Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen


Die erste deutsche Zertifizierung für ökologisches Bauen wurde kürzlich ins Leben gerufen
 

Ab sofort gibt es ein deutsches Zertifizierungssystem, das die Nachhaltigkeit von Gebäuden bewertet. Auf dem DGNB-Kongress „Consense“ wurde es am 17. Juni in Stuttgart über 600 Teilnehmern aus allen Bereichen der Bau- und Immobilienwirtschaft vorgestellt. Sein Name: "Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen“. Es wurde gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) und dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) entwickelt.
Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen
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„Vom neuen Zeichen geht eine Initialzündung aus“, bekräftigte Staatssekretär Dr. Engelbert Lütke Daldrup. Der Bau- und Immobilienwirtschaft ist nun ein Instrument an die Hand gegeben, mit dem sich Nachhaltigkeit am individuellen Objekt gezielt planen lässt. Das deutsche Gütesiegel soll eine objektiv messbare Feststellung der Gesamtqualität sicherstellen und in der Charakterisierung, Methodik und Handhabung bereits bestehende Zertifizierungssysteme übertreffen.

„Deutsche Immobilien-Wertarbeit ist auf den internationalen Märkten sehr geschätzt“, stellte DGNB-Präsident Prof. Dr.-Ing. Werner Sobek in seiner Eröffnungsrede fest. Er werde deshalb immer wieder gefragt: Where ist the German System? Und freute sich, verkünden zu können: „Hier ist es nun, das deutsche Zertifizierungssystem. Es dokumentiert die Qualität von Gebäuden umfassend.“

Das neue Gütezeichen nimmt alle Aspekte der Nachhaltigkeit in die Bewertung auf, also ökologische, ökonomische und soziokulturelle – darüber hinaus fließen Technik, Prozesse und Standortqualität ein. Für die verschiedenen Bereiche gibt es Einzelnoten, die Bewertung des Gebäudes drückt sich in einer Gesamtnote aus. Als Nachweis erhalten die zertifizierten Gebäude eine Plakette in den Qualitäten Gold, Silber oder Bronze – je nach Einstufung im Notensystem. „Wir haben viel Wert darauf gelegt, dem Bewertungssystem eine wissenschaftliche Basis zu geben“, erläutert Werner Sobek und weiter: „Es nimmt den Lebenszyklusgedanken durchgängig auf.“ Ein wichtiger Punkt, denn der Löwenanteil der Gebäude-Gesamtkosten entstehen im Betrieb; ähnliches gilt für die Umweltwirkungen.

Mit seinem weit reichenden Ansatz unterscheidet sich das deutsche Gütezeichen von allen anderen Systemen am Markt. „Es war ein besonderes Anliegen der Bundesregierung, mit einem solchen System nachhaltiges Bauen voranzutreiben und die Kräfte von Politik und Wirtschaft zu bündeln“, so Baudirektor Hans-Dieter Hegner vom BMVBS. Er erinnerte daran, dass die DGNB erst ein Jahr besteht. Von wenigen Pionieren aus Wissenschaft und Praxis gegründet, steht sie heute auf einem soli¬den Fundament von rund 250 Mitgliedern, unter denen sich viele klingende Namen aus der Planer-, Bau-, und Immobilienszene finden.

Laut Statistik fallen für den Betrieb von Immobilien rund 40 Prozent des jährlichen Energieverbrauchs an, zeigte Präsidiumsmitglied Prof. Dr.-Ing. Klaus Sedlbauer anhand statistischer Daten auf. Allein in der Modernisierung von 50 Prozent der Altbauten steckt ein CO2-Einsparpotenzial von etwa 200 Millionen Tonnen pro Jahr. Aufgrund der Kostenexplosion für Energie wird der Wert von Immobilien künftig noch stärker am Ressourcenverbrauch gemessen werden. Daraus ergeben sich schon heute erweiterte Verantwortlichkeiten für das Planen und Bauen. Endgültig vorbei sind die Zeiten, in der die Projektverantwortlichkeit mit der Fertigstellung endete.

Prof. Dr.-Ing. Thomas Lützkendorf von der Universität Karlsruhe untermauerte die Notwendigkeit, im neuen Zertifizierungssystem künftige normative und gesetzliche Regelungen vorweg zu nehmen. „Indem wir es geschafft haben, trotz aller Komplexität eine hohe Flexibilität, Transparenz und gute Handhabbarkeit sicher zu stellen, können wir von einem hochwertigen System der zweiten Generation reden.“ Bewertet würde grundsätzlich die Performance kompletter Gebäude – also ‚wie gebaut’ wurde. Es gehe nicht um die isolierte Betrachtung von Produkten, Bauelementen oder Bauteilen. „Dadurch bleibt die Bandbreite für bauliche Lösungen erhalten“, so DGNB-Mitglied Lützkendorf.

Andere Systeme, wie das nordamerikanische LEED – Leadership in Energy and Environmental Design lassen sich nicht einfach auf den europäischen beziehungsweise deutschen Markt übertragen“, weiß Dr. Eva Schmincke, als Präsidiumsmitglied der DGNB für internationale Fragen zuständig. Dafür sorgen allein anspruchsvolle Bauordnungen und normative Vorgaben.

Nun ist es erforderlich, das Gütezeichen mit den leicht assoziierbaren Wertigkeiten ‚Bronze’, ‚Silber’ und ‚Gold’ möglichst schnell im Markt zu verankern. Dr. Volker Hauff, Alt-Minister und Vorsitzender des Rates für nachhaltige Entwicklung, verband damit zugleich die Aufforderung an die Politik, „Leuchttürme zu initiieren, indem sie die Zertifizierung von öffentlichen Gebäuden verbindlich festschreibt“.
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