein guter Butler“, sagt Bart.

Die Feuerteufel: Harrie Leenders

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Der an der Decke angebrachte „Pharos Interior“ Ofen erfüllt nicht nur rein funktionale Aufgaben, sondern stellt auch ein einflussreiches innenarchitektonisches Element dar

Das umfassende Know-How von Bart und seinem Team findet nicht nur in ihren Öfen Ausdruck, sondern wird bei aufschlussreichen „Feuer-Abenden“ in der Fabrik von Harrie Leenders und über YouTube-Tutorials aktiv an Kunden weitergegeben. Diese erfahren hier, wie das Produkt, das sie gekauft haben, am besten funktioniert. Diese Art der Wissensvermittlung ist integrativer Bestandteil des Firmenverständnisses. „Wir bringen das Feuer zurück in die Häuser der Menschen. Leute – und das schliesst über dreissig Prozent unserer Kunden mit ein – haben vergessen, wie man Feuer macht, was, wenn man darüber nachdenkt, genau die Fähigkeit ist, die uns von anderen Lebewesen unterscheidet.“ Die Feuer-Events für die Kunden stellen auch für den Hersteller eine Gelegenheit dar, etwas zu lernen. „Wir bekommen viel Feedback, das es uns ermöglicht praktikable und kaufbare Produkte herzustellen. Wir stellen zwar das her, was uns gefällt, aber wir müssen auch Geld verdienen. Aber wir versuchen uns mit jedem neuen Produkt weiterzuentwickeln.“

Die Feuerteufel: Harrie Leenders

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Harrie Leenders' Kollektion besticht durch eine grafische, raumdefinierende Designsprache

Innovation ist natürlich grossartig, besonders was die Energieeffizienz anbelangt. Aber was ist mit der Nutzerfreundlichkeit? Muss nicht immer ein Kompromiss geschlossen werden? „ ,Boxer Plus' ist unsere derzeit höchstentwickelte Feuerstelle. Aber je mehr Kontrolle Sie über ein Feuer haben, desto schwieriger wird es manchmal. Es resultiert nicht unbedingt im besten Feuer. Ich glaube, dass wir unsere Kunden Ernst nehmen, indem wir erklären, was Feuer ist, was im Ofen passiert, wie er funktioniert. Aufgrund dieses Wissens, können sie ihn besser bedienen.“

Wer sind nun also diese pyrophilen Käufer? Sie sind vorrangig Endverbraucher aus Frankreich, Deutschland und den Beneluxstaaten, aber auch aus der Schweiz, Italien und Grossbritannien, die ihre Wohnräume mit etwas anderem als nur einem weiteren Möbelstück ausstatten möchten. Sie schätzen den stimmungswandelnden Effekt den Feuer auf die Atmosphäre von Räumen hat. „Unsere Kunden sind sich bewusst, dass es keinen Schalter gibt, mit dem man das Feuer aus und anstellen kann, sondern, dass das Feuermachen selbst eine Kunst ist. Ein Feuer ändert alles. Es könnte keinen grösseren Unterschied zwischen einem Raum geben, der von einem Fernseher beleuchtet wird und einem Raum, in dem ein Feuer brennt. Alles erscheint anders.“ Auch wenn der Grossteil der Kunden Endkonsumenten sind, prädestinieren die rationale Formensprache der Produkte und ihre hochqualitative Konstruktion sie zudem für die Verwendung im Rahmen von architektonischen Projekten. Planer sind von ihrer grafischen Qualität, den klaren Linien, die sich nahtlos in die zeitgenössischer Innenarchitektur einfügen, überzeugt.

Die Feuerteufel: Harrie Leenders
Wenn Sie soviel Zeit in der Wildnis verbringen wie Bart Leenders, werden sie die Aurora Borealis, die Polarlichter, früher oder später zwangsläufig sehen. Hier in Schweden fotografiert

Ein weiterer bestechender Punkt ist die Aufrichtigkeit, die im Verbrennen von Holz als Energiequelle liegt. Bart erklärt: „Wir haben vergessen wie viel Energie in einem Holzscheit verborgen liegt. Wir haben vergessen, wie schön diese tragbare Energiequelle ist. Wenn ich Ihnen erzählen würde, dass ich mit einer Erfindung auf den Markt kommen würde – einem tragbaren Energieträger, der uns Sauerstoff gibt, während er entsteht und so viel Energie enthält, dass Sie nicht nur Ihr Essen damit kochen, sondern auch Ihre Wohnung heizen können, wäre ich ein Millionär, ein Milliardär. Aber das sind sie, die Bäume. Wir haben diesen Fakt vergessen, weil wir fossile Brennstoffe als komfortabler erachten.“ Das bedeutet nicht, dass Bart oder seine Kunden sich nicht bewusst darüber sind, dass Holzfeuer umweltbelastend sind. Es ist natürlich alles relativ. Feuer macht durch seine Unmittelbarkeit, seine Schönheit und seinem positiven Einfluss auf unsere Befindlichkeit jeden einzelnen Moment erlebbar. Es nimmt unsere Aufmerksamkeit in Anspruch und macht uns achtsam. Keine leichte Aufgabe in diesen stressigen Zeiten mit ihrer konstanten Reizüberflutung. Dass man sich den Brennstoffverbrauch bewusst macht, während man tatsächlich Brennmaterial verbraucht, kann aus ökologischer Sicht also nur von Vorteil sein.

Die Feuerteufel: Harrie Leenders
Bart Leenders: „Ich bin ehrlich gesagt davon überzeugt, dass Feuerstellen in der freien Natur am besten aussehen; nur ein paar Steine am Ufer eines Flusses oder Sees. Unsere Öfen sind im Wesentlichen Feuerbehälter“

Harrie Leenders hat erfolgreich eine neue Art der Luftaufbereitung fürs Verbrennen entwickelt und damit eine neue Generation von Öfen eingeläutet. Die Zukunft des echten Feuers ist unbestritten hell. „Es ist als ob wir wieder von Vorne beginnen“, schwärmt Bart.

In den Worten von Morrissey, „There is a light that never goes out“.

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