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Über Pastoe

Philosophie


Radikale Brüche? Ein frischer Start? Der Markt als zwingender, aber nicht vorhersagbarer Kompass?
Pastoe hat in den neunzig Jahren seines Bestehens gelernt, dass die Berücksichtigung aktueller Trends nie die sorgfältig gepflegte Evolution einer Möbelkollektion aufwiegen kann. Das gilt für uns selbst und vor allem für unsere Kunden, die den Pastoe-Möbeln einen Platz in ihrem Wohnumfeld geben. Die Zeit wird uns und unsere Möbel nicht schnell einholen. Neue Produkte bauen auf der Qualität auf, die wir bereits seit Jahrzehnten als Norm für unsere Formgebungsstrategie und die Produktion unserer Möbel handhaben. Innovation betrachten wir nicht als einen kosmetischen Eingriff, sondern als eine logische Fortsetzung bei der Verbesserung der Technik, eine Ergänzung von Funktionalität oder eine Erhöhung der visuellen und materiellen Haltbarkeit. Pastoe weiß, wie wichtig die Geschichte ist, um die Fragen der Zukunft beantworten zu können.

Pastoe glaubt nicht an Effekthascherei. Unsere führende Rolle bei der Entwicklung des niederländischen Designs konzentrierte sich immer auf schlichten Minimalismus. Auf konsequente Innovation. Die Schlichtheit der Schränke, Tische, Stühle und Sitzelemente entspricht dem Bedürfnis nach einer Verbindung von Qualität und Neutralität. Geometrische Grundformen und ausgeklügelte Details werden häufig mit Variationsmöglichkeiten kombiniert: beim Verarbeitungsniveau, bei der Zusammenstellung der Elemente und sogar während des Lebenszyklus eines Schrankelements beim Gebrauch. Die Modelle drängen sich nicht auf und funktionieren offenbar gerade deshalb in verschiedenen Umfeldern. Erkennbar für den geübten Betrachter, aber niemals aufdringlich. Möbel mit einer klaren Persönlichkeit, die sich nicht hinter Überschwänglichkeit verstecken muss. Möbel mit einer deutlichen Ausstrahlung.

Pastoe wählt seine Designer sorgfältig aus. Man schöpft aus der reichhaltigen niederländischen Designtradition, orientiert sich aber auch international. Angesichts des minimalistischen Einschlags unsere Kollektion ist die Verbindung mit Japan nur logisch. Nach der Zusammenarbeit mit Shiro Kuramata profiliert sich Shigeru Uchida bereits seit Jahren als wichtigster externer Designer von Pastoe. Darüber hinaus gibt es eine eigene Designabteilung, in der viel Arbeit im Hinblick auf Konzeptentwicklung und Design verrichtet wird, auch bei der Zusammenstellung des eigenen Farbkonzepts. Für uns ist jedes Detail wichtig. Weil auch den Details ein langes Leben beschieden ist. In verschiedenen Museumskollektionen, in Showrooms und Galerien auf der ganzen Welt, aber vor allem in den Häusern unserer Käufer, die im Laufe der Jahre bei ihren Möbeln einen Wertzuwachs erleben.

Eine radikale Kursänderung? Pastoe entscheidet sich bereits seit neunzig Jahren lieber für Dauerhaftigkeit und Kontinuität.



