Frau Panton, Sie waren nicht nur Verner Pantons Frau und engste Vertraute, sondern gewissermaßen auch seine Managerin.
MP: Ich habe vor allem zu Beginn die ganze Korrespondenz gemacht. Ich war auch immer mit Verner unterwegs, bei Verhandlungen, usw. Aus seiner kreativen Arbeit habe ich mich allerdings rausgehalten. Natürlich konnte ich auch meine Meinung sagen, aber er hat nur ein paar wenige Male auf mich gehört.
RT: Aber das war ja mit allen Menschen so. Er hat zwar immer gefragt, was man von seinen Entwürfen hielt, aber genau genommen wollte er gar keine Einwände hören. Man hat dann immer andere Möglichkeiten gesucht, ihm etwas auszureden, wovon man glaubte, dass es jetzt wirklich zu weit ging.
MP: Ich kann mich sehr gut erinnern, als wir Visiona 0 und 2 machten. Als ich seine Entwürfe und Modelle gesehen habe, diese Teppichmuster an den Wänden und auf dem Boden. Ich dachte nur: Um Himmels Willen, das wird ein Skandal. Damals waren schließlich beige und senfgelb die allgegenwärtigen Farben. Gott sei Dank haben meine dezenten Einwände nicht gefruchtet, denn als ich die fertige Ausstellung dann gesehen habe, war ich total begeistert.
Es hört sich ein bisschen so an, als wären Sie beide der geerdete Part bei dem ganzen Unternehmen gewesen.
RT: Verner konnte sehr ungeduldig und forsch werden. Dann war es meine vordringlichste Aufgabe, zu beschwichtigen.
MP: Ja, er konnte wirklich undiplomatisch sein. Manchmal sagte er dann: "Ich kann nicht mit Menschen zusammenarbeiten, die ich nicht mag." Ich musste ihn dann häufig dazu motivieren. Das konnte auch anstrengend sein. Natürlich stießen seine Entwürfe immer auf Widerstand. Verner konnte es nicht ausstehen, wenn ihm Leute immer sagten, dass seine Entwürfe nicht umzusetzen seien ohne dass sie ihm eine alternative Lösung anboten.
RT: Nachdem er für den Panton Chair jahrelang nach einem Produzenten gesucht hat und er 1967 dann endlich in Produktion ging, hat Verner den Satz "Das ist unmöglich" nicht mehr akzeptiert.
Offensichtlich hat er den Nerv der Leute getroffen. Wusste Verner Panton, dass die Zeit reif war, für einen stilistischen Wechsel?
MP: Es waren ja wenige Jahre nach dem Schock des Zweiten Weltkriegs. Ich glaube, die Menschen sehnten sich nach brillanten Farben. Aber vor allem war es Verners persönliches Verlangen.
Entwicklungsarbeit am Panton-Stuhl bei Vitra, ca. 1966, Manfred Diebold (Leiter Entwicklung), Rolf Fehlbaum und Verner Panton