Susanne Fritz

Autor

Susanne Fritz
Zürich   Schweiz

Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau


Im zweiten Teil der Artikelreihe „Beton in der Architektur“ zeigt Architonic, dass Beton keineswegs maus-grau sein muss. Von sanften Tönen über starke Leuchtkraft kann er die vielfältigsten farblichen und emotionalen Kolorite annehmen. Architonic stellt Ihnen im Folgenden verschiedene Techniken vor, um dem Material Beton Farbe zu verleihen.
In der zeitgenössischen Architektur wird Beton nicht nur als klassischer Sichtbeton eingesetzt, sondern gewinnt als Fassadenverkleidung in Form von Elementen zunehmend an Bedeutung. Auch dazu haben wir innovative architektonische Lösungen für Sie recherchiert.
 

Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
Bodega Antión, La Rioja, Spanien: Mit Bayferrox® Pigmenten eingefärbter Sichtbeton

Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
Bodega Antión, La Rioja, Spanien: Auch im Inneren ist der gelb pigmentierte Beton sichtbar

Eine sehr subtile Art, Beton einzufärben, ist mittels der Beimischung diverser Zuschlagstoffe möglich. Die Zementfarbe bleibt dabei zwar gleich, es ist jedoch möglich, den Zuschlag durch das Abtragen der Feinmörtelschicht völlig oder partiell freizulegen und dadurch sichtbar zu machen. Eine Methode ist das Auswaschen des Betons mittels Chemikalien oder Wasserhochdruck, eine andere z.B. das Sandstrahlen der Betonoberfläche.
Wie stark der Zuschlag zur Geltung kommt, hängt von seiner Farbe, Körnung und auch vom farblichen Kontrast der Beimischung zum verwendeten Zement ab. Ist die Zementfarbe grau, kommt die Farbe des Zuschlags weniger stark zur Geltung als bei einem weissen Hochofenzement. Wird umgekehrt der Zement mittels Pigmenten dunkel eingefärbt, kommt ein heller Zuschlag besser zur Geltung.
Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
ColorCoats von Fabrino: Glasgranulate, die durch ihre Umhüllung mit Kunststoff eine Reaktion mit dem Beton verhindern

Neben verschiedenen Natursteinen oder Basalt und Lava bieten sich auch Recyclingstoffe wie Glas, Ziegelbruch oder Schlacken als Zuschläge an.
Mit Leichtzuschlägen wie Blähton oder Bims oder Schwerzuschlägen wie Schrott lässt sich zudem das Gewicht des Betons beeinflussen.
Glas als Zuschlagstoff kann einen sehr ästhetischen Effekt haben. Die bisherige Problematik bestand jedoch in der Reaktion der alkalilöslichen Kieselsäure des Glases mit dem Alkalihydroxid des Betons: Dadurch entsteht Alkalisilikatgel, welches den Beton angreift und die Bausubstanz beschädigt.
Mit dem Produkt Color Coats entwickelte Fabrino gemeinsam mit der Firma Verano Glasgranulate, die durch ihre Umhüllung mit Kunststoff eine Reaktion verhindern. Color Coats ist in einem breiten Farbspektrum und verschiedenen Körnungen erhältlich, sowie als phosphorisierendes Glas für faszinierende Leuchteffekte in der Dunkelheit.
Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
Wohnüberbauung „Pflegi-Areal“ von den Schweizer Architekten Annette Gigon und Mike Guyer

Eine weitere Möglichkeit, dem Beton Farbe zu verleihen, ist das Lasieren des Betons.
Durch eine Lasur ist es möglich, die Struktur und die natürliche Farbe des Sichtbetons hervorzuheben. Mittels farbigen Lasuren kann dem Beton auch eine transparente Tönung verliehen werden, ohne seine Struktur zu verdecken: Je nach Verdünnungsgrad werden die Farben mehr oder weniger deckend und intensiv.
Eine Lasur ist eine oberflächliche Farbschicht, die nicht tief in den Beton eindringt und im Laufe der Jahre erneuert werden muss, ihn jedoch auch vor Witterung schützt und hydrophobiert. Die Fassaden der von der Stadt Zürich mit der Auszeichnung für gute Bauten prämierten Wohnüberbauung „Pflegi-Areal“ von den Schweizer Architekten Annette Gigon und Mike Guyer wurde mit dem Produkt Concretal der Firma Keim lasiert.

Eine Durchfärbung des Betons erreicht man mit dem Zusatz von Pigmenten, wie zum Beispiel dem Produkt Bayferrox®, das von der Firma Lanxess angeboten wird.
Auch Holcim und Sika haben Eisenoxid-Pigmente im Programm. Mit Eisenoxid Pigmenten lassen sich Farbspektren von violett, rot, orange, gelb, über braun bis schwarz abdecken. Grüntöne lassen sich mit den wesentlich teureren Pigmenten auf Chromoxidbasis realisieren.
Um eine homogene Pigmentierung zu erzielen, ist es ideal, eingefärbten Beton im Werk herstellen zu lassen, wo quasi Laborbedingungen herrschen: Dort wird der Beton gut durchmischt, was eine konstante Zusammensetzung und Durchfärbung gewährleistet.
Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
Führungs- und Schulungszentrum der Berufsfeuerwehr Köln von BFM Architekten

