'Modell Bauhaus'


Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Berlin
 

Was ist das Modell Bauhaus für uns heute? Auf diese Frage antwortet die Szenografie von chezweitz & roseapple mit einer Ausstellungsdramaturgie, die die drei Phasen des Bauhauses in Weimar, Dessau und Berlin räumlich erlebbar macht und sich als radikale Absage an die eindimensionale schwarzweiss Sicht auf das Bauhaus versteht: Das Bauhaus ist bunt und sehr lebendig!
'Modell Bauhaus'
Bauhausmeister auf dem Dach des Bauhauses in Dessau, 1926 anlässlich der Eröffnung am 5. Dezember 1926.

Neunzig Jahre nach der Gründung des Bauhauses und zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer ist 'Modell Bauhaus' die erste Ausstellung, die die drei deutschen Institute, die das Bauhaus-Erbe bewahren und erforschen – Bauhaus-Archiv Berlin, Stiftung Bauhaus Dessau und Klassik Stiftung Weimar – gemeinsam gestalten. Mit rund 1.000 Exponaten ist sie die umfassendste Ausstellung, die je zum Bauhaus gezeigt wurde. Das Museum of Modern Art, New York, Kooperationspartner des Projekts, hat 25 Exponate nach Berlin gesandt und wird seine Ausstellung 'Bauhaus 1919 – 1933 Workshops for Modernity' ab dem 8. November 2009 in New York zeigen.
'Modell Bauhaus'
Walter Gropius, Arbeitsmodell zum Märzgefallenendenkmal, 1921. Klassik Stiftung Weimar © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Der Titel der Ausstellung markiert den Anspruch des Bauhauses als Orientierungs-
punkt gestalterischen Schaffens. Denn das Bauhaus verstand sich während der gesamten Zeit seines Bestehens, d.h. unter allen drei Direktoren Walter Gropius (1919-1928), Hannes Meyer (1928-1930) und Ludwig Mies van der Rohe (1930-1933) – wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung – als modellhaft: nicht nur hinsichtlich der Schaffung eines neuen Schultyps, sondern auch als Speerspitze einer zeitgemässen Kunst und Architektur, als Laboratorium zur Entwicklung mustergültiger Typen für die Industrie und nicht zuletzt als eine gesellschaftsverändernde Kraft, die einen modernen Menschentyp und seine Umwelt formen wollte.
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Heinrich Siegfried Bormann, Entwurf Kandem-Rohrtischleuchte Nr. 934, 1932. Bauhaus-Archiv Berlin. Foto: Hartwig Klappert, Berlin

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, welche Rolle die zwischen 1910 und 1933 relevanten künstlerischen Positionen Expressionismus, Futurismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Konstruktivismus und Surrealismus zeitgleich am Bauhaus spielten. Hierfür stehen u. a. Arbeiten von Gerhard Marcks, Georg Muche, Wassily Kandinsky, László Moholy-Nagy, Josef Albers, Herbert Bayer, Marcel Breuer, Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger, Paul Klee, Hannes Meyer, Ludwig Hilberseimer und Ludwig Mies van der Rohe. Die Ausstellung präsentiert aber nicht nur Arbeiten der Bauhaus-Meister, sondern vor allem auch Werke ihrer Schüler. Letztere führen die künstlerische Entwicklung der Schule vor Augen und öffnen den Blick auf die enorme Wirkungsgeschichte des Bauhauses auch gerade nach seiner Schliessung. Viele Bauhausschüler wurden später selber prägende Künstler ihrer Generation, wie etwa Wilhelm Wagenfeld, Max Bill, Richard Paulick, Marianne Brandt, Lux Feininger und viele mehr.
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Lyonel Feininger, Viadukt, 1920. Öl auf Leinwand 100,9 x 85,7 cm. Museum of Modern Art, New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Um der wechselvollen Geschichte und der vielseitigen Kreativität des Bauhauses gerecht zu werden, wählt die Ausstellung 'Modell Bauhaus' eine entwicklungs-
geschichtliche Perspektive. Sie setzt sich damit von früheren Präsentationen ab, die vorwiegend einer Gliederung nach den Werkstätten des Bauhauses folgten.
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Alfred Arndt, Farbpläne für die Aussengestaltung der Meisterdoppelhäuser in Dessau, 1926. Bauhaus-Archiv Berlin | BHA 976 © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Orientierung über den Farbkreis Ittens - Szenografie
Der Besucher betritt die Ausstellung durch eine Bauhauswand im historischen Foyer des Martin-Gropius-Baus. Die geometrischen Grundkörper Dreieck, Quadrat, Kreis werden in ihrer neuen Funktion als Schleusen zum Eingang, Durchgang und Ausgang der Ausstellung. Die Szenografie von chezweitz & roseapple, Detlef Weitz und Rose Epple, versteht sich als radikale Absage an die eindimensionale schwarzweisse Sicht auf das Bauhaus und macht die drei Phasen des Bauhauses – Weimar, Dessau und Berlin – mit der Ausstellungsdramaturgie räumlich erlebbar. In Anlehnung an Johannes Ittens Farbkreis legen Detlef Weitz und Rose Epple ein farbiges Band über die doppelte Ringstruktur des Martin Gropius-Baus und ordnen jedem Raum eine Farbe zu.
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Marcel Breuer / Gunta Stölzl, 'Afrikanischer Stuhl', 1921. Bauhaus-Archiv Berlin. Foto: Hartwig Klappert, Berlin

