Nachdem in der Hotelindustrie bereits im vergangenen Jahr Anzeichen der Erholung auszumachen waren, wird für 2013 international mit einem Anstieg des Tourismus gerechnet. Hoteliers suchen mehr denn je nach Wegen, um dem Gast ein unvergessliches und gewinnbringendes Erlebnis zu bieten. Begeben Sie sich in eine Welt von herausragender Architektur und Design.

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In schwierigen Zeiten zieht man sich gerne in die eigenen vier Wände zurück.

Nichts geht über das eigene Bett. – Wenn draussen in der Welt alles drunter und drüber geht, scheint dieses alte Motto noch wahrer als sonst. Heimat. Vertrautheit. Sicherheit.

Dennoch ist das Geschäft mit dem Übernachten fernab von zu Hause nicht am Erliegen. Die politischen und wirtschaftlichen Krisen in vielen Teilen der Welt und die Verlangsamung des Wachstums in den führenden Wirtschaftsnationen Asiens waren für das Gastgewerbe sicherlich eine grosse Herausforderung. 2012 zeigten sich in der Hotellerie jedoch bereits Zeichen der Erholung und für 2013 wird im Tourismus global gesehen bereits wieder mit einem Wachstum gerechnet. Die Gründe für diese zumindest aus wirtschaftlicher Sicht positive Entwicklung sieht Ernst & Young in „erhöhten Anstrengungen im Destinationsmarketing, in der zunehmenden Nutzung von Technologie und in einem gestiegenen Interesse am Reisen in der gesellschaftlichen Mittelschicht verschiedener aufstrebender Volkswirtschaften.“

Kulturelle Referenz und kulturelle Institution: Das Xi’an Westin Museum Hotel von Neri & Hu zitiert die traditionelle Architektursprache der alten chinesischen Stadt und beinhaltet zusätzlich – wie der Name verrät – ein Museum; Fotos Pegenaute

In anderen Sphären: Zeitgenössische Hotel-Architektur | Aktuelles

Kulturelle Referenz und kulturelle Institution: Das Xi’an Westin Museum Hotel von Neri & Hu zitiert die traditionelle Architektursprache der alten chinesischen Stadt und beinhaltet zusätzlich – wie der Name verrät – ein Museum; Fotos Pegenaute

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Laut dem global tätigen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen hat der Umsatz im US-Gastgewerbe bereits wieder das Niveau von 2007, also aus der Zeit vor dem Ausbruch der Finanzkrise, erreicht. Gleichzeitig planen beeindruckende 100 Millionen Chinesen eine Reise ins Ausland und alle diese Urlauber benötigen in der Fremde Betten.

Freizeit-Touristen innerhalb Chinas und Geschäftsreisende aus Übersee haben mitbekommen, wie in China vermehrt Projekte im Stil des Xi’an Westin Museum Hotels in der historischen Stadt Xi’an (Provinz Shaanxi) entstehen. Der 80.000 Quadratmeter grosse Bau wurde vom Shanghaier Büro Neri & Hu entworfen – als eine Antwort auf die zweifellos vorhandene Nachfrage nach Betten in Hotels mit einer qualitativ hochwertigen und ausdrucksstarken Architektur. Stilistisch hat sich Neri & Hu bei der Planung des Xi’an Westin Museum Hotels an den monumentalen, festungsähnlichen Stadtmauern von Xi’an orientiert. Das Gebäude zitiert das grosse kulturelle Erbe der Region und ist zugleich äusserst funktional.

Das Hotel ist für Touristen auch ein Reiseziel im eigentlichen Sinne, denn nebst den überhängenden Dachvorsprüngen und den geneigten Fassaden, die eine Referenz an die traditionelle örtliche Bauweise sind, ist im Gebäude selbst eine kulturelle Einrichtung untergebracht – ein Museum, das Wandgemälde aus der Region ausstellt. Das attraktivste Element des Gesamtprojekts ist jedoch der grosse Senkgarten im Herzen der Gebäudestruktur. Der Garten, durch den viel Luft und Tageslicht einströmt, bildet in seiner Leichtigkeit einen Kontrapunkt zur Monumentalität des Baus.