Ein revolutionäres Produkt brachte Sika vor kurzem auf den Markt. Sika® Color FF ist eine wässrige Aufbereitung, die eine klümpchenfreie Verteilung der Pigmente garantiert und zahlreiche weitere Vorteile bietet: Da das Pigment in aufgeschlossener Form vorliegt, besitzt es eine hohe Farbentfaltungskraft; Die Flüssigpigmente lassen sich einfach dosieren oder bei grösseren Projekten mittels einer Dosieranlage beimischen. Ausserdem ist die Zugabe in den fertigen Beton oder direkt in den Fahr-Mischer möglich.
Was die Pigmente jedoch für die Gestaltung besonders macht, ist ihr breites Farbspektrum:
Mit Sika® Color FF sind auch Blau- und Grüntöne möglich, die sich mit Eisenoxid Pigmenten nicht erzielen lassen.
Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
Führungs- und Schulungszentrum der Berufsfeuerwehr Köln von BFM Architekten

Rot – diese Farbe ist wohl eine kollektive Assoziation beim Gedanken an die Feuerwehr. Für das Führungs- und Schulungszentrum der Berufsfeuerwehr Köln war die Farbgebung der Fassade in diesem leuchtenden Farbton deshalb naheliegend. Auch hier kam pigmentierter Sichtbeton zum Einsatz für das Fassadengitter des Rundbaus aus 32 vorgefertigten Betonelementen.
Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
Die niederländischen Architekten Wiel Arets schufen eine sehr markante Struktur aus vorgefertigten, hellen Beton-Elementen

Die niederländischen Architekten Wiel Arets schufen eine sehr markante Struktur aus vorgefertigten, hellen Beton-Elementen. Durch das intensive Sonnenlicht Spaniens kommen die durch die Schatten des Reliefs erzeugten Hell-Dunkel-Kontraste besonders stark zur Geltung. Rene van Zuk, ebenfalls ein niederländisches Architektur-Büro, setzten beim Projekt „Zilverparkkade“ vorgefertigte Betonelemente vor einen Hintergrund aus schwarz durchgefärbtem Sichtbeton ein. Die verästelte Struktur bildet einen Rapport, das heisst ein Endlos-Muster, das sich um das ganze Gebäude spannt.
Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
René van Zuuk, Projekt Zilverparkkade: Die verästelten Betonelemente vor der Verglasung und vor schwarz pigmentierten Betonplatten

Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
Schalung der Betonelemente für das Projekt Zilverparkkade

Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
René van Zuuk, Projekt Zilverparkkade: Die verästelten Betonelemente vor der Glasfassade des Bürogebäudes

Betonfertigteile eignen sich jedoch nicht nur für die Aussenfassade: Auch im Innenbereich lassen sich mit Beton reizvolle Oberflächen schaffen. Die Firma REC beispielsweise stattete das Corbusierhaus Berlin mit BetonLith® Bodenplatten aus Beton-Schiefer aus – natürlich in Modulormaßen. An Beton erinnert diese Oberfläche jedoch nicht, sondern besitzt, wie der Name schon sagt, eher die Optik des Natursteines Schiefer, ist jedoch weit unempfindlicher im Objektbereich.

Doch nicht nur Schiefer, sondern auch Sandstein- und Terracotta-Optik lässt sich mit Beton auf ästhetische Weise herstellen, wie zum Beispiel mit Rieder fibreC Bodenelementen. Klimex hat sich auf Betonteile mit Strukturen von Holz und Naturstein spezialisiert und erreichte, dass die Produkte keineswegs die Wirkung eines kitschigen Imitats besitzen.
Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
Leichtbeton für den Innenbereich: Bologna von Klimex

Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
Stonewood von Klimex

Für Landschaftsgestaltung und im städtebaulichen Kontext geeignet sind die Betonplatten „Öko-City-Truck“ der Firma Kronimus: Das grossformatige Betonpflaster ist befahrbar und versickerungsaktiv, was insbesondere bei grossen versiegelten Flächen relevant ist.
Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
Betonplatten „Öko-City-Truck“ der Firma Kronimus

Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
Versickerungsaktiv und daher umweltfreundlich: Betonplatten „Öko-City-Truck“ der Firma Kronimus

Die Firma Ehl bietet ebenfalls organisch anmutende „Holz“-Schwellen aus Beton an – und ein ganz andersartiges, sehr geometrisches Produkt: Rombaflair® bietet mit nur einem Steinformat eine Vielzahl von Verlegevarianten.
Durch die rhomben-förmigen Steine und die Kombination von hellen und dunklen Nuancen wie weiss, grau und anthrazit lassen sich raffinierte räumliche Effekte erzielen.
Beton in der Architektur (2): Nicht wirklich grau
Rombaflair® bietet mit nur einem Steinformat eine Vielzahl von Verlegevarianten

Einen grossen Trend stellen in letzter Zeit Betonfertigteile im Innenraum dar, wie Küchenarbeitsplatten und Möbel. Auch im Produktdesign gewinnt Beton zunehmend an Relevanz. Dies stellt eine weitere Kategorie der unzähligen Erscheinungsbilder des faszinierenden Materials Beton dar, auf die wir im nächsten Artikel eingehen möchten.

René van Zuuk Architekten René van Zuuk Architekten

BFM Architekten Partnerschaft BFM Architekten Partnerschaft

REC Bauelemente auf Architonic REC Bauelemente auf Architonic

Wiel Arets Architekten auf Architonic Wiel Arets Architekten auf Architonic

Zum Artikel: Beton in der Architektur (1) : Einerseits stigmatisiert - andererseits zelebriert Zum Artikel: Beton in der Architektur (1) : Einerseits stigmatisiert - andererseits zelebriert