Geschichte



ca. 1920
ca. 1920

1913 – 1943 Die erste Phase



Die Utrechtsche Machinale Stoel- en Meubelfabriek (UMS) ist aus einer kleinen handwerklichen Stuhlmacherwerkstatt hervorgegangen, die Frits Loeb (1889 – 1959) 1913 für sein eigenes Geschäft am Utrechter Ganzenmarkt gegründet hatte. Schon bald entwickelte sich die UMS zu einer für niederländische Verhältnisse großen Fabrik, in der neben „Stühlen“ auch „Möbel“, u.a. in großen Serien gefertigte Schränke unterschiedlicher Stilrichtungen, hergestellt wurden.
Neben Frits Loeb war D.L. Braakman (1885 – 1966) als Geschäftsführer und Zeichner/Entwerfer maßgeblich am Ausbau des Unternehmens beteiligt.
Das Verständnis von modernem Design, das die UMS in den 20er und 30er Jahren zeigte, war allerdings meilenweit entfernt von der Aufsehen erregenden internationalen Avantgarde der damaligen Zeit mit so namhaften Künstlern wie Rietveld/Gispen, Breuer/Mies van der Rohe, Le Corbusier/Perriand. Die Formensprache dieser Designer entsprach überhaupt nicht dem Geschmack der UMS-Kunden. Dennoch gehörte die UMS zu den wenigen Möbelherstellern, die neben den kommerziell viel interessanteren historischen Stilrichtungen regelmäßig auch zeitgenössische Möbel auf den Markt zu bringen versuchten.
Es ist nicht verwunderlich, dass man sich dabei an der eher gemäßigten heimatlichen „Möbelkunst“ orientierte, zu deren Vertretern in den 20er Jahren vor allem Architekten und Entwerfer der Amsterdamer Schule (z.B. M. de Klerk, P. Kramer, H. Krop) und „Kunsthandwerker“ wie W. Penaat und Corn. van der Sluys gehörten. Später machte sich vor allem der Einfluss der viel sachlicher und kubistischer arbeitenden Haager Schule, mit Künstlern wie H. Wouda, F. Spanjaard und C. Alons, bemerkbar. Allerdings arbeiteten Hersteller von Massenmöbeln wie die UMS nicht direkt mit diesen Designern zusammen. Die übliche Vorgehensweise bestand darin, dass die eigene Konstruktionsabteilung die Formensprache des Luxusmöbelstücks in ein für das Unternehmen brauchbares Idiom umwandelte. Auf diese Weise glaubte man, einen Publikumsgeschmack zu treffen, der, wie die UMS es um 1930 formulierte, „… immer stärker nach 'modern' verlangt und zwar nach einem guten modernen Stil ohne hässliche Leisten und Verzierungen; ein modernes Möbelstück, das ausschließlich durch seine Linienführung anspricht und nicht mehr durch ‘Ornamentierung’.“
Exemplarisch für diese Einstellung ist ein Sideboard aus dieser Zeit nach einem Entwurf von W. Barnasconi. Eine asymmetrische, nach mehreren Seiten ausgerichtete Anordnung von kubistischen Volumen und eine dekorative Anwendung des Furniers ergaben ein in architektonischer Hinsicht recht monumentales Möbelstück, das Teil einer Serie von nicht weniger als siebzehn Modellen war.
Was den Geschmack ihrer Kunden betraf, hatte die UMS jedoch eine zu optimistische Einstellung. Das zeigte auch das misslungene Projekt zu einer Serie von Anbaumöbeln des Amsterdamer Innenarchitekten A.K. Grimmon. Im Rahmen dieses Projektes entstand nur ein einziger Prototyp – ein überaus eigenwilliges, orthodoxes Schubladenschränkchen. Recht originell, und im Hinblick auf die Situation auch gewagt, aber leider ebenfalls wenig erfolgreich waren die zerlegbaren Stahlrohrstühle nach einem Entwurf des Architekten H.F. Mertens (1885 - 1960).
Trotz allem konnte sich das moderne Möbelstück, neben den konventionellen Stilrichtungen, in den Kollektionen der UMS allmählich eine eigene Position erobern. Im Laufe der 30er Jahre machte sich der Einfluss mehrerer ausländischer Strömungen bemerkbar, wobei insbesondere der französische Art Déco-Stil und das skandinavische Design wegen der Verwendung von abgerundeten Formen und der Vorliebe für helle Holzarten für ein freundliches und modernes Idiom sorgten.
ca. 1950
ca. 1950

