Hotz Partner AG

Architektur und Ausführung | Wädenswil | Since 1971

autobahnraststätte ‚my stop’

Affoltern am Albis/ZH | Switzerland

Hotz Partner AG-autobahnraststätte ‚my stop’
photographer: Rita Peter, Winterthur
Hotz Partner AG-autobahnraststätte ‚my stop’
photographer: Rita Peter, Winterthur
Hotz Partner AG-autobahnraststätte ‚my stop’
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Zur Entstehung der Raststätte im Knonaueramt
Eine Raststätte ist für sich gesehen bereits eine außergewöhnliche Gebäudetypologie - dass überhaupt jemals eine Raststätte auf dem neuen Teilstück der A4 geplant und realisiert wurde, grenzt an ein Wunder... Nur durch hartnäckige Eigeninitiative und dem Zusammenschluss einer Gruppe von engagierten Personen, die stets an das Projekt glaubten, wurde dies letztendlich realisiert.

Die Arbeiten für das bereits in den 70er Jahren projektierte Autobahn-Teilstück der A4 zwischen Zug und Zürich, wurden Ende der 90er Jahre wieder aufgenommen. Eine auf Eigeninitiative durchgeführte Projektanalyse des Architekturbüros Hotz Partner AG über das geplante Autobahnteilstückes bildete die Grundlage, sich über die fehlenden Rastmöglichkeiten auf dieser Reisestrecke Gedanken zu machen. Ohne eine neue Raststätte, so das Resultat der Analyse, würde die Distanz zwischen den bestehenden Betrieben im Urnerland und Kemptthal über 120 Kilometer betragen. Allerdings war entlang der Autobahn kein Bauland für ein solches Bauvorhaben ausgeschieden. Zudem wären eigene Zu- und Wegfahrten für eine neue Raststätte kaum bewilligungsfähig gewesen. Die Ausgangslage für ein solches Projekt war somit beinahe aussichtslos. Erst durch eine geschickte Doppelnutzung des Bodens, beim geplanten Autobahnanschluss Affoltern am Albis, konnte schließlich ein idealer Standort für das Bauvorhaben gefunden werden.

Konzept und Strategien
Da die Anschlüsse bei Affoltern noch nicht gebaut waren, konnten die als Erdwälle projektierten, aufgeschütteten Ein- und Ausfahrtsrampen, durch Brückenkonstruktionen ersetzt werden.
Durch diese Aufständerung wurden über 2 Hektar Bodenfläche frei. Diese war gerade groß genug, um die benötigte Infrastruktur und Parkierung für eine Raststätte zu organisieren. Weil die gewonnene Bodenfläche vollständig innerhalb der Konzessionsgrenze lag, beanspruchte die Raststätte kein zusätzliches Kulturland. Die Ein- und Ausfahrtsstrecken des Anschlusspunktes Affoltern, dienen heute gleichzeitig als Zu- und Wegfahrten für die Raststätte.
Konsequenterweise musste der Hochbau mit einem flächenmäßig möglichst geringen ‚Fußabdruck’ geplant werden. So wurde die Raststätte als Brückenkörper entwickelt, welcher sich quer über die Fahrbahnen spannt. Diese Typologie ermöglicht eine effiziente Nutzung der Räumlichkeiten und der Infrastrukturen.