Do-It-Yourself Bauhaus (DIY Bauhaus)
Die Installation 'DIY Bauhaus – bau dir dein eigenes Bauhaus!' von Christine Hill ist ein künstlerischer Kommentar der Gegenwart zu einem Mythos. Christine Hill untersucht, wie das legendäre Bauhaus im Alltag und in der heutigen Wohnkultur angekommen ist. Leitend für Christine Hill ist die Idee des Bauhauses, dass die Aufgabe von Kunst und Design ohne die politisch-soziale Dimension unbestimmt bleibt. Ansatzpunkt für Christine Hill ist deshalb die Maxime von Hannes Meyer, dem zweiten Direktor des Bauhauses: 'Volksbedarf statt Luxusbedarf'. Parallel zur Kommerzialisierung von Bauhaus-Objekten für den Luxusbedarf geht die Trivialisierung von Bauhaus-Ideen einher. Hier setzt Christine Hill, die seit 1995 mit ihren 'Volksboutiquen' bekannt geworden ist, mit ihrer Installation an.
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Marcel Breuer (Entwurf und Ausführung) / Gerd Oschmann (Rekonstruktion) 'Toilettentisch der Dame' aus dem Versuchshaus des Bauhauses 'Am Horn', 1923 / 2004. Stiftung Bauhaus Dessau. Foto: Hartwig Klappert, Berlin

Ilka & Andreas Ruby, Endless Bauhaus, Videoinstallation, 2009
In ihrer Videoinstallation 'Endless Bauhaus' befragen Ilka & Andreas Ruby elf Personen der Zeitgeschichte zur heutigen Relevanz des Bauhauses. Ist das Bauhaus etwas historisch Abgeschlossenes oder hat es auch eine zeitgenössische Präsenz? Was ist von seinen ursprünglichen Intentionen noch übrig geblieben? An welche seiner Ambitionen lässt sich heute weiter anknüpfen? Welche Bauhaus-Ideen scheinen heute unerfüllbar? Gibt es etwas, das wir genuin dem Bauhaus verdanken? Ist der generalistische Anspruch des Bauhauses, seine Sehnsucht nach Einheit der schöpferischen Kräfte von Kunst, Handwerk, Technik und Wissenschaft heute anachronistisch geworden – oder brauchen wir eine solche Zielvorstellung mehr denn je angesichts einer sich immer stärker spezialisierenden Gesellschaft?
Um Antworten auf Fragen wie diese zu bekommen, haben sich Ilka & Andreas Ruby mit Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Gestaltungsbereichen getroffen, die Berührungspunkte mit dem Bauhaus haben – Architekten, Künstler, Kuratoren, Kommunikations- und Automobildesigner, Kunsthistoriker und Unternehmer. Die Aussagen der Gesprächspartner sind thematisch aufeinander bezogen und zu einem virtuellen Gespräch montiert worden.
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László Moholy-Nagy, Licht-Raum-Modulator, 1922-1933 (Replik 1970 nach dem Original im Busch-Reisinger Museum (Cambridge/Mass.) Foto: Hartwig Klappert, Berlin. Bauhaus-Archiv Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Parallel zur Ausstellung richten die drei deutschen Bauhaus-Institutionen (Bauhaus-Archiv Berlin, Stiftung Bauhaus Dessau und Klassik Stiftung Weimar) eine internationale Konferenz aus: bauhaus global. Veranstaltungsorte sind vom 21. bis 24. September der Martin-Gropius-Bau Berlin und vom 25. bis 26. September das Bauhaus Dessau.
Mehr als 30 Referenten, darunter führende Architektur-, Kunst- und Designtheoretiker sowie Kulturwissenschaftler und Historiker aus den USA, Russland, Grossbritannien, der Schweiz, Österreich und Israel sind eingeladen, um in Impulsreferaten, Vorträgen und Podiumsgesprächen die internationale Verortung des Bauhauses zu diskutieren.
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Ludwig Mies van der Rohe, Einsendung ’Wabe’ zum Ideenwettbewerb 'Hochhaus am Bahnhof Friedrichstrasse', 1922. Bauhaus-Archiv Berlin | BHA 8238 © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Ausstellungskatalog und Hörbuch erscheinen bei Hatje Cantz
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Wassily Kandinsky, Ohne Titel (aus der Mappe für Walter Gropius zum 18.5.1924), 1924. Bauhaus-Archiv Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2009
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