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Category:

Architects
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© Andreas Müller

Profile

„Das rein `Machbare` ist uns zu wenig – auch wenn es noch niemand ausprobiert haben sollte. Unsere Motivation sind Innovation & Perfektionismus, die das Besondere zum Maßstab unserer Ideen und Arbeiten machen“, Michael Embacher.

Seit 18 Jahren widmet sich unser Büro außergewöhnlichen Projekten für außergewöhnliche Kunden mit einem hohen kulturellen oder künstlerischen Anspruch. Bei den Aufgaben, mit denen man uns betraut, geht es immer um die bestmögliche Verschmelzung von Design und Funktion, nie um Standardlösungen, oftmals um Architektur und meist um unkonventionelle oder neu zu entdeckende Materialien. Kein Projekt ist uns zu komplex oder ungewöhnlich – im Gegenteil. Unsere Leidenschaft und unser Ehrgeiz gelten jenen Aufgaben, die Interpretation benötigen, Recherche, Erfindungsgabe und Konsequenz in der Umsetzung, die wir bis um letzten Handgriff der Fertigstellung begleiten. Mit den Ergebnissen unserer Arbeit haben wir uns einen Namen gemacht. Unsere Kunden finden zu uns – und darauf sind wir stolz – durch Mundpropaganda und persönliche Empfehlung. In Wettbewerb treten wir nicht durch die Teilnahme an Präsentationen, sondern durch die Gestaltungskraft und perfektionistische Kleinarbeit unserer realisierten Projekte.

Ob Ausstellungen für das Wiener MAK, multifunktionale Räume und Bauten wie das Herbert von Karajan Centrum, den Auftritt des österr. EU-Vorsitzes 2006, das technische Depot historischer Filme in Luxemburg, Präsentationssysteme, Galerieräume oder Produktdesign – nach unserem Verständnis entsteht Qualität nur durch minutiöse Konzeptarbeit, die nicht nach formalen Gesichtspunkten funktioniert, sondern den permanenten Einsatz von Kreativität benötigt.

Außergewöhnliches zu schaffen bedarf Zeit und Ressourcen. Darüber wollen wir nicht hinwegtäuschen. Natürlich gilt auch für uns die Verpflichtung zu effizienten Prozessen und dem optimierten Einsatz aller zur Verfügung gestellten Mittel. Doch der Fokus unserer Projekte liegt darin, zieloptimierte und unverwechselbare Lösungen zu finden. Design von der Stange und Architektur im Mainstream sind nicht unser Anspruch. Auch nicht der unserer Kunden. Wer neue Wege gehen will, muss den Weg oft erst suchen. Muss mitunter experimentieren, evaluieren, manchmal auch den Schritt zurück wagen. Und das nicht aus Verschwendung, sondern für die Perfektion und das Ergebnis, die am Ende stehen.

Philosophy

Dem berühmten deutschen Architekten und minimalistischen Künstler Ludwig Mies van der Rohe wird ein programmatischer Ausspruch zugeschrieben: „Gott wohnt im Detail“. Der Wiener Michael Embacher (46) lebt dieses Prinzip wie kaum ein anderer. Er entwirft vor allem Interieurs für sehr spezielle Kunden. Mit sehr speziellen Ergebnissen, die schon auf den ersten Blick den umbremsbaren Hang zum funktionalen Perfektionismus und die Obsession mit unkonventionellen Materialien verrät. Büros und Wohnungen, Ausstellungsräume und Installationen – oft sind es alltägliche Aufgaben, doch stets sind es Bauherren, die extrem hohe kulturelle oder künstlerische Ansprüche haben. Künstler eben, oder Leute, die Kunst lieben. Und die sich niemals mit Standardlösungen zufrieden geben, sondern Lust am Experimentieren empfinden. Einem Sammler und Kunsthistoriker baute Embacher beispielsweise eine Küche ein, deren Schrankoberflächen nicht aus den üblichen Lacken und Kunststoffen bestehen, sondern aus dem Gummi des legendären REX-Einmachglases. Es altert zu einer wunderbar fleckigen Struktur und sieht am Ende aus wie Marmor. Ist aber dennoch aus Gummi.