1948 – 1972 Die zweite Phase



Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem die Fabrik vollständig aufgelöst wurde, wagte das Unternehmen einen Neubeginn. Anfangs schien es, als würde man auf das Design der Vorkriegszeit zurückgreifen: Modelle in „old finish“ und eher zeitgenössische Stilrichtungen wurden gleichzeitig entwickelt. 1948 entschied sich die Geschäftsführung allerdings definitiv und radikal für die Herstellung moderner Möbelstücke.
Cees Braakman (1917), der seinem Vater als Geschäftsführer und Designer nachfolgte, konnte den Vorstand nach einer Studienreise durch die USA, auf der er unter anderem die Arbeiten von Charles und Ray Eames kennen lernte, von der Notwendigkeit des Einsatzes neu entwickelter Produktionstechniken überzeugen. Dazu gehörte unter anderem das hochfrequente Biegen von laminierten Holzarten (Sperrholz, Multiplex). Auch die Formgebung wurde auf diese neuen Arbeitstechniken abgestimmt. Die Zusammenarbeit mit der niederländischen Wohnungsgesellschaft Stichting Goed Wonen (1946 – 1968) führte insgesamt zu einer neuen Unternehmensphilosophie, in der die beschränkten Raumverhältnisse der niederländischen Durchschnittswohnung, die bescheidenen finanziellen Möglichkeiten des Verbrauchers und die wechselnden Anforderungen, die in einer Familie an die Möbelstücke gestellt werden, berücksichtigt wurden. In Bezug auf das Formenidiom folgte Braakman den großen ausländischen Vorbildern – in erster Linie Schweden, Finnland (Aalto) und den USA (Eames), später vor allem Italien, Dänemark und der Bundesrepublik. Die Formensprache passte Braakman den im Betrieb vorhandenen Produktionstechniken an. So entstanden klare und kohärente Möbelkollektionen, die als funktionale Gebrauchsgegenstände betrachtet wurden. Da das Design meist ruhig und schlicht war, konnten diese Möbel für die unterschiedlichsten Einrichtungssituationen verwendet werden. Dieses „passe partout“-Prinzip entwickelte sich zu der Markenbezeichnung PasToe, mit der sich die Fabrik im In- und Ausland als Hersteller von modernen Möbeln einen großen Namen erwarb. Der spezifische Charakter des Unternehmens zeigt sich auch in dieser Zeit am deutlichsten in den aufeinander folgenden Serien von Aufbewahrungsmöbeln, die den Hauptteil des Umsatzes bildeten. Sitzmöbel spielten eine untergeordnete Rolle. Ausgangspunkt für die Aufbewahrungsmöbel war der bereits vor dem Krieg entwickelte Gedanke eines „Kombinationsmöbelstücks“: keine autonomen, „abgerundeten“ Schränke mehr, sondern ein Möbeltyp, der flexibel mitwachsen würde. Die Eiche-Serie (1948) und die Birke-Serie (1950) bestanden aus Schränkchen mit streng kubistischen Grundformen, die dank ihrer glatten Verarbeitung nebeneinander gestellt werden konnten und die sich sogar aufeinander stapeln ließen. Die Formgebung kann nur als überaus schlicht bezeichnet werden. Die hellen Holzarten sorgten für eine freundliche Ausstrahlung und für einen visuell leichten und neutralen Charakter. Die Einführung der in Teakholz ausgeführten Serie „Pastoe Möbel-nach-Maß“ (1955) war eine radikale Neuinterpretation des Konzepts. Das System basierte auf einer „Eckleiste“, an der sich die Einlegeböden und die anderen Teile in vier Richtungen befestigen ließen. Auf diese Weise war mit einer beschränkten Zahl von Grundelementen eine Vielzahl von Kombinationen möglich, die nach Belieben erweitert oder verändert werden konnten. Im Laufe der Jahre war dieses System auch in anderen Ausführungen lieferbar (Palisander, Kiefer hell und in mehreren farbigen Lackausführungen).
Das Regalsystem war im In- und Ausland ein riesiger Erfolg. Die Teak-Fassung wurde auf der 11. Triennale in Mailand mit der Silbermedaille ausgezeichnet und erhielt 1957 in Belgien den Preis „Le Signe d’Or“. Dieses Konzept einer Anbauwand kulminierte in der Serie 125M (1965). Mit Hilfe von Blenden konnte die Anbauwand nahtlos zwischen Fußboden und Decke eingepasst werden. In seiner Eigenschaft als Schrankwand fungierte das Möbelstück nicht länger als autonomes Objekt im Raum.
Neben den flexiblen „Möbeln-nach-Maß“ tauchten nach einiger Zeit doch auch wieder die mehr konventionellen Einzelmöbelstücke auf. Offensichtlich traf die Schrankwand nicht den Geschmack aller Verbraucher. Die Modelle der „U+N“-Serie (1958) hatten durch ihre nach vorn aufklappenden Fronten, ausgeführt in einer Kombination von unterschiedlichen Holzarten und farbigen Lacken, einen streng formellen und geometrischen Charakter, das zu ihrem autonomen Status passte. Die „DC-Kollektion“ (1962) war diesbezüglich weniger deutlich. Mit dem „Pastoe-Kubus“ (1967) und der „K 369“-Serie (1971) baute Braakman auf dem alten Prinzip des Stapelns von Einzelelementen zu einem großen Ganzen auf. Beide Serien basierten auf einer neu entwickelten Fertigungstechnik, bei der eine mit PVC verkleidete Holzfaserplatte über die gesamte Breite eingefräst wurde, wodurch sie sich zu einer Kistenform falten ließ. Diese Vorgehensweise ist typisch für die Art und Weise, in der Braakman seine Formen immer aus der Technik heraus entstehen ließ. Dies wird in allen Katalogen der Pastoe-Kollektion sichtbar. Für ihre Erfindungsgabe und ihren kreativen Mut wurden Braakman und UMS-Pastoe 1968 mit dem BKI-Preis und mit einer Ausstellung im Centrum voor Industriële Vormgeving im historischen Messegebäude Beurs van Berlage ausgezeichnet. In den 70er Jahren zeigte sich in den bis dahin so kohärenten Kollektionen eine gewisse Zwiespältigkeit. Der Hersteller brachte einerseits mehr exklusive Möbel von hochwertiger Qualität auf den Markt, wollte aber andererseits auch ein neues und junges Publikum bedienen, das sich für günstige und einfachere Möbel interessierte.
ca. 1964
ca. 1964