Die Verwischung der Grenzen zwischen Innen und Aussen ist ein Thema, dem auch im Projekt des auffällig gestalteten PARKROYAL on Pickering eine Schlüsselrolle zukommt. Das Singapurer Büro WOHA hat das Hotel auf dem Boden der Inselnation entworfen und das tropische Regenwald-Klima vor Ort ins Konzept miteinbezogen: Der Bau ist als ein lebendiger, vertikaler Garten gestaltet. Das 29.000 Quadratmeter grosse Gebäude am westlichen Rand des Geschäftsviertels im Zentrum von Singapur verfügt über Himmelsgärten, die der Fassade entlang auf verschiedenen Ebenen in den Raum zwischen den Hoteltürmen eingepasst sind. Aus dem Gebäude heraus betrachtet scheint es, als ob das knallige Grün in die Hotelzimmer hineinwachsen würde.

Turm von Eden: Das Hotel PARKROYAL on Pickering wurde vom Singapurer Büro WOHA als vertikaler Garten konzipiert. Zwischen den Türmen befinden sich bepflanzte Flächen, die natürlichen Landschaften nachempfunden sind; Fotos Patrick Bingham-Hall

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Turm von Eden: Das Hotel PARKROYAL on Pickering wurde vom Singapurer Büro WOHA als vertikaler Garten konzipiert. Zwischen den Türmen befinden sich bepflanzte Flächen, die natürlichen Landschaften nachempfunden sind; Fotos Patrick Bingham-Hall

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Alle bepflanzten Bereiche zusammen bedecken mehr Fläche, als das Gebäude ebenerdig umfasst. Von der Strasse her gesehen prägen der Natur nachempfundene Formen die Gebäudestruktur. Wellenförmige Betonfertigteile, die wie aufeinandergestapelte Gesteinsschichten wirken, fügen sich in der Kombination mit hohen Pilotis zu einer organischen Umgebung zusammen, die gemäss den Architekten an die Konturen der terrassenförmig angelegten Reisfeld-Landschaften Asiens erinnert.

Nicht nur in Asien, sondern auch in den anderen Kontinenten entstehen, einem Bedürfnis der Reisenden entsprechend, Hotels, in denen Design erlebbar ist und den Aufenthalt prägt. Dass Häuser mit einer visionären und ausdrucksstarken Architektur das Geschäft des Übernachtens ausserhalb der eignen vier Wände beleben und einen Mehrwert bieten, haben auch die Macher von designhotels.com erkannt. Auf der kuratierten Website werden Hotels aus allen Teilen der Welt vorgestellt und vermarktet. Die Gebäudearchitektur muss dabei nicht zwingend einen monumentalen Massstab oder andere spektakuläre Eigenschaften aufweisen.

Der Mensch ist keine Insel: Das Hotel Endémico Resguardo Silvestre besteht aus 20 'selbstständigen Räumen’ auf Stahltragwerken. Die von Gracia Studio entworfenen Häuschen liegen idyllisch in scheinbarer Abgeschiedenheit; Fotos Luis Garcia

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Der Mensch ist keine Insel: Das Hotel Endémico Resguardo Silvestre besteht aus 20 'selbstständigen Räumen’ auf Stahltragwerken. Die von Gracia Studio entworfenen Häuschen liegen idyllisch in scheinbarer Abgeschiedenheit; Fotos Luis Garcia

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Das von Gracia Studio aus San Diego gestaltete Hotel Endémico Resguardo Silvestre in Ensenada, Mexiko, ist ein gutes Beispiel hierfür. Unter anderem aus dem Bedürfnis heraus, ein Projekt zu realisieren, das sich in die Landschaft des Weinbaugebietes in der Baja California leicht und unaufdringlich einfügt, wurden auf dem 99 Hektaren umfassenden Grundstück in einer atomisierten Anordnung zwanzig Häuschen mit je 20 Quadratmeter Fläche verteilt. Die einzelnen Unterkünfte sind mit sorgfältig ausgewählten Materialen und Möbeln ausgestattet. Die in der Natur verstreuten kleinen Bauwerke stehen in einem starken Kontrast zum monolithischen, urbanen Hoteltyp. Die Leichtigkeit der Konstruktion wird durch das Stahltragwerk betont, das die in abschüssigem Gelände stehenden Häuschen talseitig anhebt und den Naturboden darunter freilegt. Durch die Witterung verändert sich über die Jahre hinweg die Farbe des Cortenstahls. Die Bauten treten dadurch mit ihrer physischen Umgebung in einen noch intensiveren Dialog.

