Der Designer Stefan Diez hat für Thonet ein Holzstuhl-Programm entworfen, das sich auf das Bugholz-Erbe des Familienunternehmens bezieht, dieses aber grundlegend in ästhetischen und technologischen Kriterien transformiert. Die beiden Modelle 404 und 404 F leiten sich aus einer Konstruktionsidee ab: Gebogene Stuhlbeine und Armlehnen laufen in einem „Knoten“ zusammen und sind in den unteren Teil der Sitzfläche eingelassen. Moderne Formholztechnologie ermöglicht die dafür notwendige Verstärkung der Sitzfläche zur Mitte hin und führt zu einer Verformung fast wie bei einer Hutkrempe – bis hin zu einer drastischen Reduktion des Materials an den Rändern. Dadurch wird die Sitzfläche zu einem konstruktiven und höchst markanten Element. Als Ahnen der beiden Modell-Varianten 404 und 404 F gelten Stefan Diez die historischen Bugholzstühle 214 und 209 aus den Jahren 1859 und 1900: der eine ist ihm der Prototyp des „Thonet-Stuhls“ schlechthin, in seiner konsequenten und günstigen Produktionsweise damals ein Serienprodukt par excellence, welches im 19. Jahrhundert einen ganzen Industriestil begründete. Der andere, voluminöser und von großzügiger Eleganz, ist wie der erste bis heute Bestandteil der Thonet Kollektion.
„Für mich ist das Thema Dreidimensionalität besonders eng mit der Geschichte von Thonet verbunden: diese verrückte Idee, Holz so zu biegen, als ob es ein zweites mal ‚wächst’,“ so Stefan Diez. Und so kommt beim Programm 404 in Thonet-Tradition verformtes Holz zum Einsatz, allerdings aus modernem Schicht- und Formholz. Eine neuartig-konstruktive Bauweise ist dabei charakteristisch für das Programm 404. Die Sitzfläche wird zum verbindenden Element für Beine und Rückenlehne. Indem an einigen Stellen mehr Furnierlagen als an anderen verpresst werden, ist die Sitzfläche in der Mitte um 20 mm stärker als am Rand – und damit stark genug, um dort den „Knoten“ einzulassen. „Ich habe nach einer neuen Idee für die Verbindung von Sitz und Gestell gesucht, weil in meinen Augen Thonet nicht für das Thema ‚Schrauben und Dübeln’ steht.“ Die Knoten-Verbindung kommt daher ohne jede Zarge oder Verschraubung aus.
Das Programm 404 ist durch eine ausgeprägte Linienführung, feine Details und hohen Sitzkomfort gekennzeichnet. Es wirkt leicht, sowohl materiell als auch konstruktiv – darin erinnert es an die historischen Bugholzmodelle. Der Sitz scheint wie eine dünne Fläche eingepasst. Auf seinen ausgestellten Beinen – sie entstehen durch die großen Radien der Bein- und Rückenholme – vermittelt das Programm Komfort und bietet ihn auch: Es schreibt keine bestimmte Sitzposition vor. Zum Sitzkomfort trägt auch die ausgeformte Rückenlehne bei: Beim Zurücklehnen federt sie angenehm nach. Entstanden ist ein eigenständiger, ikonenhafter Entwurf mit archetypischen Zügen, der das Erbe Thonets mit zeitgemäßem Know-how verbindet.
Die Modelle 404 und 404 F unterscheiden sich in den Dimensionen und formalen Details. Das Modell 404 F ist ein Holzstuhl mit Armauflagen, bei dem die Rückenlehne weiter nach vorne gezogen ist. Die Sitzfläche ist gegenüber dem 404 größer und er hat stärkere Bein- und Rückenholme. Er wiegt 3,7 kg. Der 404 ist dagegen schmaler und verfügt über eine kleinere Sitzfläche. Bein- und Rückenholme haben geringere Querschnitte und sein Gewicht liegt bei 3,0 kg. Bei beiden Modellen sind Sitz- und Rückenlehne aus Formholz gefertigt, Beinund Rückenholme aus Schichtholz. Weitere Materialien kommen nicht zum Einsatz. Es gibt das Programm in Natur und in verschiedenen Farbtönen gebeizt. Es wird ressourcen-schonend hergestellt.