1983 – jetzt



Diesem Durcheinander wurde zu Beginn der 80er Jahre ein Ende gesetzt. Die neue Geschäftsführung entschied sich für eine eindeutige Produktlinie, die mittlerweile gut sichtbar geworden ist. Im Mittelpunkt stehen ein unverwechselbares und auffallendes Design und ein hohes Qualitätsniveau. Die Möbel der heutigen Pastoe-Kollektion sind nicht länger rein funktionale Gebrauchsgegenstände, sondern werden zu autonomen gestalterischen Raumobjekten. Damit entspricht Pastoe der Entwicklung, die sich in den letzten 10 Jahren in der gesamten Avantgarde des Designs vollzogen hat. Diese neue Linie bricht in mancher Hinsicht mit der Vergangenheit, besonders in Bezug auf die Organisation des Unternehmens. Die Produktion erfolgt nicht länger vollständig in eigener Regie, sondern wird zu einem Großteil in Fremdvergabe gefertigt. Damit werden eine größere Vielfalt in der Formensprache und ein ausgewogener Kollektionsaufbau ermöglicht. Pastoe profiliert sich nicht nur mit Aufbewahrungsmöbeln, sondern präsentiert auch originelle Sitzmöbel in diversen Fertigungstechniken und Ausführungen. Dabei richtet sich Pastoe nicht mehr, wie in der Vergangenheit, auf einen möglichst breiten inländischen Markt, sondern spricht ein relativ kleines, aber internationales Marktsegment an.


© Guus Vreeburg
 
Hersteller:
Pastoe
Adresse:

Pastoe


Rotsoord 3
3500 GD Utrecht
Niederlande
Tel +31-(0)30-258 55 55
Fax +31-(0)30-252 23 40

www.pastoe.nl
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