Mailand – Liebe mit bitterem Nachgeschmack
Salone del Mobile 2008
 
Mailands Salone Internazionale del Mobile ist ohne Zweifel der wichtigste Treffpunkt der internationalen Designszene – und wir lieben ihn! Dennoch können wir uns eines bitteren Nachgeschmackes nicht erwehren: wir haben mehr verpasst als wir uns in einer Woche ansehen konnten.
Es wäre unser aller Wunsch: eine Design-Mega-Messe pro Jahr, alles geben, alles nehmen und den Rest des Jahres konzentriert arbeiten. So effizient es auch wäre, es bleibt eine Illusion. Im Verhältnis zum Massenmarkt ist die Nische des Premiumsegmentes verschwindend klein und doch ist in einer Woche die Welt des Top-Designs mit mindestens 250 relevanten Ausstellern auf der Messe und vielen mehr in der Stadt nicht zu schaffen; weder für Fachhändler, noch für Anwender wie Architekten und Designliebhaber.
Spätestens nach zwei Stunden vor und in der vollkommen überfüllten U-Bahn und inmitten von Menschenmassen, die sich von einem Event zum nächsten schieben, drängt sich die Befürchtung auf, dass die kritische Masse in Mailand bereits überschritten ist. Und dennoch stehen noch über 400 Hersteller bei der Messe Schlange, um einen Stand zu ergattern. Gerüchte über eine neue Design-Halle mögen jene mit Hoffung erfüllen, wir stellen uns die Frage, wie solche Massen an Information und Kontakten innerhalb einer Woche noch umsetzbar sind. Denn eine Masseinheit können wir auch in Mailand als Konstante nicht negieren: das Geschäftsgespräch zwischen zwei bis vier Menschen, es lässt sich weder beliebig beschleunigen noch parallelisieren.
Unsere Begeisterung für Mailand ist ungebrochen, nirgendwo trifft man so viele interessante und relevante Menschen aus Design, Industrie, Handel und Architektur wie in dieser einen Woche in Mailand. Und doch sind wir froh, dass es auch jene unverzichtbaren lokalen und unterschiedlich ausgerichteten Messen wie in Stockholm, Kortrijk oder auch in Köln, Paris und London gibt; sie spielen neben und wegen Mailand eine zunehmend wichtige Rolle.

  Mailand – Liebe mit bitterem Nachgeschmack
 
 
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Erste Auslese
Vorab einige Neuheiten 2008
 
Kaum ein Aussteller wagt es, ohne Neuheiten in Mailand seine Zelte aufzuschlagen. Wenngleich bei weitem nicht alle Neulinge den Weg bis in die Serien-Produktion schaffen, sind sie der Gradmesser für Trends, Vitalität und Differenzierung der Branche. Unsere Redakteure sichten gerade hunderte von Bildern und haben für Sie bereits einige Kostproben zusammengestellt. Die Übersicht ist weder vollständig noch repräsentativ - ein Vorgeschmack auf das grosse Sonderthema aller von uns ausgewählten Mailand-Neuheiten, das wir Ihnen in Kürze präsentieren werden.
  Erste Auslese  
Alias, Riccardo Blumer with Matteo Borghi | Artek, Alvar Aalto | Baleri Italia, Xavier Lust
   
B&B Italia, Jean-Marie Massaud | Cappellini, Barber+Osgerby | Cassina, Konstantin Grcic
   
Classicon, Barber+Osgerby | De Padova, Patricia Urquiola | Desalto, Marco Acerbis
   
Flexform, Antonio Citterio | Glas Italia, Antonio Citterio | Lapalma, Alfredo Häberli
   
Magis, Naoto Fukasawa | MDF Italia, Neuland Industriedesign | Mobles 114, Martin Azúa
   
Modus, Christophe Pillet | Pastoe, Maarten van Severen | Moroso, Patricia Urquiola
   
Plank, Konstantin Grcic | spHaus, Alain Berteau | Porro, Nick Rennie
   
Vitra, Jasper Morrison | Wogg, Frédéric Dedelley | Zanotta, Emaf Progetti
Weitere Neuheiten von Mailand 
 
 
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Jung & Gut
Impressionen vom Salone Satellite und der Milan Design Week
 
Der Salone Satellite präsentierte sich dieses Jahr wieder in seinem eigenen Pavillon. Etwas abseits vom allgemeinen Messetreiben, wurde man von einem sehr angenehmen, luftigen Raumklima empfangen – natürlich nicht vergleichbar mit der grandiosen Halle im alten Messegelände. Zumindest wurde das diesjährige Motto 'Go green!' mit der einfachen Temporärarchitektur spürbar. Einem Gewächshaus gleich, in dem 'knospende Designer erblühen' und sich eine 'Explosion aus Grün' entfaltet, versprach der offizielle Pressetext. Ob hier das Stockholmer 'Greenhouse' gen Süden abgefärbt hat?
Motto hin oder her - der 11. Satellite hinterliess einen inspirierenden und positiven Eindruck. Viele internationale Designer warteten mit Mut zu inszenierten Ständen auf, die ein Genuss für's Auge waren. Allen voran dieses Jahr: die Finnen. Entsprechend zeugten auch die vorgestellten Produkte von sehr hoher Qualität und viel Potential.