Umsetzung und Ergebnis
Mit der Idee alleine war aber das Projekt jedoch noch nicht gesichert. Es galt in enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Kantonsbaumeister, den lokalen Politikern, Standortförderern und den Gemeinden Obfelden und Affoltern am Albis Wege zu suchen, um das Projekt für die Realisierung weiter zu entwickeln.
Auf Grundlage einer Machbarkeitstudie wurde zuerst eine straßenpolizeiliche Bewilligung eingeholt. 2005 erteilte der Kanton Zürich die Bewilligung für das Projekt. Darauf folgte die Baubewilligung der zuständigen Gemeinde Obfelden.
Bis zu diesem Zeitpunkt arbeiteten alle Beteiligten auf eigenes Risiko. Um das Projekt in der Region zu verankern wurde eine Interessensgemeinschaft gegründet. Gegen 500 Personen haben sich zuerst in der IG, dann als Aktionäre für das Projekt begeistert und finanziell beteiligt. Ohne diese breite Unterstützung aus der Bevölkerung wäre der Erfolg auf politischem Parkett kaum realisierbar gewesen. Erst nach Erhalt der rechtskräftigen Baubewilligung wurde die heutige Aktiengesellschaft gegründet, die Autobahn Raststätte A4 AG. Im Mai 2006 wurden sämtliche Rechte der IG an die neue AG abgetreten. Zur selben Zeit bewilligte das UVEK das Projekt und wies sämtliche Einsprachen ab. Ende desselben Jahres erteilte der Regierungsrat des Kantons Zürich eine Konzession für die nächsten 75 Jahre.

Architektur
Für den einzigartigen Kontext des weitläufigen Ortes wurde ein prägnantes Zeichen gesucht. Umschlungen von den asphaltierten Armen der Ein- und Ausfahrten, der Verbindungsstrassen, den Parkierflächen sowie der vierspurigen Autobahn selbst, musste das Gebäude eine starke Eigenständigkeit aufweisen. Dies wurde durch eine Großform erreicht, welche den Maßstab des Ortes aufnimmt und mit seinen spitzwinkligen Ecken und Kanten sich in dem dynamischen Zentrum des Autobahnanschlusspunktes einbindet. So steht die Raststätte als Landmark dominant über dem Autobahnanschlusspunkt von Affoltern am Albis und Obfelden.
Von den Haupteingängen führen Rolltreppen die Besucher zuerst in ein im Zwischengeschoss gelegenes Cafe und dann in das erste Obergeschoss, welches als introvertiertes Shoppinggeschoss, mit neutralen, frei einteilbaren Ladenflächen konzipiert ist. Eine weitere Rolltreppe erschließt das zweite Obergeschoss mit dem Restaurant, dem eigentliche Herzstück der Raststätte. Zwei Panoramaverglasungen geben den Blick über die umliegende Region und das pulsierende Treiben der Autobahn frei. Die Raststätte A4 AG betreibt als Eigenbetriebe, die im Erdgeschoss gelegenen Tankstellen Shops, die Cafebars in den Zwischengeschossen sowie das Restaurant.

Das äußere Erscheinungsbild wird durch die beiden unterschiedlichen, von einander abgelösten Schichten, zwischen denen sich die Fluchtwege befinden, definiert. Die innere der beiden Schichten besteht aus einer gelblich-grün lackierten Metall-Sandwich-Konstruktion, welche den eigentlichen thermischen Abschluss des Betonskelettbaus der Raststätte darstellt. Die äußere Fassadenschicht aus perforiertem Aluminium Trapezblech umhüllt das gesamte Gebäude wie ein feines Kleid. Diese beinahe textil wirkende Haut verändert ihre Dichte und Farbe je nach Blickwinkel, Lichteinfall und Intensität. Sie lässt den Bau einmal leicht, fast schwerelos und durchsichtig, dann wieder massiv, geschlossen und silbern glänzend erscheinen. Dieser Effekt wird am Abend sowie in der Nacht durch ein Ausleuchten der Zwischenschicht noch verstärkt. Die beidseitig angelegten großen Erker, hoch über der Fahrbahn, durchbrechen als einziges Element das Aluminiumkleid und verleihen der Raststätte einen unverwechselbaren Erkennungswert. Der Besucher erfährt an dieser Stelle den Bezug zur pulsierenden Autobahn sowie zur umliegenden Region, mit ihren weiten Hügeln und Feldern im Norden und dem Alpenpanorama mit Rigimassiv im Süden.

Design team:

Hotz Partner AG

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photographer: Rita Peter, Winterthur
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