Autor

Nils Becker
Zürich   Schweiz

90 Jahre Bauhaus


Blaupause des Modernen Designs
 

Vor genau 90 Jahren wurde in Weimar die Institution gegründet, die wie keine andere die Architektur, das Design und die Kunst im 20. Jahrhundert geprägt hat.
90 Jahre Bauhaus
Marcel Breuer, Clubsessel B 3, zweite Version 1926. Foto: Hartwig Klappert, Berlin, Stiftung Bauhaus Dessau

Das Bauhaus war eine der ersten Hochschulen für Gestaltung und hat in den 14 Jahren seiner Existenz nicht nur zahlreiche der bedeutendsten Künstler, Architekten, Designer und Grafiker seiner Zeit vereint, sondern auch eine Blaupause für die umfassende Gestaltung und Modernisierung der Industriegesellschaft geliefert. Wie allgemeingültig und einfach die Gestaltungsprinzipien des Bauhauses sich weltweit für viele Aufgabenstellungen adaptieren liessen, konnten weder die Lehrer und Studierenden noch der Rest der Gesellschaft erahnen. So musste die Schule auf Druck konservativer politischer Kräfte mehrfach ihren Standort wechseln: Von Weimar über Dessau nach Berlin, wo das Bauhaus 1933 unter dem politischen Druck der Nationalsozialisten geschlossen wurde.

Paradoxerweise war gerade die politische Drangsalierung des Bauhauses Auslöser für die Entfaltung seiner weltweiten Bedeutung. Viele der ehemaligen Lehrer emigrierten in die Vereinigten Staaten und nahmen dort als Professoren grossen Einfluss auf Generationen von Architekten und Produktgestaltern. Walter Gropius und Marcel Breuer lehrten an der Harvard University, Mies van der Rohe am IIT in Chicago, Josef Albers am Black Mountain College, um nur einige zu nennen.
So wundert es nicht, dass der Begriff Bauhaus zum Stil wurde und heute generell für eine radikale Modernisierung in Architektur und Alltagswelt mit allen negativen Begleiterscheinungen und Auswüchsen steht.
90 Jahre Bauhaus
Walter Gropius, 1928. Foto: Associated Press, Berlin Bauhaus-Archiv Berlin


Heute ist das Bauhaus kulturelles Allgemeingut geworden. Das pädagogisch-politische Ziel seiner Gründungsväter scheint jedoch nur teilweise erreicht. Denn die als günstige Industrieprodukte konzipierten Möbel und Leuchten gehören heute zu den teuersten und begehrtesten Luxusartikeln. So erklärt sich auch das paradoxe Phänomen, dass viele der Entwürfe heute in billigster Machart kopiert oder abgewandelt werden. Die offiziellen Hersteller der Originalentwürfe müssen heute einen grossen Anteil ihrer Einnahmen in juristische Verteidigungskämpfe stecken, doch das Ziel, alle billigen Kopien aus dem Verkehr zu ziehen, ist mühsam bis aussichtslos. Dabei geht es nicht nur um entgangene Einnahmen, sondern um den Schutz der eigenen Kunden und die Pflege des Erbes der Gestalter.
So leisten die Jubiläumsveranstaltungen im Martin-Gropius-Bau in Berlin und dem New Yorker Museum of Modern Art mehr als nur einen historischen und kunstgeschichtlichen Dienst: sie heben die Entwürfe des Bauhauses wieder ins Scheinwerferlicht und lassen unverfälscht die Qualität der Werke erstrahlen, die in der Masse der ähnlichen, abgewandelten, kopierten, inspirierten Produkte unterzugehen drohen.

Architonic präsentiert anlässlich des Bauhaus-Jubiläums eine umfassende Auswahl von autorisierten Bauhaus-Entwürfen, die heute noch oder wieder in Produktion sind.
90 Jahre Bauhaus
Zur Architonic Auswahl 'Bauhaus: The Originals' Zur Architonic Auswahl 'Bauhaus: The Originals'

Modell Bauhaus. Die Ausstellung
Martin-Gropius-Bau, Berlin
22. Juli - 4. Oktober 2009
Zur Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Zur Ausstellung im Martin-Gropius-Bau

Bauhaus 1919–1933: Workshops for Modernity
Museum of Modern Art, New York
8. November 2009 - 25. Januar 2010
Zur Ausstellung im MoMA Zur Ausstellung im MoMA