  Jung & Gut  
Stand von Kokoomo, Finnland
   
Stand von VOW, Finland

Junges und gutes Design ist während der Milano Designweek natürlich nicht nur im Satellite zu entdecken. Andere Plattformen wie 'Designersblock' UK, 'Tuttobene' NL und eine Vielzahl von weiteren Events hielten die Trendscouts auf Trab. In unserer Rubrik 'News & Trends' wird bald mehr zu sehen sein.

   
Designersblock in der Piscina Argelati
   
'Inflatable Cinema' von Lambert Kamp bei Designersblock
   
'Crystal Virus', Pieke Bergmans, Droog 'A Touch of Green'
   
'Simply Concrete' von Stephan Schulz, Deutschland
 
 
Architektur der Präsentation
Fundstücke inspirierender Messestände
 
Oft nimmt man die teilweise hochwertige und enorm aufwändige Architektur der Messestände kaum wahr, weil unsere Aufmerksamkeit den neuen Produkten und alten Bekannten gilt. Um die richtige Kulisse für die Neuheiten und ihre Markenidentität zu kreieren, scheinen manche Aussteller keine Kosten für die Erstellung inspirierender Räume der Präsentation zu scheuen. Wir haben deshlab einige Blicke auf neue Materialien und in stimmungsvolle Rauminszenierungen für Sie eingefangen.

  Architektur der Präsentation
 
 
 
 
 
Urbaner Designevent
Ausstellungen und Installationen in der Stadt
 
Die Ausstellungen und Events, die während der Messe in der gesamten Mailänder Innenstadt stattfinden, ziehen neben Fachbesuchern auch Massen von privaten Designinteressierten an. Anspruchsvoll kuratierte Ausstellungen wie in der Triennale und die jedes Jahr zahlreicheren Veranstaltungen in der Zona Tortona und in den Showrooms vieler Hersteller, verwandeln Mailand für sechs Tage in einen urbanen Designevent der internationalen Szene.
Wir haben für Sie ein paar Eindrücke zusammengestellt.

   
Spiral Islands, David Trubridge, Neuseeland
   
Grand Danois - 'Next Generation Danish Design'
   
Alias Showroom, Serie von Prototypen, Design: Riccardo Blumer und Matteo Borghi
   
Moroso Showroom, 'A little Garden of Love', Tord Bootje
   
Marcio Kogan für Block Exhibition: 'Turkish Marble Meets Design'
   
Flos Showroom mit Deckenleuchte Lunar, Design: Konstantin Grcic
   
'Lightblubs', Royal Leerdam Crystal, Niederlande
   
Hästens Show in der San Paolo Converso
 
 
Triennale
 
Die Triennale ist nicht nur wegen ihrer dominanten Architektur – der Palazzo dell’Arte wurde in der Ära Mussolini von Giovanni Muzio geplant – sondern auch wegen ihrer vielschichtigen Vergangenheit seit vielen Jahren ein besonders beliebter Ort für exklusive Design- und Architekturausstellungen. Ab 1933 war sie Ort für die Triennale di Milano, der Ausstellung für Dekorative Künste, in den 50er Jahren dann Präsentationsstätte des von Gio Ponti ins Leben gerufenen Compasso d’Oro, Italiens renommiertestem Designpreis.

Dieses Jahr fand in der Triennale zum 80 jährigen Bestehen von Cassina die umfangreiche Retrospektive 'Made in Cassina' statt. Zudem präsentierte das französische Designförderprogramm VIA ihre diesjärigen Gewinner. Mit liebevoll und gekonnt arrangierten Installationen präsentierte Plank die Entstehungsgeschichte des Myto Stuhls von Konstantin Grcic. Zahlreiche Prototypen, Modelle und Versuchsaufbauten versetzten den Besucher in das Ambiente einer Werkstatt, unterstrichen von den typischen Geräuschen einer Fertigungshalle. Eingefangen wurde das gesamte 'Making of' dieses formvollendeten Stuhls in einem gelungenen Buch, gestaltet von Mike Mieré.

  Triennale  
Die BASF und Plank Ausstellung von Konstantin Grcics Myto Stuhl in der Triennale
   
VIA, 'Vanet Light', Jean Louis Frechin
   
Bild aus der grossen Cassina Retrospektive "Made in Cassina" : Cassina Showroom 1968
 
 
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