Pysall Architekten

Berlin | Seit 1993

Muzeum Lotnictwa Polskiego

Krakow | Polen | Realisiert 2008-2010

Eines der größten Museen für Luftfahrt weltweit befindet sich heute in den unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden und Hangaren des ehemaligen Flugfelds Rakowice–Czyzyny in Krakau. Dieser erste Flughafen auf polnischem Boden war 1912 für den Armee Flugpark 7 des Kaiserreichs Osterreich-Ungarn gebaut worden. Für ein neues Haupt- und Ausstellungsgebäude des Museums wurde 2005 ein Wettbewerb ausgelobt, der erste europaweit offene Architektenwettbewerb für ein Kulturbauwerk nach dem Beitritt Polens in die EU, der von einem deutschen Architekten gewonnen und realisiert wurde.

Museum
Die Idee des Fliegens, der Geist des Ortes, die Struktur der Flugplatzanlage, die Faszination der historischen Technik - der Neubau des Luftfahrtmuseums greift die topologischen und gedanklichen Bezüge auf, die an diesem Ort vorzufinden sind und verdichtet sie in einem zeichenhaften, expressiven Bauwerk.

Die alten Hangars des ehemaligen Flughafens lieferten das Modulmaß für die quadratische Grundplatte (60 x 60 m) und die Höhe (12 m) des Neubaus. Eingeschnitten und gefalzt wie beim Falten eines Papierflugzeugs entstand die Großform: dreiflüglig, in Beton gegossen und dennoch optisch leicht wie ein Windrad oder ein Propeller. Die Flügel öffnen sich großflächig verglast in alle Himmelsrichtungen. Größe und Ausrichtung folgen aus der unterschiedlichen Verwendung der Flügel. 4.500 m² Nutzfläche stehen auf drei Geschossen zur Verfügung.

Die ineinander übergehenden Räumlichkeiten bieten dem Besucher eine klare Orientierung. Er hat die Wahl, zunächst das 3D-Kino zu besuchen, das als geschlossenes, rumpfartiges Volumen im Raum steht, sich im„Education Wing“ über Luftfahrt zu informieren oder direkt zu den Flugobjekten in die Haupthalle zu gehen. Die Ausstellung verbindet sich optisch mit den Freiflächen und bietet Ausblick auf das Flugfeld mit den im Freien aufgestellten Maschinen. Die Flugzeuge im Nordflügel erscheinen nicht wie eingeschlossen, sondern nur untergestellt, jederzeit bereit, zur Startbahn zu rollen. Im ersten Obergeschoss, gegen die Halle verglast und einsehbar, stehen dem Publikum ein Restaurant mit Bar und die Bibliothek zur Verfügung. Auch der Vortragssaal mit 150 Plätzen befindet sich auf dieser Ebene. Die Büros und Besprechungsräume der Verwaltung im zweiten Obergeschoss haben durch die Glaswände Ausblicke in den Park oder nach innen in die Ausstellung, manche sind wie durch Bullaugen in der Bordwand von außen belichtet.

Energiekonzept des Neubaus
Unterschiedliche Temperaturzonen, natürliche Lüftung und intensive Tageslichtnutzung sorgen für den Ressourcen schonenden Betrieb des Gebäudes.

Grundkonzept ist die natürliche Lüftung aller drei Gebäudeflügel, lediglich das Kino und der Vortragssaal erhalten Zu- und Abluft durch einen energieeffizienten Wärmetauscher mit Luftzuführung über einen Erdkanal. Dieser bewirkt eine Zulufterwärmung im Winter und Kühlung im Sommer. Der Nutzung entsprechend werden die Gebäudeflügel unterschiedlich beheizt, auf 20° C die Büroräume, auf 18° C der Education Wing und auf 15° C die als Übergangsraum zur Freiluftausstellung fungierende Flugzeugausstellungshalle.

Durch die Staffelung der Temperaturzonen können gegenüber einer durchgängigen 20° C-Temperierung in den Wintermonaten 40 % der Energiekosten für den Betrieb dieser 10 m hohen und 10.250 m3 bzw. 4.100 m3 großen Gebäudevolumen eingespart werden. Die große Speichermasse der Betonwände und die natürliche Lüftung sorgen u. a. für Nachtauskühlung.

Gen Norden ausgerichtet und mit einem 200 m2 großen Tor versehen, wird auch die Ausstellung im Sommer natürlich belüftet und ohne Klimatisierung genutzt. Neben der intensiven Tageslichtnutzung über die Fassade und große Oberlichter wurde ein energieeffizientes Beleuchtungssystem in Ausstellung und Administration realisiert. Hierzu gehören Licht lenkende Lamellen und der Einsatz von Niedrigenergieleuchten in Kombination mit Bewegungsmeldern.
Das Ingenieurbüro Arup International, Krakau plante die Haustechnik sowie auch das Tragwerk für das Projekt.

Text: Justus Pysall

Internationaler Wettbewerb 1. Preis 2005

Designteam:

Justus Pysall, Peter Ruge, Bartlomiej Kisielewski, Katarzyna Ratajczak, Mateusz Rataj, Alicja Kepka-Guerrero

Auftraggeber:

Muzeum Lotnictwa Polskiego W Krakowie

Projektpartner:

Tragwerksplanung: Arup International, Krakau
Haustechnik: Arup International, Krakau
Freiraumplanung: St raum A, Berlin
Pysall Architekten-Muzeum Lotnictwa Polskiego
Pysall Architekten-Muzeum Lotnictwa Polskiego
Pysall Architekten-Muzeum Lotnictwa Polskiego
Pysall Architekten-Muzeum Lotnictwa Polskiego
Pysall Architekten-Muzeum Lotnictwa Polskiego
Projektadresse

Al. Jana Pawla II 39, 30-969 Krakow