Das Bauhaus kommt aus Weimar


Klassik Stiftung Weimar feiert den 90. Geburtstag der Gründung des Bauhauses
 

Das Bauhaus kommt aus Weimar
Foto: DPA

Anlässlich des 90-jährigen Gründungsjubiläums des Staatlichen Bauhauses Weimar veranstaltet die Klassik Stiftung mit »Das Bauhaus kommt aus Weimar« vom 1. April bis 5. Juli 2009 eine grosse Übersichtsschau zu den frühen Jahren der legendären Gestaltungsschule. In den wenigen Jahren seines Bestehens wurde das Bauhaus zur wichtigsten und einflussreichsten Gestaltungshochschule des 20. Jahrhunderts. Die im Bauhaus entwickelte Formenwelt prägt bis heute auf vielfältige Weise Kunst und Alltag, Design und Architektur. Zahlreiche Bauhaus-Objekte, die zu den Klassikern der Designgeschichte des 20. Jahrhunderts zählen, wurden bereits in der Weimarer Phase des Bauhauses von 1919 bis 1925 entwickelt. Weimar als Laboratorium darzustellen, in dem vorausgedacht wurde, was dann in den weiteren Stationen in Dessau und Berlin zur Entfaltung gelangte und weltweite Akzeptanz fand, ist das zentrale Anliegen der Ausstellung.
Das Bauhaus kommt aus Weimar
Unbekannt: Schirm zur Farbenlehre auf Holzfuss, 1791/92 oder 1805/06. Holz, Leinwand, Papier 73 x 72 x 2,5 x 2,5 cm Fuss: 65,5 x 35 cm © Klassik Stiftung Weimar

»Das Bauhaus kommt aus Weimar« wird an fünf Stationen bekannte und weniger bekannte Facetten des frühen Bauhauses vorstellen: Bauhaus-Museum (Besucherinformation, Comic-Panorama und Einführungsfilm), Goethe-Nationalmuseum (Freie Kunst, Farben- und Metamorphosenlehre), Neues Museum (Werkstätten), Schiller-Museum (Spiel, Fest und Bühne) und Haus am Horn (Siedlungsgeschichte und Architektur). Auf 3.400 Quadratmetern sind rund 1.200 Exponate aus internationalen Sammlungen, darunter Leihgaben aus dem Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum in New York, dem Centre Georges Pompidou in Paris, dem Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid sowie der Josef und Anni Albers Foundation in Bethany, USA, zu sehen. In besonderem Masse hat das Bauhaus-Archiv in Berlin die Ausstellung mit Leihgaben unterstützt, ebenso die Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln, das Zentrum Paul Klee in Bern, die Stiftung Bauhaus Dessau, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Staatlichen Museen zu Berlin sowie die Daimler Kunst Sammlung.
Das Bauhaus kommt aus Weimar
László Moholy-Nagy: Nickel-Plastik, 1921, The Museum of Modern Art, New York, Schenkung Mrs. Sibyl Moholy-Nagy, 1956. Nickel-Plastik, vernickeltes Eisen, geschweisst 35,9 x 17,5 x 23,8 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Das Bauhaus-Museum dient als zentraler Empfangs-, Einführungs- und Informationsort der Ausstellung. Ein begehbares Comic-Panorama auf der Basis historischer Fotos und Zitate wurde von der Kölner Agentur AreWeDesigner | European Design Hasardeure entwickelt.
Ein für die Ausstellung produzierter Film der Weimarer Firma ostlicht filmproduktion gibt Einblick in die Geschichte der Weimarer Republik und des Bauhauses. Der Film arbeitet u.a. mit historischen Aufnahmen aus den 20er bis 60er Jahren, darunter Interviews mit Walter Gropius und Felix Klee und verwendet bislang nicht veröffentlichtes Material aus privaten Archiven, darunter Bilder vom Haus am Horn.

Meisterwerke der freien Kunst der Bauhaus-Künstler, Malerei, Skulptur, Grafik und Fotografie sind im Goethe-Nationalmuseum ausgestellt. Arbeiten von Gerhard Marcks, Lyonel Feininger, Johannes Itten, Georg Muche, Lothar Schreyer, Paul Klee, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und László Moholy-Nagy thematisieren u.a. die Hinwendung zu Konstruktivismus und neuer Figürlichkeit und zeigen damit die Vielschichtigkeit am Weimarer Bauhaus. Ein weiteres Ausstellungskapitel stellt die Bedeutung der Farbenlehre und Morphologie Goethes für frühe Design-Objekte vor.
Das Bauhaus kommt aus Weimar
Wassily Kandinsky: Bilder einer Ausstellung, Szenenentwurf zu Bild XVI: Das grosse Tor von Kiew, ca.1930. Theaterwissenschaftliche Sammlung, Universität zu Köln. Tusche, Tempera, Aquarell auf Fabrino-Bütten 21,2 x 27,3 cm auf 39 x 57 cm © VG Bild-Kunst