Museumsarbeit
Derart subtile Material-Ironien setzten natürlich Bildung und Humor voraus. Über diese glückliche Charakter-Kombination verfügen nur die Wenigsten. Dennoch gibt es in Österreich ausreichend viele Gebildete, Vermögende und Humorvolle, sodass Embacher seit achtzehn Jahren ein kleines Büro mit zwölf Mitarbeitern betreiben kann. Es tut nichts anderes als Hi-End-Konstruktionen für die Liebhaber der vollendeten Form zu planen. Vom Schlüsselanhänger bis zum kompletten Bau mittlerer Größe entwirft Embacher eigentlich alles. Er sieht sich – viel zu bescheiden – als einfacher Dienstleister, nicht als Künstler. Das dürfte seinen de-facto-Berufskollegen, den Architekten, missfallen. Denn nichts fürchten sie mehr, als auf die Funktion einer angeblich minderwertigen „Planungs-Dienstleistung“ reduziert zu werden. Doch was, wenn der Bauherr höchst gebildet ist und Experte auf mehreren Kulturgebieten? Da kommen durchschnittlich gebildete traditionelle Planer kaum weiter. An der TU lernt man eben nicht, für Leute zu planen, die Singuläres fordern. Aber wie wird man dann zum erfolgreichen Designer künstlerisch und technisch derart anspruchsvoller Bauaufgaben? Niemand kann das anstreben, auch Embacher tat es nicht. Eine individuelle Begabung muss auf eine Individuelle Nachfrage stoßen. Die größten Chancen dafür gibt es naturgemäß im Kunstbetrieb, in dem auch Embacher „aufwuchs“. Als Architekturstudent bevorzugte er eine „luxuriöse“ Lernmethode, die damals belächelt wurde und heute noch immer nicht selbstverständlich ist: Das reale Ausprobieren von Konstruktionen statt dem bloßen Entwerfen und Berechnen. Kein Wunder, dass er bei einem Architekten arbeiten wollte, der genau das tat: Aus inhaltlichen und funktionalen Überlegungen innovative Formen zu entwickeln, die dann in der Regel erstmals und oft auch nur ein einziges Mal von ehrgeizigen und geduldigen Ausführungsfirmen realisiert werden. Das war Günther Domenig, Begründer der legendären Grazer Architektur-Schule und Objektkünstler von Rang. Bei Domenig arbeitete Embacher am Entwurf für das Bürohaus einer Bank und an der Ausstellung von dessen „Steinhaus“ im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK). So lernte er MAK-Direktor Noever kennen, der ihn später mit kleineren Umbauten beauftragte. Nach drei Jahren wechselte er zu Sepp Müller, der am Umbau des MAK arbeitete. Später plante Embacher für das MAK als freier Designer und entwarf Ausstellungsinstallationen, kleinere Umbauten wie jene der Bibliothek und der Buchhandlung sowie – gemeinsam mit Peter Noever und Sepp Müller – ein Umbauprojekt für einen der berüchtigten Wiener „Flak-Türme“ der NS Zeit, in dem ein Depot des MAK untergebracht ist und das zum „Contemporary Art Tower (CAT)“ adaptiert werden soll.

Ausprobieren statt studieren
Werbung für sich muss Embacher keine machen. „Leute kommen zu mir, die sich für ihr Geld von mir etwas machen lassen“, sagt er lakonisch. Und da kommt es auf die richtige Einstellung an: „ Ich versuche, etwas gut zu machen und mich der jeweiligen Aufgabe unterzuordnen“ – und auf den richtigen Draht zum Bauherrn:“ Mann muss versuchen, die Menschen zu verstehen“. Die spannendste Verständnis-Aufgabe kam früh: Für eine Installation des New Yorker Künstlers Vito Acconci hatte Embacher ganze drei Monate Zeit, eine gewaltige Konstruktion aus hundert Tonnen Stahl für den großen Ausstellungssaal des MAK zu realisieren. Spätestens bei dieser Arbeit hat Embacher „gelernt zu verstehen was Künstlern wichtig ist“. Diese Einfühlungsfähigkeit, die überaus sinnliche Experimentierlust und die Leidenschaft für unkonventionelle Materialien und Konstruktionen formen ein singuläres Künstlerprofil. Sehr anschaulich kann man das erleben, wenn man Embachers Atelier besucht. Alles hier, von der Lage bis zum kleinsten Detail, lässt den obsessiven Konstrukteur spüren. Eine typische Gewerbefläche in einem Hinterhoftrakt in Wien-Neubau. Embacher war der erste „Kreative“ in diesem angeregten industriellen Ambiente. Nach ihm mieteten sich weitere Architekten ein, darunter die bekannte und erfolgreiche Truppe BEHF. Embachers Atelier ist angefüllt mit chinesischen beschrifteten Schachteln, in denen sich alles findet, was ein Designer und Konstrukteur so braucht: Scharniere und Winkel, Beschläge aller Art, Materialproben von Papier über Holzarten bis zu Stahl und Stein. Embacher muss alles sehen, fühlen und begreifen können: “Ich lerne mehr, wenn ich es ausprobiere, als wenn mir jemand sagt, wie’s geht.“ Die chinesische Inventarisierung stammt von seiner Frau, die aus Taiwan kommt.

Jean Prouvé und das Erfinder-Design
Wer sind Embachers Helden? Auch das ist nicht schwer zu erraten, denn alles, was unkonventionelle Konstruktion und konstruktionsbestimmtes Design betrifft, kommt dafür in Frage. Der Säulenheilige dieser Fraktion ist Jean Prouvé (1901 – 1984), Sohn des Begründers der École de Nancy und ausgebildeter Kunstschmied, später Designer und Architekt. Prouvé ist berühmt für seine Möbelentwürfe und Serienhäuser, die er meist als Metallkonstruktionen schuf. Permanente Erfindung ist das tägliche Brot derartiger Konstrukteure. Auch Embacher besitzt natürlich Patente für einige seiner Kreationen, beispielsweise für ein überaus innovatives und effizientes Plakatarchivierungssystem. Solche Leidenschaften finden ihre Verbündeten. Für die Österreich-Zentrale eines Chemiekonzerns, der Haushaltsreiniger herstellt, entwarf Embacher ein Büro. Der Chef ist Kunstkenner und Sammler, er wünschte sich „etwas Besonderes.“ Embacher brachte die Ästhetik von Jean Prouvé ins Spiel – worauf sich herausstellte, dass der Manager seit dreißig Jahren Prouvé sammelt. Klar, dass dann ganze zwei Treffen mit dem Bauherrn genügten, um zu klären, dass der Designer jeden einzelnen Entwicklungsprozess der nötigen Komponenten (vom geklappten Sideboard mit Hinterleuchten über die Integration der Elektronik in raffinierte Büromöbel bis zu höchst eleganten Nasszellen) bis zum logischen Ende durcharbeiten durfte. Das Ergebnis passt wie ein Maßanzug. Die gediegene, gleichzeitig aber subtil künstlerische Atmosphäre der Räume ist beeindruckend.

Text: Matthias Boeckl