Der Witterung einer anderen Klimazone ist das Hotel Slow Horse im italienischen Skiresort Piancavallo ausgesetzt. Das Architekturbüro Elasticospa + 3 hat das 37 Räume umfassende Hotel entworfen. Entstanden ist es auf der Grundlage eines bereits existierenden Gebäudes, das teilweise abgerissen und neu aufgebaut wurde. Die zahlreichen unregelmässigen Winkel im Dach und in den Fassaden verleihen dem Gebäude im Ortsbild eine starke architektonische Präsenz. Die neue Baustruktur verleitet die Elemente der Natur dazu, kreativ zu werden: Das Gebäude ist bewusst so gestaltet, dass sich in gewissen Bereichen Schnee ansammelt, woraus dann Eiszapfen und andere Eisornamente wachsen. Die Hotelzimmer hingegen sind so ausgerichtet, dass sie möglichst viel Sonnenlicht erhalten oder eine optimale Aussicht bieten.

Cold play: Das Dach und die Fassaden des Slow Horse Hotels von Elasticospa + 3 im italienischen Skiresort Piancavallo sind unregelmässig gewinkelt. Diese Gebäudearchitektur ermöglicht die Bildung von Eiszäpfen und Eisornamenten; Fotos Jacopo Riccesi

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Cold play: Das Dach und die Fassaden des Slow Horse Hotels von Elasticospa + 3 im italienischen Skiresort Piancavallo sind unregelmässig gewinkelt. Diese Gebäudearchitektur ermöglicht die Bildung von Eiszäpfen und Eisornamenten; Fotos Jacopo Riccesi

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Auf der Insel Chiloé im südlichen Chile ist man sich unbeständiges Wetter gewohnt. Klimatische Extreme wechseln sich hier rasch ab – heisse Sonne, Wind und Regen kann man auf dieser Insel innerhalb von einer Stunde erleben. Wie das Endémico Resguardo Silvestre in Mexiko beansprucht auch das vom chilenischen Büro Mobil Arquitectos entworfene Hotel Refugia den Boden nur leicht und respektiert so weit als möglich die Biodiversität des Ortes. Der grösste Teil des Gebäudes mit seiner schelmischen Geometrie und linearen Struktur befindet sich erhöht, auf Pilotis stehend, um „das Licht, den Raum, den Himmel und die Perspektive optimal ausnutzen zu können“, wie sich die Architekten ausdrücken.

Parametrische Design-Technik und traditionelle Handwerksarbeit kamen in diesem Projekt gemeinsam zur Anwendung. Die computergestützte Entwurfstechnik wurde genutzt, um die optimale Position und Form jeder einzelnen Lärchenschindel, aus denen die durchdachte Gebäudehülle vollständig besteht, vorberechnen zu können. Handwerker haben die präzise Fassadenverkleidung, die sowohl Isolation bietet als auch für Belüftung sorgt, angebracht. Zur Verbesserung der Energieeffizienz wurden darüber hinaus Techniken der Passivhausbauweise übernommen. Dazu zählt die Nutzung der in Betonböden gespeicherten Sonnenwärme, ein effizientes Querbelüftungssystem zur Kühlung der Innenräume und eine achtsame Ausrichtung und Ausstattung der Fenster, um den Einfall von Licht zu optimieren und gleichzeitig die Temperatur kontrollieren zu können.

Sanfter Umgang mit dem Boden: Der Grossteil des betont linearen Hotels Refugia von Mobil Arquitectos auf der Insel Chiloé in Chile steht erhöht auf Pilotis, damit die Biodiversität der Umgebung möglichst unbeeinträchtigt bleibt; Fotos Nicolás Saieh

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Sanfter Umgang mit dem Boden: Der Grossteil des betont linearen Hotels Refugia von Mobil Arquitectos auf der Insel Chiloé in Chile steht erhöht auf Pilotis, damit die Biodiversität der Umgebung möglichst unbeeinträchtigt bleibt; Fotos Nicolás Saieh

