Susanne Fritz

Autor

Susanne Fritz
Zürich   Schweiz

Design Miami/ Basel 2011


Die Design Miami/ Basel stand dieses Jahr zum ersten Mal seit ihrer Gründung 2005 unter neuer Direktion von Marianne Goebl, welche die Messe mit dem Auge der Expertin gekonnt kuratierte. Sie trat im Februar 2011 in die Fussstapfen von Ambra Medda, die nach ihrer Trennung von ihrem Partner Craig Robbins auch an Leidenschaft für ihr Amt als Direktorin des gemeinsamen Babys verlor, wie es sich in der letztjährigen Pressekonferenz schon abzeichnete.
 

Die jährlich während der Art Basel stattfindende Messe ist mittlerweile eine etablierte Marke, die ihren schnellen Erfolg auch dem ausgezeichneten Netzwerk des inzwischen getrennten Glamour-Paares Craig Robbins und Ambra Medda zu verdanken hat.
Sie erkannten, dass die Art Basel der ideale Ort für eine zeitgleiche, exklusive Design-Messe ist, welche die Aufmerksamkeit einer verdichteten Szene an Sammlern, Kunst- und Designkennern und nicht zuletzt finanzkräftigen Art-Investoren auf sich ziehen würde. Dazu besitzen beide ausgezeichnete Verbindungen zu etablierten Design-Händlern und Galerien, doch vor allem zu Samuel Keller, dem damaligen Leiter der Art Basel.
Design Miami/ Basel 2011
Marianne Goebl, die neue Direktorin der Design Miami Basel, kuratierte mit dem Auge der Expertin

Bis anhin wurde neben der Präsentation von jungem und experimentellem Design der „Designers of the Future“ auch immer grosser Wert auf etablierte Vintage-Design-Händler mit raren Stücken berühmter Designer der Moderne gelegt, die hohen Wiedererkennungswert besassen und daher als Statusobjekt geeignet waren.
Dies hat sicher nicht zuletzt damit zu tun, dass Ambra Medda die Tochter einer Design-Händlerin ist und die Moderne stets allgegenwärtig war.

Design Miami/ Basel 2011
Als eine der ersten Galerien hat sich die Galerie Kreo an die Platzierung von zeitgenössischem Design im Kunst-Sektor gewagt

Unter Marianne Goebl, die lange Jahre bei Vitra tätig war und den Design Markt sehr gut kennt, haben sich diese Werte zugunsten einer Auswahl von Galerien fokussiert, die zeitgenössisches Design gekonnt inszenieren. Als eine der ersten Galerien hat sich die Galerie Kreo an die Platzierung von zeitgenössischem Design im Kunst-Sektor gewagt.
Diesem Vorreiter-Beispiel folgend, haben nun immer mehr Galerien Design-Objekte als Kunst entdeckt. Entgegen der an ein Schaulager erinnernden Präsentation der Vintage-Galerien, im eigentlichen Sinne Händler von Antiquitäten der Moderne, treffen die meisten Kunst-Galerien nun eine sorgfältig Auswahl von Kollektionen zeitgenössischen Produkt-Designs, das als Kunst präsentiert wird und dem Designer auch die künstlerische Freiheit des experimentellen One-Off Stückes gibt.

Den „W-Hotel Future Award 2011“ gewannen Asif Khan, das Studio JUJU und Mischer'Traxler.
Asif Khan präsentierte eine spektakuläre Installation Namens Cloud, die aus mehreren Töpfen kleine Wolken austoss, welche nach und nach wieder vom Himmel fielen.
Design Miami/ Basel 2011
Asif Khan präsentierte eine spektakuläre Installation Namens Cloud, die aus mehreren Töpfen kleine Wolken austoss, welche nach und nach wieder vom Himmel fielen.