Die Entwicklung der Arbeit in den Bauhaus-Werkstätten von frühen, insgesamt sehr expressiven Arbeiten hin zum Design wird im Neuen Museum deutlich. Vor allem in der Metallwerkstatt und der Tischlerei des Bauhauses entstanden Objekte, die heute zu den Klassikern der Designgeschichte zählen, darunter die berühmte Bauhaus-Lampe von Wilhelm Wagenfeld. In einigen Werkstätten, etwa in der Keramikwerkstatt, wurde bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Weg zur seriellen Fertigung gesucht. Bereits Henry van de Veldes Kunstgewerbeschule gab den Impuls für neue Ansätze der Produktgestaltung in Weimar, worauf die Ausstellung ebenfalls eingeht. Ein besonderer Höhepunkt im Neuen Museum sind die Teppiche aus der Bauhaus-Sammlung der Klassik Stiftung, die für die Ausstellung mit Unterstützung der Vorwerk Teppichwerke restauriert wurden.

Das Schiller-Museum widmet sich dem Thema Spiel, Fest und Bühne am Bauhaus. Hier wird die Lust am Experimentieren und die Geselligkeit, wichtiger Bestandteil des Lebens am Bauhaus, sichtbar. Visionen und Utopien fanden sowohl auf der Bühne als auch in phantasievollen Festen Ausdruck. Zu sehen sind Bühnenwerke von Lothar Schreyer, Beispiele von Schülerarbeiten zum »Mechanischen Ballett« und zur Marionettenbühne, Bühnenwerke von Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky sowie utopische Bühnenprojekte von László Moholy-Nagy sowie Konzeptionen für Theaterräume von Walter Gropius und Andor Weininger.In Zusammenarbeit mit der Bauhaus-Universität Weimar und dem Freundeskreis der Bauhaus-Universität wird schliesslich im Haus am Horn das Thema Architektur aufgenommen. Obwohl Architektur als Lehrfach erst in Dessau 1927 eingeführt wurde, fand für die Studierenden bereits in Weimar ein vorbereitender Kurs von Walter Gropius und Adolf Meyer statt. Die Geschichte des Hauses am Horn, das 1923 unter Beteiligung aller Bauhauswerkstätten entstand und als frühestes erhaltenes Zeugnis der Bauhausarchitektur gilt, wird in diesem Zusammenhang ebenso vorgestellt wie die Entwürfe für eine Bauhaus-Siedlung in Weimar.
Das Bauhaus kommt aus Weimar
Paul Klee: Rosenwind, 1922, 39, Zentrum Paul Klee, Bern, Schenkung Livia Klee. Ölfarbe auf Grundierung auf Papier auf Karton 38,2 x 41,8 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Die Ausstellung integriert zeitgenössische Arbeiten von Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar und jungen Künstlern. So ist im Treppenhaus des Goethe-Nationalmuseums ein Werk der Künstlerin Kathrin Heesch zu sehen, die eine vom Bauhaus inspirierte Farbenlehre entwickelt hat. Eine zeitgenössische Umsetzung der utopischen Bühnenprojekte László Moholy-Nagys zeigt das Künstlerduo schroeter und berger im zweiten Obergeschoss des Schiller-Museums. »marke.6«, die studentische Galerie der Bauhaus-Universität, präsentiert als Teil der Ausstellung »Das Bauhaus kommt aus Weimar« filmische Experimente und architektonische Kino-Entwürfe des historischen Bauhauses in Verbindung mit Arbeiten aktueller Künstler, Filmemacher und Gestalter im Untergeschoss des Neuen Museums.

Die Ausstellungsarchitektur von »Das Bauhaus kommt aus Weimar« stammt von dem Kölner Büro meyer voggenreiter projekte. Sie möchte den Dialog zwischen Betrachter und Exponat fördern und wählt dabei ein auf wenige Elemente reduziertes System. Um die verschiedenen Orte der Ausstellung zu markieren und zu verbinden, befinden sich vor dem Bauhaus-Museum, dem Goethe-Nationalmuseum sowie am Neuen Museum und am Schiller-Museum sogenannte Texthecken. Die von den Architekten der Ausstellung in Kooperation mit dem Büro BEL entwickelten Installationen verwenden Zitate von Walter Gropius. Die Texthecken reflektieren die Beziehung des Bauhauses zu Weimar als kulturellen Ort der Sprache und Literatur und ebenso als realen Ort. Das Zitat ist in Weimar ein sehr gängiges Mittel, um Themen und Inhalte in die Öffentlichkeit zu tragen. Auf der anderen Seite ist Text, besonders in der Form des Manifestes, ein wichtiges Äusserungs- und Propagandamittel des Bauhauses gewesen.

