Jan Ulmer Architekten

Berlin | Seit 2007 | Angestellte 3

Haus H

Stuttgart | Deutschland | Realisiert 2010

Das 1962 erbaute Ensemble aus vier aneinandergereihten, dreigeschossigen Häusern in stadtnaher Hanglage ist sensibel in seine Umgebung eingepasst. Die Höhenstaffelung der Häuser folgt der vorgefundenen Topographie. Lage und Orientierung der Räume sind präzise auf den Verlauf der Sonne abgestimmt.
Der Umbau des Haus H. ist eine Balance zwischen räumlicher und technischer Anpassung der Bausubstanz an die Bedürfnisse der Bewohner bei maximalem Respekt gegenüber dem Bestehendem: Details, Materialien und das Flair des ursprünglichen Baus sollen erhalten bleiben.

Kontinuität
Sämtliche neuen Details entstanden in Auseinandersetzung mit dem Vorgefundenen und stehen dazu in sichtbarer Relation.
Die Klärung der Raumbezüge erfolgte in enger Abstimmung mit dem Bauherrn durch den Abriss von Innenwänden und Decken. So wurde zum Beispiel die Verbindung von Küche, Esszimmer und Wohnzimmer gestärkt, bestehende Flure zu Gunsten großzügiger Räume aufgelöst, eine vertikale Verbindung zwischen EG und OG geschaffen sowie Rundläufe um die bestehenden Nassräume im Untergeschoss und Obergeschoss angelegt.

Bad als Wohnraum
Ein neues Innenfenster versorgt das Badezimmer mit natürlichem Licht. Der Abriss sämtlicher Fliesen im Küchen- und Badbereich erhöht die Aufenthaltsqualität in den Nassräumen. Die Erneuerung und Zentralisierung der Energieerzeugung erlaubt den Abbau störender Gasthermen in diesen Bereichen. Die Sichtbetonoberfläche der Badewanne bezieht sich auf die Stützwände am Hang.

Spuren des Bestandes
Am Boden bleibt die urspüngliche Räumlichkeit als Zeichnung ablesbar. Ein auf die Farbigkeit und Körnung der ursprünglichen Natursteinbeläge abgestimmter Terrazzoboden wurde fugenlos in die Lücken von abgerissenen Wänden gegossen. Derselbe Terrazzo wurde auch dort eingebaut, wo bestehende Böden nicht mehr zu erhalten waren.
Die Verwendung von Eschefurnier für alle neuen Einbauschränke begründet sich aus der Materialität des noch vorhandenen Einbauschrankes im Schlafzimmer.

Vertikale Bibliothek
Die Bibliothek ist als begehbarer Bücherturm konzipiert. Eine geheime Treppe führt in der raumhaltigen Bücherwand nach oben. Durch eine Drehtür lässt sich die Bibliothek von der Wohnung abkoppeln. Sämtliche Anschlüsse an den Bestand (Türen, Fenster, Boden und Decke) sowie alle neuen Bauteile sind als Referenz zu den ursprünglichen Einbauschränken in Echtholzfurnier Esche ausgeführt. Die weissen Regale wurden vom Bauherrn mitgebracht und wurden als Füllung in die umlaufenden Rahmen eingebaut.

Gartenloft
Von den umliegenden Aussenräumen eröffnen sich unterschiedliche Blicke auf das eigene Haus und durch das Haus hindurch. Verschiedene Zugänge ermöglichen einen Parcours zwischen Haus und Garten. Die Bewohner leben in einem Spannungsfeld zwischen Innen- und Aussenraum. Die direkt am Haus liegenden Aussenräume wurden als grüne Zimmer konzipiert und entsprechend möbliert.

Designteam:

Jan Ulmer Architekten
Jan Ulmer

Auftraggeber:

Private

Projektpartner:

Statik | Structural Engineering: Engelsmann und Peters Tragwerksplanung
Haustechnik | Building Services: PRG- Ingenieurgesellschaft