Mischer'Traxler gaben mit „Relumine“ dem abstrakten Begriff des Lichtstrahls materielle Substanz in Form einer Neon-Röhre, welche zwei Leuchten miteinander verbindet. Die Idee ist so simpel wie raffiniert. Allein die Tatsache, dass zwei Leuchten ein gemeinsames Leuchtmittel teilen, macht sie zu einem neuen Objekt.
Design Miami/ Basel 2011
Mischer'Traxler gaben mit „Relumine“ dem abstrakten Begriff des Lichtstrahls materielle Substanz in Form einer Neon-Röhre, welche zwei Leuchten miteinander verbindet

Studio JUJU's AT Lamp kokettiert mit der Form eines Hockers. Durch den veränderten Massstab und die Proportionierung der Standbeine wird die Verwechslung vermieden.
Dennoch mutet die Platzierung der Leuchten auf dem Tisch und im Regal ungewöhnlich an, da die archetypische Form unausweichlich mit Sitzen konnotiert wird.
Design Miami/ Basel 2011
Studio JUJU's AT Lamp kokettiert mit der Form eines Hockers

Das gesamte Layout der Design Miami/ Basel verdient auch eine Bemerkung: Von der dem jungen Design gewidmeten umlaufenden Galerie im Obergeschoss kann man sich einen guten Überblick über die untere Etage verschaffen, deren Wegleitung intelligent geführt ist. Statt gerader Gänge werden zwischen den Ständen immer wieder kleine Plätze geschaffen, wo sich die Möglichkeit zur Erfrischung und Kommunikation bei einem Getränk bot. Der Blick wurde auf diese Weise von der Linearen abgelenkt und es entstand ein Layout mit vielen der bei Ausstelllern begehrten Eckstände.
Design Miami/ Basel 2011
Von der dem jungen Design gewidmeten umlaufenden Galerie im Obergeschoss konnte man sich einen guten Überblick über die untere Etage verschaffen

Die Messearchitektur der Stände selbst war zugunsten der ausgestellten Objekte schlicht gehalten. Bemerkenswert war die rote Prouvé-Struktur der Galerie Jousse Enterprise aus Paris. Philippe Jousse hält die Präsentation der Prouveschen Möbel im Kontext seiner Architektur für wichtig, da er denselben, modularen Ansatz hat, in dem jedes Element alleinige Gültigkeit haben kann: „As a dealer, his furniture almost instinctively appealed to me first, because they constitute the initial elements of an integral approach. That is also why it was of special importance to organize an exhibition at scale 1 of his architectural elements, considering that each segment can be featured individually and has its own conceptual autonomy.“
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Philippe Jousse der Galerie Jousse Enterprise hält die Präsentation der Prouveschen Möbel im Kontext seiner Architektur für wichtig

Die Galerie Patrick Seguin widmete sich auch dem grossen Architekten, der die moderne Element-Bauweise perfektionierte. Zwei Teams bauen einen demontierbare Notbehausung für die Kriegsopfer des zweiten Weltkrieges jeweils auf und wieder ab. Von den 6x6 Meter grossen, standardisierten Bungalows sind nur wenige Exemplare erhalten, obwohl eine grosse Anzahl von ihnen, als Bausatz verpackt, an die unterschiedlichsten Orte transportiert und für die obdachlose Bevölkerung in kürzester Zeit montiert wurde.
Design Miami/ Basel 2011
Zwei Teams der Galerie Patrick Seguin bauen einen demontierbare Notbehausung Prouvés für die Kriegsopfer des zweiten Weltkrieges jeweils auf und wieder ab

Design Miami/ Basel 2011
Modelle der Notbehausungen für Kriegsopfer von Jean Prouuvé bei der Galerie Patrick Seguin

Jean Prouvé erhielt für diese Leistung eine Ehrenmedaille. Viel bemerkenswerter ist jedoch, dass ein Werk des ökonomischen Notstandes, das für das Grundbedürfnis einer gebeutelten Generation nach einem Dach über dem Kopf entstanden ist, nun als Kunst gehandelt wird.

Auch an oberflächlicheren Werten wie dem Celebrity-Faktor hat die Design Miami/ Basel nicht verloren. Nur richten sich die Linsen der Fotografen statt auf die Veranstalter nun mehr auf die Promi-Besucher: Naomi Campbell war samt Oligarch und Entourage vor Ort, um sich die besten Stücke bereits bei der Preview zu sichern. Gleich mitnehmen konnte man diese jedoch nicht.