Die Ausstellung »Das Bauhaus kommt aus Weimar« begleitet ein vielfältiges Rahmenprogramm, das verschiedene Aspekte der stilbildenden Kunstschule einem breiten Publikum näher bringen möchte. Zu den Angeboten zählen u.a. Kuratorenführungen, Puppenspiele mit Nachbauten der von Paul Klee für seinen Sohn Felix gebauten Handpuppen, ein BAUHAUSmenü rund um das Thema Lebenskultur am Bauhaus, die bauhaus-bags, die Offene Werkstatt im Schiller-Museum, Konzerte, Vorträge, Lesungen sowie eine Bauhaus-Nacht.
Das Bauhaus kommt aus Weimar
Johannes Itten: Farbenkugel in 7 Lichtstufen und 12 Tönen, 1921, Klassik Stiftung Weimar. Lithografie 47 x 32 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2009
Informationen zum Rahmenprogramm Informationen zum Rahmenprogramm

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Katalog begleitet. Gegliedert in die Kapitel der Ausstellung, führt er durch die Geschichte der Schule bis zu ihrer Vertreibung 1925 und verweist gleichzeitig auf die vielfältigen Beziehungen des Bauhauses zum Traditionsort Weimar. Im Mittelpunkt steht die umfassende Darstellung der Bauhauswerkstätten, der Entwicklung des pädagogischen Profils und des legendären Vorkurses sowie des Schaffens der Bauhausmeister. Die Autoren gehen dabei der Frage nach den Verbindungen der einzelnen künstlerischen und pädagogischen Positionen zum klassischen Erbe Weimars nach. Gestaltung und Realisierung des Katalogs sowie des gesamten Corporate Identity der Ausstellung übernahm die Weimarer Agentur Goldwiege | Visuelle Projekte.
Auch das Jahrbuch 2009 der Klassik Stiftung mit dem Titel »Klassik und Avantgarde. Das Bauhaus in Weimar 1919–1925«, u.a. mit Beitragen von Magdalena Droste und Wolfgang Pehnt, beleuchtet das facettenreiche Kunstschaffen am Weimarer Bauhaus und reflektiert das schwierige Verhältnis der staatlichen Kunstschule zur zeitgenössischen Öffentlichkeit.
Ein besonderes Angebot ist ein bilingualer Kinderkatalog zum Thema Bauhaus, der von Kindern für Kinder geschrieben wurde und im Rahmen eines gemeinsamen Projekts der Klassik Stiftung Weimar mit der thuringia international school weimar, ThIS, entstanden ist.

Hauptförderer der Ausstellung »Das Bauhaus kommt aus Weimar« sind die Sparkassen-Finanzgruppe, der Freistaat Thüringen und die Ernst von Siemens Kunststiftung. Die Restaurierung der Bauhaus-Teppiche aus der Sammlung der Klassik Stiftung wurde ermöglicht mit freundlicher Unterstützung der Vorwerk & Co. KG, Hameln.
Das Bauhaus kommt aus Weimar
Peter Keler: Kinderwiege, 1922. Holz, farbig lackiert Seitengeflecht 91,7 x 91,7 x 98 cm © Klassik Stiftung Weimar

Ausstellungsdaten
1. April bis 05. Juli 2009
Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr
Bauhaus-Museum | Am Theaterplatz | 99423 Weimar
Neues Museum Weimar | Weimarplatz 5 | 99423 Weimar
Schiller-Museum | Schillerstrasse 12 | 99423 Weimar
Goethe-Nationalmuseum | Frauenplan 1 | 99423 Weimar
Haus am Horn | Am Horn | 99423 Weimar

Katalogdaten
»Das Bauhaus kommt aus Weimar«
Mit Beiträgen von Ute Ackernann, Ulrike Bestgen, Thomas Föhl, Gisela Maul, Nicole Mende, Sabine Schimma, Michael Siebenbrodt und Dorothea Stoeber.
380 Seiten mit 343 farbigen und 167 schwarz-weissen Abbildungen, 35€
ISBN: 978-3-422-06883-4

Jahrbuch 2009
Klassik und Avantgarde. Das Bauhaus in Weimar 1919 – 1925.
Herausgegeben von Hellmut Th. Seemann und Thorsten Valk
Wallstein Verlag, 28€
ISBN: 978-3-8353-0451-2

Bilingualer Kinderkatalog zum Bauhaus in Weimar
(gültig auch über die Laufzeit der Ausstellung »Das Bauhaus kommt aus Weimar« hinaus)
»Half-moon, red wings, form and function – Weisst Du, was das Bauhaus ist?«
Redaktion: Nadja Kupsch, Klassik Stiftung Weimar | Bernd Helmbold, ThIS
38 Seiten, dt./engl., 8 €
Das Bauhaus kommt aus Weimar
Wilhelm Wagenfeld: Tischlampe (Glasversion MT9/ME1), 1923/24, Klassik Stiftung Weimar. Messing vernickelt, versch. Gläser H 38 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2009
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Das Bauhaus kommt aus Weimar
Unbekannt: Das Leben am Bauhaus Weimar: Bauhäusler und Gäste, um 1922. Silbergelatinepapier Abzug: 11,1 x 8,4 cm © Bauhaus-Archiv Berlin

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Foto: Goldwiege
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