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Aus der Horizontalen in die Vertikale und zurück nach Asien in die dezidiert urbane chinesische Boom-Metropole Guangzhou mit 12 Millionen Einwohnern. Hier wurde kürzlich das vom britischen Büro Wilkinson Eyre Architects entworfene, 103 Stockwerke umfassende Guangzhou International Finance Center eröffnet. Im obersten Teil des Hochhauses ist das neueste Hotel im Portfolio von Four Seasons untergebracht. Gäste gelangen mit Expressliften in den siebzigsten Stock des Gebäudes, wo sie in ein bis zum Gebäudedach hinauf reichendes, von natürlichem Licht durchflutetes Atrium treten. Wie die Architekten selbst eingestehen, spielt die Grösse eine Rolle. „Die Dramaturgie entsteht durch die immensen Ausmasse des Gebäudes“, sagt Dominic Bettison, Director bei Wilkinson Eyre, und erklärt weiter, dass sich sein Projekt von anderen Hochhausriesen, speziell in China, durch seine schlanke Form und den Verzicht auf Ornamentierungen abhebt, ebenso wie durch den klaren Ausdruck und die Sichtbarkeit seiner Diagrid-Struktur. Die 344 Zimmer des Hotels, von denen 42 Suiten sind, bieten grösstenteils Aussicht auf das Pearl River Delta und auf das urbane Leben um das Gebäude herum.

Oberschicht: Im kürzlich eröffneten, 103 Stockwerke umfassenden Guangzhou International Finance Center von Wilkinson Eyre Architects befindet sich in den obersten Etagen das neueste Hotel von Four Seasons; Fotos Jonathan Leijonhufvud, Will Pryce

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Oberschicht: Im kürzlich eröffneten, 103 Stockwerke umfassenden Guangzhou International Finance Center von Wilkinson Eyre Architects befindet sich in den obersten Etagen das neueste Hotel von Four Seasons; Fotos Jonathan Leijonhufvud, Will Pryce

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Die Nummer eins unter den Weltstädten ist aber nach wie vor New York – zumindest wenn man dem Global Cities Index 2012 des US-Magazins Foreign Policy glaubt. Dieses führt die Stadt, die niemals schläft, im Ranking der einflussreichsten und international am besten vernetzten Metropolen an erster Stelle. Hier hat die von Handel Architects durchgeführte Umwandlung eines Gewerkschaftshauses aus den 1960er-Jahren ins Dream Downtown Hotel die urbane Struktur der Nachbarschaft im Stadtteil Chelsea nachhaltig verändert, wenn auch in kleinerem Massstab als das Four Seasons in Guangzhou.

Die Bullaugenfenster aus der originalen Baustruktur – eine Referenz an nautische Gefährte – blieben erhalten und wurden erweitert. Durch die Anbringung von Fliesen aus rostfreiem Stahl an der schräg geneigten Gebäudefront, wurde das Gebäude noch mehr zu einer Metapher für ein Hochseeschiff. Die rechtwinkligen Paneele erscheinen mit ihren spiegelnden Eigenschaften bei strahlendem Sonnenschein natürlich am brilliantesten; die Metallhülle tritt jedoch optisch eher in den Hintergrund im Vergleich zu den ins Auge fallenden runden Fenstern, die in ihrer Anordnung dem Gebäude an der 17th Street eine starke graphische Präsenz verleihen. Im Zentrum des Gebäudeinneren wurden derweil vier Stockwerke entfernt, um Raum für eine Terrasse mit einem Pool sowie zusätzliche Fenster und Balkone für die Hotelzimmer zu schaffen. Mit von Teakholz umrahmten Lichtschächten, die am oberen Ende durch Glasfenster im Boden des Pools abgedichtet sind, wurde eine Verbindung zu den darunterliegenden Etagen bis hinab in die Lobby geschaffen. Dadurch ist eine Hotelatmosphäre entstanden, in welcher sich alles ums Sehen und Gesehenwerden dreht.

In einem fremden Bett zu übernachten ist wohl noch nie so verführerisch gewesen wie heute, wo sich die Kreativität in der Hotel-Architektur entfaltet.

Hochsee an der 17th Street: Das Dream Downtown Hotel von Handel Architects ist mit seinen Bullaugen und der Stahlverkleidung eine Überarbeitung des ursprünglichen Gebäudes der National Maritime Union of America im New Yorker Stadtteil Chelsea

In anderen Sphären: Zeitgenössische Hotel-Architektur | Aktuelles

Hochsee an der 17th Street: Das Dream Downtown Hotel von Handel Architects ist mit seinen Bullaugen und der Stahlverkleidung eine Überarbeitung des ursprünglichen Gebäudes der National Maritime Union of America im New Yorker Stadtteil Chelsea

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